Friedensnobelpreis

China verschärft Druck vor Nobelpreisvergabe an Liu Xiaobo

Vor der Nobelpreis-Zeremonie für den inhaftierten Bürgerrechtler Liu Xiaobo am Freitag in Oslo haben chinesische Behörden den Druck auf Kritiker im eigenen Land verstärkt. Auch Chinesen in Norwegen bekommen den langen Arm Chinas zu spüren.

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 Der chinesische Dissident Yang Jianli spricht vor der chinesischen Botschaft in Oslo.
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 Liu Xiaobo ist für die chinesische Regierung der Staatsfeind Nummer 1.
 Daniel Graf - Mediensprecher von Amnesty International - setzt sich für die Freilassung von Liu Xiaobo ein.
 Barack Obama und Liu Liu Xiaobo haben etwas gemein. Sie erhielten den Friedensnobelpreis.
 Heute wird der Preis in Oslo übergeben. Der Preisträger kann nicht kommen, er sitzt in China im Gefängnis.
Liu Xiaobo erhält heute den Friedensnobelpreis

Der chinesische Dissident Yang Jianli spricht vor der chinesischen Botschaft in Oslo.

Ein enger Freund des Preisträgers und Mitverfasser der "Charta 08" für Demokratie und Menschenrechte in China sowie andere Aktivisten wurden durch Angehörige der chinesischen Staatssicherheit verschleppt, teilte die Menschenrechtsgruppe Chinese Human Rights Defenders (CHRD) mit.

In Oslo protestierten dennoch Exil-Chinesen vor der Botschaft ihres Heimatlandes gegen die Inhaftierung Liu Xiaobos und die Unterdrückung der Meinungsfreiheit. Botschaftsangehörige weigerten sich, von Amnesty-International-Vertretern eine Liste mit 100'000 Protest-Unterschriften in Empfang zu nehmen.

AI berichtete, chinesische Diplomaten in Norwegen hätten ansässige Chinesen systematisch unter Druck gesetzt, um diese zu Protesten gegen die Nobelpreiszeremonie in Oslo zu bewegen.

Serbien doch dabei

Unter dem massiven Druck Chinas hatten auch mehrere Länder eine Teilnahme an der Zeremonie abgelehnt. Das norwegische Nobelinstitut teilte unmittelbar vor der Feier im Osloer Rathaus mit, dass mindestens 15 Länder der Zeremonie fernbleiben wollten.

Zunächst hatten 19 Länder ihre Teilnahme abgesagt. Nach den Institutsangaben hatten bis Freitagmittag nun aber 46 Länder, darunter die Schweiz, ihre Teilnahme fest zugesagt.

Unsicherheit gebe es noch bei Algerien und Sri Lanka. Definitive Absagen habe man erhalten von China, Russland, Kasachstan, Tunesien, Saudi-Arabien, Pakistan, Irak , Iran, Vietnam, Afghanistan, Venezuela, Ägypten, Sudan, Kuba und Marokko.

Serbien hatte dagegen am Freitag seinen Rückzieher rückgängig gemacht: Die Regierung kündigte an, nun doch einen Vertreter zur Nobel-Preisfeier nach Oslo zu entsenden.

Ausreise verweigert

Bei der Feier in Anwesenheit von Norwegens König Harald V. wird der Stuhl des Preisträgers erstmals seit 1936 leer bleiben. Damals hatten die Nationalsozialisten eine Teilnahme des deutschen Friedensnobelpreisträgers und Publizisten Carl von Ossietzky und von dessen Familie verhindert.