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CHINA: Ein ganzes Dorf – total ausradiert

Ein massiver Erdrutsch hat in der südwestchinesischen Provinz Sichuan mindestens 121 Menschen begraben. Chancen, Überlebende zu finden, gibt es kaum noch.
Felix Lee, Peking
Mit vielen Baggern suchen die Helfer im riesigen Lawinenkegel nach Verschütteten. (Bild: Xue Yubin/imago/Xinhua (Xinmo, 25. Juni 2017))

Mit vielen Baggern suchen die Helfer im riesigen Lawinenkegel nach Verschütteten. (Bild: Xue Yubin/imago/Xinhua (Xinmo, 25. Juni 2017))

Felix Lee, Peking

Als Rettungshelfer hat Wang Yongbo schon einige Katastrophen miterleben müssen. Doch was er an diesem Morgen zu sehen bekommt, stellt seinen eigenen Worten zufolge «alles Bisherige in den Schatten». Schutt, Felsbrocken und Geröllmassen – so weit das Auge reicht. Dazwischen Tausende von Helfern in orangefarbenen Leuchtwesten, die versuchen, noch Überlebende zu finden. «Doch die Chancen sind gering», sagt Helfer Wang dem chinesischen Staatssender CCTV. «Dieser Erdrutsch war einfach zu gewaltig.»

Eine Gerölllawine hat am frühen Samstagmorgen in der südwestchinesischen Provinz Sichuan ein ganzes Dorf unter sich begraben. Nach Angaben chinesischer Staatsmedien sind sämtliche 62 Häuser von Xinmo verschüttet. Bisher gelang es den Rettungskräften, 15 Leichen zu bergen, mindestens 118 Menschen gelten als vermisst. Unter dem Geröll begraben ist auch ein Hotel. Wie viele Gäste es zum Zeitpunkt des Unglücks zählte, ist bislang nicht bekannt.

Fluss wurde komplett zugeschüttet

Auf einem in sozialen Medien kursierendem Vorher-nachher-Bild ist das gewaltige Ausmass der Zerstörung zu sehen. Schmiegten sich vor dem Unglück noch weisse Bauernhäuser mit roten Dächern malerisch an den Hang, ist vom Dorf Xinmo nicht einmal mehr ansatzweise etwas zu erkennen. Stattdessen sind nur noch Gesteinsmassen zu sehen. Auch der nahe gelegene Fluss ist auf einer Länge von zwei Kilometern komplett zugeschüttet. In Videoaufnahmen ist zu sehen, wie sich das Wasser einen neuen Weg durch das Felsgeröll bahnt.

Eine dreiköpfige Familie entkam dem verheerenden Unglück nur knapp. «Unser Baby hat mich gerettet», sagte der verletzte Vater im Krankenhaus dem lokalen Fernsehen. Er habe am frühen Morgen aufstehen und sich um das Kind kümmern müssen, weil es schrie. Da habe er gemerkt, dass die Erde ins Rutschen gekommen war. «Meine Frau und ich nahmen das Baby und rannten los.» Die Familie wurde daraufhin hin vom Flusswasser mitgerissen. Sanitäter zogen die drei aus dem Wasser und brachten sie in ein Krankenhaus.

Für andere Familien endete die Katastrophe tragisch. Zhang Liancheng, der einen guten Kilometer vom Unglücksort entfernt wohnt, vermisst acht Familienmitglieder. «Ich wachte von einem lauten Krach um 5.40 Uhr auf. Als ich um sechs Uhr an die Unglücksstelle kam, war das ganze Dorf verschüttet», sagte er lokalen Medien.

Es ist ein Rennen gegen die Zeit. Schutt von mehr als 20 Metern liege über dem Dorf, berichtet ein Reporter von CCTV. Die Helfer müssten Tunnel graben, um zu den Opfern zu gelangen. Anfangs seien noch Lebenszeichen zu hören gewesen. Später seien die Hinweise aber verstummt. Die Rettungsarbeiten dauerten auch den ganzen Sonntag über an. Insgesamt sind mehr als 3000 Helfer im Einsatz.

Ursache der Katastrophe waren laut Experten die heftigen Regenfälle der vergangenen Tage. Zahlreiche Flüsse in der Region liefen über die Ufer. Laut Feuerwehr war der Boden so aufgeweicht, dass sich die Erdmassen von einem hohen Berghang lösen konnten. Über drei Millionen Kubikmeter Erde und Steine rutschten den Berg herab.

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