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CHINA: Mysteriöser Zug in Peking: War Kim Jong-Un in China?

War der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-Un in geheimer Mission in Peking? Sollte das der Fall gewesen sein, wäre dem nordkoreanischen Machthaber ein weiterer Schachzug gelungen.
Felix Lee, Peking
Mit diesem Zug soll Kim Jong-Un oder ein hochrangiger nordkoreanischer Offizier nach Peking gereist sein. (Bild: Keystone (27. März 2018))

Mit diesem Zug soll Kim Jong-Un oder ein hochrangiger nordkoreanischer Offizier nach Peking gereist sein. (Bild: Keystone (27. März 2018))

Felix Lee, Peking

War er in Peking? Oder war er es nicht? Die ersten Anzeichen, dass Nordkoreas Machthaber Kim Jong-Un nach China gereist sein könnte, gab es bereits am Montag. Schwer bewacht und mit grossem Sicherheitsaufgebot fuhr in der Grenzstadt Dandong ein dunkelgrüner Zug mit knallgelbem Streifen über die chinesisch-nordkoreanische «Freundschaftsbrücke». Das zumindest berichtet der japanische Fernsehsender NHK. Schon sein Vater, der damalige Machthaber Kim Jong-Il, hatte einen solchen Zug für Reisen nach China und Russland benutzt. Dieser Zug fällt auch deswegen auf, weil er im Gegensatz zu den chinesischen Hochgeschwindigkeitszügen altbacken wirkt.

In dem Zug könnte allerdings auch Kim Yo-Jong gesessen haben, die jüngere Schwester des nordkoreanischen Diktators. Ihr kommt offenbar eine zentrale Rolle in Nordkoreas jüngster Entspannungspolitik zu, seitdem sie im Februar zur Eröffnung der Olympischen Winterspiele nach Südkorea gereist war und vom südkoreanischen Präsidenten Moon Jae-In empfangen wurde.

Auffallende Sicherheitsmassnahmen

Nur: Dann hätten die Beteiligten keinen so grossen Aufwand betrieben. In Seoul landete Kims Schwester mit dem Flugzeug. Die Bahnhofsgegend und das gesamte Pekinger Regierungsviertel waren gestern weiträumig abgesperrt. Sicherheitsvorkehrungen in diesem Ausmass sind normalerweise nur Staatschefs vorbehalten. Pekinger Passanten haben angeblich auch eine Ehrengarde in der Nähe des Bahnhofs aufmarschieren sehen.

Das chinesische Aussen­ministerium wollte gestern einen Besuch des nordkoreanischen Machthabers in Peking nicht bestätigen. «Gegenwärtig» gebe es ihn nicht, sagte eine Sprecherin. «Wenn wir Informationen haben, werden wir sie veröffentlichen», fügte sie hinzu. China wolle aber weiter eine «positive und konstruktive Rolle» im Nordkorea-Konflikt spielen, um eine atomare Abrüstung der Koreanischen Halbinsel zu erreichen.

Auch in den chinesischen Staatsmedien war von einem möglichen Besuch Kims in Peking kein Sterbenswörtchen zu finden. Zu der Zeit kursierte im chinesischen Internet bereits ein Bild von Kim, händeschüttelnd mit dem chinesischen Premierminister Li Keqiang. Die Quelle ist unbekannt. Andere Einträge mit Stichwörtern wie Nordkorea oder Kim Jong-Un waren in den sozialen Medien binnen weniger Minuten wieder gelöscht. Allerdings hatten auch schon bei Vater und Vorgänger Kim Jong-Il die chinesischen und nordkoreanischen Staatsmedien immer erst dann über seine China-Besuche berichtet, wenn er das Land schon wieder verlassen hatte.

Sollte Kim Jong-Un tatsächlich die vergangenen zwei Tage in geheimer Mission in Peking gewesen sein – es wäre nicht nur seine erste Auslandreise, seitdem er über Nordkorea herrscht, sondern ein äusserst geschickter Schachzug. Noch vor vier Monaten hatte sich das Regime mit Atomtests und immer neuen Raketenabschüssen in die Isolation manövriert. Selbst China, das einzige Land, das überhaupt noch Handel mit dem völlig verarmten Nordkorea betrieb, missbilligte Pjöngjangs Vorgehen und trug schliesslich die Sanktionen mit, die die Vereinten Nationen gegen Nordkorea verhängt haben. Der Grenzhandel ist seitdem völlig gestoppt.

Kim Jong-Un stärkt sich für Verhandlungen

Ob es die Sanktionen sind, die Nordkoreas Machthaber dazu bewogen haben, nach Jahren der Hasstiraden auf versöhnliche Töne zu setzen? Er scheint erfolgreich zu sein. In seiner Neujahrsrede war der Diktator zunächst überraschend auf Südkorea zugegangen. Ein Treffen mit Moon soll es noch im April geben. Vor drei Wochen hat Kim noch überraschender auch bei US-Präsident Donald Trump um direkte Gespräche gebeten. Trump sagte zu. Dieses Treffen soll voraussichtlich im Mai stattfinden. Sollte es Kim nun gelungen sein, sich in geheimer Mission mit China wieder zu versöhnen, wäre er bei den anvisierten Verhandlungen sowohl mit Moon als auch mit Trump gestärkt. Von China hängt es letztendlich ab, ob die Sanktionen wirken oder nicht.

Gestern Abend vermeldet die japanische Nachrichtenagentur Kyodo, der «mysteriöse Sonderzug» habe den Pekinger Bahnhof wieder verlassen – und zwar Richtung Nordosten.

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