US-Wahlen
Clinton oder Trump – wer hat mehr Lügen erzählt? Die zweite TV-Debatte im Faktencheck

Sowohl Hillary Clinton als auch Donald Trump haben an der zweiten TV-Debatte viele Behauptungen aufgestellt. So viel sei verraten: Beide hielten sich dabei nicht immer an die Wahrheit. Der Faktencheck.

Kian Ramezani
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Trump betritt den Saal für die zweite Debatte.
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Clinton betritt die Bühne für die zweite Debatte.
Bloss nicht in die Augen schauen: Trump und Clinton beim Handschlag nach der jüngsten TV-Debatte.
US-Wahlen TV-Debatte Trump Clinton 9. Oktober 2016
Nicht nur politisch, sondern auch räumlich herrscht eine grosse Distanz zwischen den beiden Kandidaten.
Public Viewing in St. Louis.
Public Viewing in Seoul
Ein Bild, das Bände spricht: Donald Trump und Hillary Clinton beim finalen Handschlag.
Zum Schluss kam es dann doch noch zu einem Händedruck.
Trump mit seiner Familie.

Trump betritt den Saal für die zweite Debatte.

AP

Der Faktencheck, den Anfang macht Donald Trump:

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«Wir haben Hunderttausende [Flüchtlinge], die aus Regionen wie Syrien in die USA strömen, und wir haben keine Ahnung, wer sie sind.»

Bislang haben die USA 10'000 syrische Flüchtlinge aufgenommen. Diese haben eine Hintergrund-Überprüfung durch das Ministerium für Innere Sicherheit durchlaufen, das also einiges über sie wissen dürfte.

«Unser Wirtschaftswachstum beträgt nur noch 1 Prozent und wir haben die höchsten Steuern der Welt.»

Der IMF sagt den USA 2016 ein Wirtschaftswachstum von 1,6 Prozent voraus. Zuvor war es von 2,2 Prozent ausgegangen. Steuervergleiche zwischen Staaten sind äusserst schwierig, doch dürfte es kaum Modelle geben, in denen die USA die höchsten Steuern aufweisen. Wie Donald Trump aufgezeigt hat, ist es zudem möglich, Steuern zu umgehen.

«Hillary Clinton hat niemals die Bezeichnung ‹radikal-islamistischer Terrorismus› gebraucht.»

Schwer zu überprüfen. Clinton hat in der Vergangenheit aber zum Beispiel den Begriff «radikale Dschihadisten» verwendet. So oder so ein sinnfreier Vorwurf.

«Hillary Clinton lachte darüber, dass sie [als Anwältin] für einen Angeklagten einen Freispruch erreichte, der ein 12-jähriges Mädchen vergewaltigt hatte.»

Komplizierte Geschichte: Als 27-Jährige Anwältin nahm Hillary Clinton widerwillig einen Fall an. Der Angeklagte wurde schliesslich wegen Belästigung einer Minderjährigen schuldig gesprochen und wanderte für ein Jahr hinter Gitter. Auf einer Tondatei aus den 1980er-Jahren ist zu hören, wie Clinton über den Fall spricht und dabei mehrmals lacht. Aus dem Kontext wird allerdings klar, dass damit die Unfähigkeit der Justiz gemeint war.

«Unser Handelsdefizit betrug letztes Jahr 800 Milliarden Dollar.»

Es waren genau 531 Milliarden.

Und nun zu Hillary Clintons Unwahrheiten:

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Eric und Ivanka Trump haben Hillary Clinton wiederholt attackiert. Dass sie die beiden wirklich respektiert und sie für begabt hält, dürfte gelogen sein. Es war ein berechenbarer Versuch, etwas Nettes über Trump zu sagen, ohne etwas Nettes über Trump zu sagen.

«Es gibt keinen Beweis, dass mein E-Mail-Server damals von einer ausländischen Macht gehackt wurde.»

Streng genommen korrekt und doch unglaubwürdig. Russland war es gelungen, in die Systeme des US-Aussenministeriums einzudringen. Die Annahme, dass es von dort Clintons Server nicht auf die Spur kam, ist zumindest naiv.

«Da war ich schon weg.»

Clintons Antwort auf Trumps Vorwurf, sie sei mitverantwortlich für Obamas Aussage, der Einsatz von chemischen Waffen in Syrien sei eine «Rote Linie». Bekanntlich intervenierten die USA auch nach mehrmaligem Einsatz solcher Waffen nicht in Syrien, was Kritiker als schwere Beschädigung der Glaubwürdigkeit des Präsidenten betrachten. Fakt ist: Clinton selbst brauchte die Formulierung «Rote Linie» in diesem Zusammenhang, als sie noch Aussenministerin war.

Über 17 Millionen Tweets während der Debatte

Das hitzige TV-Duell zwischen Hillary Clinton und Donald Trump hat zeitgleich bei Twitter eine enorme Rolle gespielt. Im Bezug auf die Debatte der US-Präsidentschaftskandidaten wurden 17 Millionen Tweets abgesetzt, wie der Kurznachrichtendienst mitteilte.

Drei Momente lösten demnach besonders heftige Reaktionen aus: Als der Republikaner Trump sagte, er stimme in der Syrien-Politik nicht mit seinem Vize-Kandidat Mike Pence überein. Als er sich selbst als Gentleman bezeichnete sowie Trumps Ankündigung, die Demokratin Clinton unter seiner Regierung ins Gefängnis bringen zu wollen. Das am häufigsten genannte Thema in allen Tweets war "Terrorismus".

Das waren die angespanntesten Schlagabtausche:

Dem US-Unternehmen zufolge konnte Clinton während der Debatte 25'000 neue Follower für ihr Twitter-Profil gewinnen. Bei Trump waren es 16'000.

Während der Debatte in St. Louis im Bundesstaat Missouri wurde folgender Tweet von Nutzer Moustafa Bayoumi am häufigsten (1227 Mal) geteilt. "Ich bin Moslem und ich möchte einen verrückten Mann melden, der auf einer Bühne in Missouri eine Frau bedroht." (sda/Kian Ramezani)

"Trumps Terrorismus-Policy: Wenn du etwas siehst, pack zu", schreibt ein User und bezieht sich damit wahrscheinlich auf das vulgäre Video, welches vergangenes Wochenende für Furore sorgte.

Diese Twitter-Userin ist dankbar, Kanadierin zu sein: