DÄNEMARK: Imame rufen zu Steinigung auf

Der islamistische Terrorist, der vor einem Jahr die Synagoge in Kopenhagen angriff, hatte wohl Helfer. Nun zeigen Enthüllungen, dass dänische Imame zur Steinigung von Frauen aufrufen.

Niels Anner, Kopenhagen
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Imam Abu Bilal Ismail lehrt in der Grimhöj-Moschee im dänischen Aarhus, dass Mütter ihre Kinder zur Erziehung schlagen sollten und dass Ehebruch mit der Steinigung bestraft werde. (Bild: LAIF/Jan Grarup)

Imam Abu Bilal Ismail lehrt in der Grimhöj-Moschee im dänischen Aarhus, dass Mütter ihre Kinder zur Erziehung schlagen sollten und dass Ehebruch mit der Steinigung bestraft werde. (Bild: LAIF/Jan Grarup)

Niels Anner, Kopenhagen

 

Plötzlich war der Terror auch in Kopenhagen: Im Februar 2015 griff Omar El-Hussein einen Anlass mit dem Mohammed-Karikaturisten Lars Vilks sowie eine Synagoge an. Er wurde erschossen, nachdem er zwei Personen getötet und mehrere Polizisten verletzt hatte.

Der Terrorist handelte wohl nicht alleine: Diese Woche hat der Prozess gegen vier mutmassliche Helfer des Attentäters begonnen. Die zwischen 20 und 31 Jahre alten Männer sollen dem Terroristen Munition und eine Waffe besorgt haben. Sie wurden bei einem Treffen gefilmt, wie die Staatsanwaltschaft erklärte, streiten aber ab, von den Plänen El-Husseins gewusst zu haben. Dieser war ein Kleinkrimineller, der sich während eines Gefängnisaufenthaltes radikalen islamistischen Ideen verschrieb.

Hasspredigern auf der Spur

Der mehrere Wochen dauernde Prozess kommt zu einem Zeitpunkt, zu dem in Dänemark das Problem mit radikalen Islamisten wieder einmal aufflammt. Auslöser ist die Dokumentation «Moscheen hinter dem Schleier» des Senders TV 2, in der Undercoverreporter in mehreren Moscheen Hasspredigern auf die Schliche kamen. In Aarhus wurde ein sogenannter Scharia-Rat gefilmt, ein Dreiergremium leitender Personen einer Moschee. Eine getarnte Journalistin wünscht sich dort die Scheidung, weil ihr Mann sie misshandle. Doch das Scharia-Gremium erklärt ihr, eine Scheidung sei nach islamischen Regeln nicht möglich. «Geh jetzt nach Hause, als sei nichts geschehen», sagt der Imam zu der Frau.

Auspeitschung für vorehelichen Sex

Ein anderes Beispiel hat TV 2 in der Grimhöj-Moschee, ebenfalls in Aarhus, aufgenommen. Dort wurde ein Imam gefilmt, der Frauen unterrichtet und sie auffordert, Kinder «zur Erziehung zu schlagen». Zudem erklärt der Imam Abu Bilal Ismail, Ehebruch hätte die Steinigung zur Folge. Frauen, die vor der Ehe Sex hätten, fährt er fort, gehörten ausgepeitscht, und wer einen Muslim töte, solle mit dem Tod bestraft werden. Die Aufnahmen zeigen aber auch, dass der Imam erklärt, diese Regeln würden in Dänemark nicht angewendet.

Für Judenvernichtung gebetet

Die Polizei untersucht nun, ob ein Aufruf zu Straftaten vorliegt. Das Schlagen von Kindern ist in Dänemark untersagt. Gegen Imam Ismail war schon früher ermittelt worden, nachdem er in Berlin für die Vernichtung der Juden gebetet hatte. Der Vorstandspräsident der Grimhöj-Moschee, die 2014 im Zusammenhang mit rund 30 Syrien-Dschihadisten Schlagzeilen gemacht hatte, wehrt sich jedoch gegen den Vorwurf, dass der Imam zu Gewalt aufrufe. «Wir leben in Dänemark und halten uns an die Regeln hier», sagte Oussama El-Saadi. Gleichzeitig müssten die wahren islamischen Regeln gelehrt werden. Mit diesem Argument hatte er auch schon das Ziel eines islamischen Staates gelobt, wenn auch nicht in Europa. El-Saadi beruft sich regelmässig auf die Religions- und Meinungsäusserungsfreiheit, auf die ja gerade Dänemark so sehr poche. «Wir passen sehr wohl in diese Gesellschaft. Aber man muss respektieren, dass wir Muslime sind», erklärte er TV 2.

Schliessung der Moschee gefordert

Solche Beteuerungen stossen auf wenig Verständnis. «Am liebsten würde ich diese Moschee dem Erdboden gleichmachen», sagte die li­berale Immigrationsministerin Inger Stöjberg, doch die Gesetze liessen das nicht so einfach zu. Zudem würden radikale Kräfte dann abtauchen. Auch die Chefin der oppositionellen Sozialdemokraten, Mette Frederiksen, forderte die Schliessung der Moschee. Ihrer Ansicht nach fördert sie das Problem einer Parallelgesellschaft ausserhalb der Demokratie. In diese Kerbe hieb auch der sozialdemokratische Bürgermeister von Aarhus, der nun ein bereits geplantes Projekt einer ­neuen Grossmoschee stoppen will. Frederiksen fordert zudem eine verstärkte europäische Zusammenarbeit gegen radikale Prediger. Der Sprecher für Integrationspolitik der Liberalen will gar «ausländische Imame ausweisen».

Die Fronten sind verhärtet

Das ist die Fortsetzung einer ­Debatte um radikalisierte Muslime, die in Dänemark seit 15 Jahren schwelt. Seit den Mohammed-Karikaturen vor zehn Jahren und den Terroranschlägen 2015 sind die Fronten zwischen den Zulauf verzeichnenden, aggressiven Islamkritikern und den Islamisten weiter verhärtet. Letztere repräsentierten eine kleine Minderheit der Muslime in Dänemark, sagen Islamforscher. Gleichzeitig würden die extrem konservativen Haltungen gewisser Imame das Leben für moderate und integrierte Muslime schwer machen, erklärt der ­Islamexperte Thomas Hoffmann von der Universität Kopenhagen. Er kritisiert das «Doppelspiel», wenn man Scharia-Regeln lehre, die in Dänemark illegal seien. Dies schade der Integration junger Leute, indem ganz andere Werte vermittelt würden als in der Schule.