US-Wahlen

Clinton gegen Trump: Jetzt fliegen die Fetzen

Clinton und Trump stehen als Kontrahenten fest. So viel steht fest: Sie werden sich im Wahlkampf nichts schenken.

Renzo Ruf, Washington
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Geschafft! Hillary Clinton ist die erste Frau, die für eine Grosspartei ins Rennen ums Weisse Haus steigt. Julio Cortez/keystone

Geschafft! Hillary Clinton ist die erste Frau, die für eine Grosspartei ins Rennen ums Weisse Haus steigt. Julio Cortez/keystone

KEYSTONE

Falls es noch Zweifel gab, dass Amerika vor einem der schmutzigsten Wahlkämpfe der jüngeren Geschichte steht, dann räumte Donald Trump sie am Dienstagabend aus. Der republikanische Präsidentschaftskandidat – stilgerecht in einem seiner Golfklubs sprechend – kündigte für die kommende Woche eine Ansprache an, in der er ein Scheinwerferlicht auf die Karriere seiner demokratischen Gegnerin werfen werde.

«Ich glaube, dass Sie dies sehr informativ und sehr, sehr interessant finden werden», sagte Trump seinen versammelten Anhängern. Ein Vorgeschmack gefällig? Hillary Clinton, behauptete der Republikaner, habe das Aussenministerium während ihrer Amtszeit (2009 bis 2013) in «einen privaten Hedge Funds» verwandelt, indem sie bei ihren internationalen Gesprächspartnern um Spendengelder für die private Clinton-Stiftung gebettelt habe. «Die Russen, die Saudis, die Chinesen gaben alle Geld», behauptete Trump. Im Gegenzug seien die Spender von Amerikas Diplomaten vorteilhaft behandelt worden.

Trump lenkt von sich selbst ab

Die neuerliche Attacke auf die Clintons kommt nicht überraschend. Trump ist sehr daran gelegen, den Fokus des Wahlkampfes wieder auf seine Gegnerin zu legen. Nachdem er mit unpassenden Äusserungen in den vergangenen Tagen auch unter Parteifreunden für Empörung gesorgt hatte. So befand er, dass ein Bundesrichter, der über eine Schadenersatzklage gegen die (mittlerweile nicht mehr existierende) «Trump University» befinden muss, nicht unbefangen urteilen könne, weil dessen Eltern aus Mexiko stammten. Trump will eine Mauer zwischen den USA und Mexiko bauen.

Trump, ein geborener Entertainer, ist sich sehr wohl bewusst, dass er den Bogen nicht überspannen darf. Er weiss, dass viele republikanische Parteimitglieder seiner Kandidatur skeptisch gegenüberstehen. Deshalb raten Strategen ihm an, in den nächsten fünf Monaten vor allem über seine Gegnerin zu sprechen. Schliesslich gibt es keine andere Politikerin, die im konservativen Amerika unbeliebter ist als Hillary Clinton.

Die ehemalige First Lady, ehemalige Senatorin und ehemalige Aussenministerin verfügt seit dem Dienstagabend – nach dem haushohen Sieg in der Vorwahl in Kalifornien – offiziell über genügend Parteitagsdelegierte, um die Nomination zur demokratischen Präsidentschaftskandidatin zu gewinnen. Zwar hat Kontrahent Bernie Sanders seine Niederlage noch nicht eingestanden. Er verwies stattdessen darauf, dass am nächsten Dienstag im Hauptstadtbezirk District of Columbia die letzte Vorwahl stattfinden werde. «Wir werden weiterkämpfen», sagte er vor Anhängern.

Sanders bei Obama

Aber der selbst ernannte Revolutionär aus Vermont weiss natürlich, dass seine Stunde bald schlagen wird. Heute Donnerstag wird Sanders deshalb dem inoffiziellen Parteivorsitzenden der Demokraten einen Besuch abstatten, um mit Barack Obama im Weissen Haus das weitere Vorgehen zu besprechen. Obama drängt es danach, in den Wahlkampf einzugreifen. Der Präsident wird deshalb versuchen, zwischen Clinton und Sanders einen Burgfrieden zu schmieden.

Clinton wiederum nimmt in den kommenden Tagen eine Auszeit. Sie brauche einige Zeit, um ihren historischen Sieg zu verarbeiten, deutete die erste Frau an, die für eine US-Grosspartei ins Rennen um das Weisse Haus steigt. Anfang nächster Woche nimmt die 68-Jährige dann den eigentlichen Wahlkampf auf, mit Reden in den umkämpften Bundesstaaten Ohio und Pennsylvania. Auch Clinton wird dabei ihren Gegner ins Zentrum stellen. Sie wolle das Land einigen, sagte sie am Dienstag, der Republikaner hingegen spalte es. Im November wird sich zeigen, welche dieser Botschaften bei den Wählerinnen und Wählern besser ankommt. Die entscheidende Rolle werden dabei diejenigen Stimmberechtigten spielen, die sich bisher nicht in den Wahlkampf eingemischt haben.Kommentar rechts