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Da waren es nur noch sechs

Donald Trump lässt die heutigen Beratungen über Klima und Ozeanschutz sausen. Er wird wie angekündigt frühzeitig abreisen. Für zusätzlichen Wirbel sorgte der US-Präsident gestern mit seiner Forderung, Russland solle wieder in die G7 aufgenommen werden.
Gerd Braune, Québec
US-Präsident Donald Trump setzte sich beim Gipfeltreffen in Québec von seinen Partnern ab. (Leon Neal/Getty (8. Juni 2018))

US-Präsident Donald Trump setzte sich beim Gipfeltreffen in Québec von seinen Partnern ab. (Leon Neal/Getty (8. Juni 2018))

Der G7-Gipfel wird ohne einen der wichtigsten Akteure enden. US-Präsident Donald Trump entschied noch vor seiner Ankunft zum Gipfeltreffen in Kanada, heute noch vor Abschluss der ­Beratungen nach Singapur zum Treffen mit dem nordkoreanischen Staatschef Kim Jong Un zu fliegen. Die Mitteilung kam am späten Donnerstag, der erneut ­einen heftigen Schlagabtausch zwischen Trump und anderen Gipfelteilnehmern zeigte.

Damit wird Trump heute bei den Beratungen über Klimawandel, saubere Energie und Schutz – wichtige Themen für den Gastgeber, Kanadas Premierminister Justin Trudeau – nicht dabei sein. Und auch bei der erweiterten Gesprächsrunde zum Abschluss des Treffens wird der amerikanische Präsident fehlen: Trudeau hat die Regierungschefs und Repräsentanten von zwanzig Staaten und Organisationen nach La Malbaie am St. Lorenz-Strom eingeladen, um mit den G7-Regierungschefs insbesondere über den Schutz der Ozeane zu sprechen. Das Abschluss-Communiqué wird ebenfalls erst nach Trumps Abreise veröffentlicht.

«Es wird nicht so viel Lächeln geben»

Bereits vor der offiziellen Begrüssung der Staats- und Regierungschefs gestern Mittag durch Gastgeber Trudeau standen die Zeichen bei diesem Gipfel somit auf Konfrontation statt auf Konsens. Schon nach der Entscheidung der USA, auch Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte aus der EU und Kanada zu erheben, waren heftige Kontroversen auf dem Gipfel in La Malbaie am St. Lorenz-Strom erwartet worden. Das G7-Finanzministertreffen vor einer Woche hatte die Differenzen in der G7 deutlich zu Tage treten lassen.

Putin und Xi üben den Schulterschluss gegen Trump

Angesichts eines zunehmend angespannten Verhältnisses mit den USA wollen China und Russland ihre Zusammenarbeit weiter stärken. Chinas Präsident Xi Jinping nannte Wladimir Putin bei einem Empfang in Peking seinen «besten Freund» und «einen alten Freund der Chinesen». Die beiden Staatschefs übten ihren symbolischen Schulterschluss wenige Stunden vor Beginn des G7-Gipfels in Kanada, bei dem weder China noch Russland vertreten sind. Vor allem dürfte US-Präsident Donald Trump angesprochen gewesen sein – China und Russland eint ein zunehmend angespanntes Verhältnis mit den USA. Xi Jinping überreichte Putin eine goldene Ehrenmedaille, die zum ersten Mal in der Geschichte der Volksrepublik verliehen wurde. Putin sprach von einer Kooperation von höchster Qualität und sah eine «strahlende Zukunft» für die Beziehungen beider Länder. (sda)

In der Mittagszeit wurden die G7-Teilnehmer auf der Terrasse des Tagungshotels Fairmont Le Manoir Richelieu in La Malbaie, 150 Kilometer von der Stadt Québec entfernt, von Trudeau und dessen Frau Sophie Grégoire begrüsst. Das sogenannte «Familienfoto», zu dem sich alle Gipfelteilnehmer traditionell zusammenfinden, war nach einem Arbeitsmittagessen und einer ersten Gesprächsrunde über Wirtschaft und Handel am Nachmittag angesetzt. Dieser Termin ist meist Gelegenheit für offenkundige Nettigkeiten. «In diesem Jahr wird es nicht so viel Lächeln geben», erwartete die «New York Times» im Vorfeld des Gipfels.

«Vielleicht macht es dem US-Präsidenten nichts aus, isoliert zu sein. Uns macht es auch nichts aus, eine 6-Länder- Vereinbarung zu unterschreiben.» Emmanuel Macron, Präsident Frankreichs

Dass es ausschliesslich Termingründe sind, die Trump zur früheren Abreise bewegen, bezweifeln Beobachter. Nach Berichten aus Washington ist der US-Präsident über die heftige Kritik seiner G7-Kolleginnen und -Kollegen verärgert. Er erklärte zwar in Tweets, dass er in La Malbaie hart auftreten werde. Dies beendete aber bis zuletzt nicht Spekulationen, dass Trump möglicherweise überhaupt nicht nach Kanada reisen werde. Trump hat Kanada als Präsident noch nicht besucht. Trudeau und der fran­zösische Präsident Emmanuel Macron hatten unmittelbar vor dem Gipfel nochmals ihre Kritik an den US-Strafzöllen bekräftigt.

Trump erhält Unterstützung von Conte

Kurz vor Gipfelbeginn hatte sich Trump mit seinem Vorschlag, Russland wieder in den Kreis der grössten Industriestaaten aufzunehmen und ihn damit erneut zur G8 zu machen, erneut von den meisten Partnern abgesetzt. EU-Ratspräsident Dondal Tusk wies diesen Vorschlag ebenso zurück wie Kanada. Zustimmung erhielt der US-Präsident lediglich vom italienischen Regierungschef Guiseppe Conte. Trumps Äusserungen gelten als brisant, da Russland nach der als völkerrechtswidrig erachteten Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim 2014 aus dem Kreis der damaligen G8 ausgestossen wurde.

Unklar war bis zuletzt, in welcher Form ein Communiqué am Ende des Treffens die Ergebnisse und Beschlüsse zusammenfassen wird. Solche Communiqués werden normalerweise von langer Hand vorbereitet. Ob dies heuer überhaupt möglich war, ist nicht bekannt. Möglicherweise werde es nur eine Stellungnahme von Gastgeber Trudeau geben, hiess es in Québec. Macron äusserte am Donnerstag, ebenfalls per Tweet, dass es dem US-Präsidenten möglicherweise nichts ausmache, isoliert zu sein, «aber uns macht es nichts aus, eine 6-Länder-Vereinbarung zu unterzeichnen, wenn es sein muss».

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