Iran

Chef des iranischen Cyberwar-Programms erschossen

Ein hochrangiger Mitarbeiter des iranischen Cyberwar-Programms ist ermordet worden. Sein Tod gibt zu Spekulationen Anlass und könnte die Entspannung zwischen Washington und Teheran gefährden.

Dagmar Heuberger
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Wurde Ahmadi ein Opfer des Cyberkriegs? (Symbolbild)

Wurde Ahmadi ein Opfer des Cyberkriegs? (Symbolbild)

Keystone

Mojtaba Ahmadi, der Chef des iranischen Cyberwar-Programms, wurde am Montag nordwestlich der iranischen Hauptstadt Teheran tot aufgefunden.

Das meldeten gestern das Online-Magazin «Foreign Policy» und die britische Tageszeitung «The Telegraph».

Sie beziehen sich auf eine den iranischen Revolutionsgarden nahestehende Webseite.

«Ich sah zwei Kugeln in seinem Körper und die Art der Verletzungen wies darauf hin, dass er aus nächster Nähe erschossen wurde», wird ein Zeuge zitiert.

Gemäss der örtlichen Polizei waren zwei Motorradfahrer in den Mord verwickelt. Auf der Facebook-Seite des iranischen Cyberwar-Hauptquartiers wurde der Tod von Ahmadi bestätigt.

Mord oder schrecklicher Unfall?

Die Hintergründe des Mordes sind mysteriös. In iranischen Twittermeldungen wird bestritten, dass Ahmadi der Chef des Cyberwar-Programms war; er sei lediglich ein lokaler Kommandant der Revolutionsgarden gewesen, heisst es.

Die Revolutionsgarden wiederum dementieren, dass es sich um einen Mord gehandelt habe. Vielmehr ist von einem «schrecklichen Unfall» die Rede, der untersucht werde.

Spekuliert wird auch über Motive und Täter - so es sich denn um einen Mord handelte.

Die Tat könnte im Zusammenhang mit iranischen Cyber-Attacken stehen. Im Sommer hatte ein iranischer Virus mehr als 30 000 Computer der saudischen Ölgesellschaft Aramco infiziert.

Die USA sahen darin eine Vergeltung für den Stuxnet-Virus, der dem iranischen Atomprogramm gegolten hatte. Vor einem Jahr waren eine Reihe westlicher Banken Ziel eines Virus, der ebenfalls Iran zugeschrieben wurde. Und vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass Teheran die Computer der US-Navy gehackt hat.

Die USA haben frühere Morde an Mitgliedern des iranischen Regimes immer dem israelischen Geheimdienst zugeschrieben.

Diese Opfer waren allerdings stets in das iranische Atomprogramm involviert. Zwar fürchtet Israel auch die iranischen Cyber-Attacken.

Es schätzt diese Gefahr aber als weit geringer ein als die Bedrohung durch iranische Atomwaffen. Weshalb also sollte Israel den Chef des Cyberwar-Programms töten?

Steckt der Mossad dahinter?

Auffällig und heikel zugleich ist der Zeitpunkt des Mordes: Er geschah unmittelbar nach dem historischen Telefongespräch zwischen US-Präsident Barack Obama und dem iranischen Präsidenten Hasan Rohani.

Und nur wenige Wochen vor den für Mitte des Monats in Genf geplanten Atomgesprächen. Israel sieht das Tauwetter zwischen Washington und Teheran gar nicht gerne.

Das machte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sowohl gegenüber Obama als auch in seiner Rede vor der UNO-Vollversammlung deutlich.

Ist der Mord an Ahmadi somit ein Versuch Israels, die gerade erst einsetzende Entspannung zwischen den USA und Iran zu torpedieren?

Bestätigt sich nämlich, dass die Tat auf das Konto einer westlichen Macht geht, bedeutet das eine Stärkung jener Kreise in Teheran, die Rohanis Versöhnungsgesten kritisieren.