Kommentar

Corona könnte den Jemen retten – doch alles hängt vom Entscheid eines einzigen Mannes ab

Das saudische Königshaus verbietet Millionen Muslimen die Pilgerfahrt nach Mekka. Doch die Pandemie könnte für die Region auch positive Konsequenzen haben.

Michael Wrase
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Dass man in Zeiten von Epidemien besser zu Hause bleibt, wusste bereits der Prophet Mohammed. Laut der Überlieferung hatte der Religionsstifter nach einem Ausbruch der Pest seine Anhänger aufgefordert, strikt auf Reisen zu verzichten. An diese Präventionsmassnahmen hält sich jetzt auch das saudische Königshaus, das gut zwei Millionen muslimischen Pilgern in diesem Jahr die Wallfahrt nach Mekka – den Haddsch – verweigerte. Nur so könne das Coronavirus gestoppt werden.

Für Saudi-Arabien ist die Pandemie eine Katastrophe. Das Virus brachte die ambitionierten Pläne des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman (MBS) völlig durcheinander. Noch ist es für eine Beurteilung seiner Krisenmanager-Fähigkeiten zu früh. Um sich zu bewähren – und sich damit als würdiger Nachfolger seines senilen Vaters zu qualifizieren – muss MBS nicht nur die Wirtschaftskrise in den Griff bekommen. Zu seinem «Baustellen» gehört auch der Krieg im benachbarten Jemen, der wegen der entsetzlichen Leiden der Bevölkerung schnell beendet werden muss.

Als Friedensstifter ist der 34-jährige Kronprinz bislang zwar nicht aufgefallen. Ein Einlenken in Zeiten von Corona böte bin Salman aber die Chance, sich nachhaltig zu rehabilitieren und von der Wirtschaftskrise abzulenken. Millionen von Menschen, die im bitterarmen Jemen nicht nur von Corona, sondern auch von Cholera und Typhus bedroht sind, könnten dadurch gerettet werden.

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