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DÄNEMARK: Mordangeklagter U-Boot-Bauer bestreitet sexuellen Missbrauch

Im Prozess gegen den U-Boot-Bauer Peter Madsen hat die Staatsanwaltschaft ein verstörendes Bild des Angeklagten aufgezeigt. Dieser reagierte empört: Gewalt kenne er nur als Fiktion.
Staatsanwalt Jakob Buch-Jepsen trifft zum zweiten Prozesstag ein. (Bild: Martin Sylvest/EPA)

Staatsanwalt Jakob Buch-Jepsen trifft zum zweiten Prozesstag ein. (Bild: Martin Sylvest/EPA)

Niels Anner, Kopenhagen

Nach zweiwöchiger Pause ging es am Mittwoch um eine Kernfrage des ­U-Boot-Prozesses: Hat der Tüftler Peter Madsen die schwedische Journalistin Kim Wall schwer sexuell misshandelt und ermordet? Laut der Anklage stiess Madsen der 30-Jährigen im letzten Sommer in seinem privaten U-Boot mehrfach Messer und angespitzte Schraubenzieher in den Körper.

Der 47-jährige Däne stritt die Vorwürfe der Staatsanwalt vor Gericht am Mittwoch erneut ab. Er bekräftigte aber, er habe den Leichnam der Schwedin zerteilt, weil er wollte, dass die Leiche aus dem U-Boot verschwinde; ein irrationaler Versuch, einen «fürchterlichen Unfall» ungeschehen zu machen.

Laut Madsen, der am Mittwoch zunächst bedrückt wirkte, mit der Zeit aber wie am ersten Prozesstag geschwätziger wurde, ist Wall wegen einer Fehlfunktion der Lüftungsventile erstickt.

Todesursache ist weiter unklar

Rechtsmediziner widersprächen der Version Madsens, sagte Staatsanwalt Jakob Buch-Jepsen. Laut deren Untersuchungen könnte Kim Wall daran gestorben sein, dass ihr die Kehle durchgeschnitten wurde; die genaue Todesursache ist unklar. Zudem sollen ihr die Stichverletzungen im Unterleib kurz vor oder kurz nach ihrem Tod zugefügt worden sein.

Madsen hingegen behauptet, er habe dies erst einige Stunden später getan – und ohne jegliche «erotische oder perverse Absicht». Er wollte, sagte er, dass Gas aus der Leiche entweiche, damit sie nicht mehr an die Meeresoberfläche komme.

Der Staatsanwalt zeichnete in einem stundenlangen Verhör einen verstörenden Hintergrund des Angeklagten. Er präsentierte makabre Inhalte von Madsens Computer und externen Festplatten. Dort war die Polizei auch auf private Sexvideos des Tüftlers gestossen, doch was Buch-Jepsen dem Gericht vorspielte, waren drei Filme aus dem Internet.

Schockierende Bilder vor Gericht gezeigt

Der Ankläger warnte dabei vor schockierenden Bildern, die er zum Teil dem Publikum vorenthielt. Es handelte sich um Sequenzen, teilweise Trickfilme mit pornografischem Charakter, in denen Frauen geköpft und aufgespiesst werden. Auch entsprechende Texte auf Englisch wurden gefunden. «Das ist schon sehr bemerkenswert, in Anbetracht dessen, was Ihnen die Anklage vorwirft», sagte Buch-Jepsen darauf zu Madsen. Doch der Erfinder sprach von fiktiven Darstellungen, die er schrecklich finde.

Richter rüffelt den Angeklagten

Er habe sich nur selten so etwas angeschaut, weil die Filme etwas Emotionales bei ihm auslösten. «Ich identifiziere mich mit den Schwachen.» Darin liege nichts Sexuelles – oder errege es etwa den Staatsanwalt, wenn dieser Spielfilme mit Gewalt anschaue? Madsen wies mehrfach suggestive Fragen des Anklägers aufgebracht zurück und stellte Gegenfragen, weshalb ihn der Gerichtsvorsitzende mehrmals rüffelte. Der Staatsanwalt fragte zudem nach einer Säge, Riemen und Metallstücken, die Madsen zur Beseitigung der Leiche benutzt hatte. Laut Anklage hat er bewusst Werkzeug ins U-Boot genommen, weil er den Mord plante. Doch der Tüftler entgegnete, das Werkzeug habe praktischen Aufgaben gedient und sei nicht ungewöhnlich.

Auf Fragen seiner Verteidigerin schilderte Peter Madsen sein ausschweifendes Sexualleben und seine offene Ehe als etwas Unproblematisches. Er habe eine Freundin, die auf brutalen Sex stehe, aber er selber tue das nicht. Er gab zu, sich mit einer Geliebten einmal per SMS über eine Vergewaltigung im U-Boot unterhalten zu haben, doch das sei eine Fantasie ohne Bezug zur Realität gewesen. Und mit Kim Wall, betonte Madsen, habe Sexuelles keine Rolle gespielt.

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