«Talk Täglich»
CH Media-Auslandchef über die Ära Biden: «Es wird schwierig für ihn, die Gräben im Land zu füllen»

Am Mittwochabend, Schweizer Zeit, wird Joe Biden als 46. Präsident der USA vereidigt. In der Diskussionssendung «Talk Täglich» wagen CH Media-Auslandchef Samuel Schumacher und USA-Kenner Martin Naville einen Ausblick auf die Ära Biden.

CH Media
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(luk) Kann Joe Biden die gespaltenen USA wieder einen? Diese Frage stand auch im Zentrum der Diskussionssendung «Talk Täglich» vom Mittwochabend, nur Augenblicke nach der Amtseinführung des 46. Präsidenten der Vereinigten Staaten. Zu Gast bei Moderator Oliver Steffen waren dafür der CEO der US-Handelskammer, Martin Naville und Samuel Schumacher, Auslandchef bei CH Media.

Auf die Gräben angesprochen, die Trump während seiner vierjährigen Amtszeit im Land hinterlassen haben soll, antwortete Naville: «Diese Gräben hat es in Amerika schon immer gegeben. Die USA sind einfach ein Land, das sehr stark zersplittet ist.» Allerdings sei die Tonalität in den vergangenen vier Jahren unter Trump extrem gewesen. Naville glaube daher, dass die Chance bestehe, dass diese Gräben in Amerika unter Biden wieder ertragbarer seien.

Grosses Misstrauen der Amerikaner in ihre Regierung

Weniger optimistisch sieht das Samuel Schumacher. In den USA herrsche ein grosses Unvertrauen in die Regierung, dies zeige sich etwa dadurch, dass viele Amerikaner nach wie vor an eine gefälschte Präsidentschaftswahl glauben. Der CH Media-Auslandschef ist überzeugt: «Solange die gemeinsame Basis fehlt, wird es für Biden schwierig werden, die Gräben im Land zu füllen.»

Auf die neue Vize-Präsidentin Kamala Harris angesprochen, kommt Naville ins Schwärmen: «Eine tolle Frau! Ich habe sie vor ein paar Jahren getroffen. Unglaublich intelligent und charismatisch. Biden muss sich warm anziehen, wenn er nicht von ihr übertrumpft werden will.»

«Aussenpolitisch war Trump für die Schweiz gar nicht schlecht»

Schumacher glaubt gar, dass Harris gute Chancen auf die Präsidentschaft nach der Ära Biden habe. Dies macht er auch an der Tatsache fest, dass Biden der älteste US-Präsident aller Zeiten ist. «Es ist sehr fraglich, ob Biden in vier Jahren nochmals antreten wird. Eine Kandidatur von Kamala Harris ist durchaus wahrscheinlich.»

Mit einem Rückblick auf Donald Trumps Bilanz als US-Präsident erklärt Schumacher: «Schaut man auf die Schweiz, war Trump für unser Land gar nicht so schlecht.» Schliesslich sei er seit langem der erste US-Präsident, der einen Bundesrat ins Weisse Haus eingeladen habe. Auch habe Trump die Schweiz während seiner Amtszeit zweimal selbst besucht. Schumacher ist sich sicher: «Unter Biden wird die Schweiz erst einmal eher wenige aussenpolitische Impulse bekommen.»

Martin Naville über die bevorstehende Ära Biden: