Nach den USA will auch China zum roten Planeten – in den nächsten Tagen soll die Mars-Mission starten

Peking startet seine erste Mars-Mission. Trotz Corona läuft das Raumfahrtprogramm auf Hochtouren. Ziel ist es, einen 240 Kilogramm schweren Rover landen zu lassen. Die Reise wird mehrere Monate dauern.

Fabian Kretschmer aus Peking
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Testflug mit der Mars-Sonde: Peking will noch diesen Monat in Richtung roter Planet aufbrechen.

Testflug mit der Mars-Sonde: Peking will noch diesen Monat in Richtung roter Planet aufbrechen.

Andy Wong / AP

In der kargen Dünenlandschaft der Wüste Gobi hat die chinesische Firma C-Space eine Weltraumstation namens «Mars Base 1» errichtet: Angehende Astronauten und Schulklassen auf Exkursion können in den weissen Kuppelgebäuden lernen, wie der Alltag im All ausschaut – vom Tragen luftdichter Raumanzüge bis hin zur Zucht von Fadenwürmern für die Eiweisszufuhr. Selbst futuristische Space-Buggys stehen zum Fahren in der rötlichen Sandwüste bereit.

Im diesem Juli werden die Mars-Ambitionen schliesslich Realität: China lässt in den kommenden Tagen seine erste Mars-Mission steigen. «Tianwen» heisst das Mammutprojekt, dessen Flugdauer mehrere Monate dauern wird. Schliesslich gilt es, eine Distanz von rund 55 Millionen Kilometern zu überwinden. Ziel ist es, einen 240 Kilogramm schweren Rover auf dem roten Planeten landen zu lassen. Bislang ist das nur den Vereinigten Staaten gelungen. Und sollte die Mission scheitern, bietet sich erst in 26 Monaten eine erneute Chance: Dann nämlich steht die Erde günstig für die Flugbahn zum Mars.

Streng geheimes Projekt mit Milliarden-Budget

Längst hat die chinesische Staatsführung ihr Weltall-Programm zur Chefsache erklärt, es untersteht dem Militär und wird streng geheim gehandhabt. Das jährliche Budget soll laut Schätzungen über acht Milliarden US-Dollar betragen, womit es weltweit nach den Vereinigten Staaten an zweiter Stelle steht. Für die kommunistische Partei sind die Space-Ambitionen nicht nur ein wichtiger wirtschaftlicher Wachstumsmotor für die Zukunft, sondern auch ein prestigeträchtiges Propaganda-Projekt.

Wettlauf zum roten Planeten: Diese Länder wollen ebenfalls zum Mars

Mars-Missionen Der energetisch günstigste Weg, um von einer Erd- auf eine Marsumlaufbahn zu kommen, ist der sogenannte Hohmann-Transfer. Die Reise zum Mars würde auf dieser Route etwa neun Monate dauern. Die Umlaufbahnen von Erde und Mars um die Sonne verhalten sich so zueinander, dass etwa alle zwei Jahre und zwei Monate ein günstiges Fenster aufgeht. Zwischen Mitte Juli und Mitte August 2020 muss gestartet werden, das nächste Fenster geht erst 2022 auf.

Vereinigte Arabische Emirate

Neben den Chinesen möchte es auch die Raumfahrtagentur der Vereinigten Arabischen Emirate nutzen. Die Mission heisst Al-Amal (Hoffnung), gestartet wird die Sonde, die in den USA gebaut wurde, mit einer japanischen Trägerrakete vom japanischen Weltraumbahnhof auf der Insel Tanegashima aus. Die erste arabische Weltraummission soll ab Februar 2021 die Atmosphäre und das Klima des Mars untersuchen.

USA

Auch die NASA nutzt das Fenster und möchte am 30. Juli die Mission «Mars 2020» starten. Sie soll den Rover «Perseverance» (Beharrlichkeit) auf den Mars bringen. Er soll Gesteinsproben sammeln. Begleitet wird er von der knapp 2 Kilogrammm schweren Helikopterdrohne «Ingenuity». Sie soll die beste Route für den Rover auskundschaften. Die Landung ist für Februar 2021 geplant. Bei dieser Mars-Sample-Return-Mission könnte auch die ESA (die Europäische Weltraumorganisation) mitwirken. Das erste Marsgestein würde 2031 auf der Erde erwartet. (chb)

1970 feuerten die Chinesen ihre erste Satellitenrakete ins All, damals noch mit Hilfe der sowjetischen Ingenieurskunst. Im Jahr 2003 gelang der Volksrepublik dann erstmals, einen Menschen zu entsenden – Astronaut Yang Liwei ist seitdem ein Volksheld, der die Bevölkerung mit Stolz erfüllt. Der bisher grösste Meilenstein Chinas erfolgte im Januar, als die erste Landung einer Sonde auf der erdabgewandten Seite des Mondes überhaupt gelang. Seitdem hat der 140 Kilogramm schwere Kundschafter in 17 Monaten über 400 Meter zurückgelegt. Derzeit schickt zudem kein anderes Land der Welt mehr Satelliten ins All, im letzten Jahr waren es über 30 Starts.

Die Zukunftspläne der chinesischen Raumfahrt sind ambitioniert: Missionen zum Jupiter und Uranus sind in Planung, genau wie die Errichtung einer Forschungsstation am südlichen Polarkreis des Monds. Gleichzeitig will man noch bis Ende 2022 seine erste permanente Weltraumstation fertigstellen – sollte die ISS 2024 abdanken, würden die Chinesen die einzige bemannte Raumstation stellen.

Nicht immer spielt die Technik mit

Dies ist umso erstaunlicher, da es dem Reich der Mitte aufgrund nationaler Sicherheitsbedenken von Washington untersagt ist, Bauteile von US-Firmen zu integrieren. Gleichzeitig hat Peking einen strategischen Vorteil: Da es im Land keine freien Wahlen gibt, kann Präsident Xi Jinping seine Vision von China als führende Weltallmacht kontinuierlich vorantreiben, ohne Debatten über die Sinnhaftigkeit des sündhaft teuren Programms von Seiten der Zivilgesellschaft fürchten zu müssen.

Denn trotz Coronakrise zieht die Regierung ihre Ziele ohne Handbremse durch. Nur die Technik spielt manchmal nicht mit: Im März hätte ein neuer Raketentyp namens «Langer Marsch 7A» von der Insel Hainan abheben sollen. Zwei Stunden später vermeldeten die staatlichen Medien, dass der Start nicht geglückt ist. Die Gründe dafür sind – wie so vieles in der chinesischen Raumfahrt – streng geheim.