Erste Länder lockern Coronaregeln: Ansturm auf Hobby- und Baumärkte und Öffnung der Primarschulen

Nach harten Wochen lockern erste Länder ihre Coronamassnahmen. Hobbygärtner in Wien jubeln, deutsche Fussballfans brauchen Geduld.

Drucken
Teilen

Österreich: Ist das der Anfang vom Ende? 

(sts) Am Dienstag wurde in Österreich ein Schritt in Richtung Normalität unternommen. Nachdem der gesamte Handel bis auf Lebensmittelmärkte und Apotheken geschlossen war, machten kleine Geschäfte nun wieder auf. Allerdings gelten nach wie vor mehr Einschränkungen als Freiheiten. Ein Ende der Krise ist nicht in Sicht.

In einer ersten Phase ist es ausschliesslich Geschäften mit einer Verkaufsfläche von unter 400 Quadratmetern erlaubt zu öffnen. Baumärkte durften wieder öffnen, was mancherorts – etwa in Wien – zu Massenandrang führte.

Hobbygärtner in Österreich drängen in die Baumärkte – wie hier in Wien.

Hobbygärtner in Österreich drängen in die Baumärkte – wie hier in Wien.

Bild: Christian Bruna/EPA

Das Betreten von Geschäften ist ausschliesslich mit Gesichtsmaske erlaubt. Das gilt auch für den öffentlichen Verkehr. Shoppingcenter, Kaufhäuser oder grosse Läden bleiben vorerst aber geschlossen. Ebenso die Gastronomie sowie der Konzertbetrieb in Wien. Kritiker hätten mindestens eine weitere Woche Quarantäne befürwortet. Nach dem Motto: Der wirtschaftliche Schaden ist bereits angerichtet, weitere ein oder zwei Wochen würden zumindest mehr Sicherheit bringen. 

Deutschland: Fussball nur mit Impfstoff 

(crb) Diesen Donnerstag wird Bundeskanzlerin Angela Merkel vermutlich erklären, wie der Weg zurück in einen Zustand von Normalität gelingen könnte. Merkel wird auf den wissenschaftlichen Rat einer Forschungsgemeinschaft zurückgreifen: Demnach dürften die geltenden Abstandsregeln von zwei Metern sowie die Hygienemassnahmen nicht vernachlässigt werden. Dann könnten Grundschulen und weiterführende Schulen bald wieder öffnen. Die Experten schlagen vor, zuerst Schüler in Klassengrössen von maximal 15 Kindern wieder in die Schule zu schicken, die vor dem Übergang zu weiterführenden Schulen stehen.

Trainingseinheit von Hertha BSC Berlin: Die Bundesliga bleibt im Coronaschlaf.

Trainingseinheit von Hertha BSC Berlin: Die Bundesliga bleibt im Coronaschlaf.

Bild: Jan Burmann/EPA

Auch Einzelhandel und Gaststätten könnten schrittweise wieder öffnen. Die Experten empfehlen eine Schutzmaskenpflicht in Supermärkten, öffentlichen Verkehrsmitteln, aber auch in Schulen und in Betrieben. Fussball-Bundesliga-Spiele in vollen Stadien hingegen könnten laut Schätzung erst erlaubt werden, wenn eine Impfung gegen Covid-19 besteht. 

Dänemark: Langsame Öffnung für die Kleinsten 

(nan) Als erstes Land öffnet Dänemark die Kinderbetreuung und Primarschulen wieder. Die Regierung stützt sich darauf, dass Kinder laut bisheriger Forschung kaum an Covid-19 erkranken und von ihnen wohl ein geringeres Ansteckungsrisiko ausgeht. Eltern sollen damit besser von zu Hause aus arbeiten können.

Dänische Schulen bereiten sich auf die Wiedereröffnung vor.

Dänische Schulen bereiten sich auf die Wiedereröffnung vor.

Bild: Liselotte Sabroe/EPA

Denn öffentliche Angestellte dürfen frühestens am 10. Mai an den Arbeitsplatz zurückkehren; für die Privatwirtschaft gilt dies als Empfehlung. Coiffeursalons, Restaurants und alle Freizeitangebote bleiben geschlossen; Versammlungen sind bis zehn Personen erlaubt. Die Öffnung geschieht mit vielen Restriktionen: Klassen werden in Vor- und Nachmittagsgruppen aufgeteilt, es muss mit Abstand und viel im Freien unterrichten werden. In Kindergärten muss Spielzeug laufend gereinigt werden, Eltern sollen draussen bleiben.

Eine andere Öffnung betrifft das Gesundheitswesen: Einige bisher verschobene Operationen und Therapien, sowie Behandlungen von Krebskranken, werden wieder durchgeführt. 

USA: Trump strebt rasche Rückkehr an

(rr) Präsident Donald Trump will eine schnelle Rückkehr der amerikanischen Bevölkerung zur Arbeit und peilt dafür Ende April bis Anfang Mai an. Denn je länger der «Shutdown» dauert, desto dramatischer werden seine ökonomischen Folgen im Wahljahr 2020 ausfallen.

Die gesundheitspolitischen Ratgeber des Präsidenten warnen allerdings vor überstürzten Entscheidungen. Sie befürworten ein stufenweises Vorgehen in denjenigen Landesteilen, in denen das Virus bisher nicht allzu viele Menschen infizierte oder in denen die Zahl der infizierten Menschen stark rückläufig ist. Damit wollen sie eine zweite Infektionswelle im Sommer oder Herbst verhindern.

Hinzu kommt, dass es die Gouverneure der 50 Bundesstaaten waren, die Notstandsmassnahmen verhängten und die Bevölkerung dazu aufriefen, ihr Zuhause nicht zu verlassen. Eine Aufhebung dieser Verbote fällt deshalb in ihre Zuständigkeit. Trump scheint dies allerdings egal zu sein. Er sagte am Montag im Weissen Haus: Die Befehlsgewalt des Präsidenten sei allumfassend. 

Spanien: Sehnsucht nach frischer Luft

(ze) Wenn es nach den Experten geht, wird es in Spanien keine schnelle Rückkehr zum Alltag geben. Die Epidemiologen fordern, dass vorher untersucht wird, wie viele Menschen bereits eine Infektion durchgemacht haben und somit – zumindest für eine gewisse Zeit – immun gegen das Coronavirus sind. Bis ein Ergebnis vorliegt, dürften noch Wochen vergehen.

Vermutlich deswegen deutete Spaniens Premier Pedro Sánchez an, dass der kollektive Hausarrest, der seit 15. März gilt, noch bis Mitte Mai fortdauern könnte. Anschliessend wird es eine schrittweise Wiedergewinnung der Normalität geben, erklärte Sánchez.

Ein spanischer Arbeiter mit Mundschutz: Madrid hat die Industrie geöffnet.

Ein spanischer Arbeiter mit Mundschutz: Madrid hat die Industrie geöffnet.

Bild: Javier Cebollada/EPA

Ein Anfang wurde gerade gemacht: In Industrie und Bauwirtschaft darf wieder gearbeitet werden. Andere wichtige Branchen, wie Handel, Gastronomie und Hotelgewerbe, stehen noch still. Währenddessen hoffen Millionen Spanier, die seit mehr als vier Wochen eingesperrt sind, dass sie bald wenigstens zum Luftschnappen wieder raus dürfen. Denn derzeit sind sogar Spaziergänge und Sport im Freien verboten. 

Tschechien: Das schnellste Land Europas 

(pfr) Kein Land hat schneller auf die Ausbreitung des Coronavirus reagiert als Tschechien, keines schneller eine Mundschutzpflicht oder harte Quarantäneregeln erlassen. Und Tschechien ist nun das erste Land im Osten Europas, das angefangen hat, die Ausgangssperren und Ladenschliessungen zurückzufahren. Mundschutzpflicht und Abstandsregeln aber sollen bestehen bleiben. Das Land will zurückfinden in eine Art Normalität – allerdings notgedrungen mit dem Coronavirus.

Als Vorbild dient Südkorea, das ebenfalls sehr früh auf die Ausbreitung des Virus reagiert und es geschafft hat, es zu kontrollieren, ohne Wirtschaft und Gesellschaft vollkommen runterzufahren. Wie das asiatische Land möchte Tschechien die Zahl der Tests deutlich erhöhen und Handydaten der Bevölkerung erfassen, um Infizierte besser isolieren zu können. Prag prescht damit und mit der Lockerung der restriktiven Massnahmen in der EU vor und könnte zu einem Modell für seine Nachbarn werden. 

Mehr zum Thema