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DÄNEMARK: Mordprozess in Dänemark: Der Fall des U-Boot-Tüftlers

Am Donnerstag startet der Prozess gegen den des Mordes angeklagten U-Boot-Tüftlers Peter Madsen. Dies könnte endlich Licht in den rätselhaften Kriminalfall bringen.
Niels Anner, Kopenhagen
Der angeklagte Peter Madsen. (Bild: Niels Hougaard/AP)

Der angeklagte Peter Madsen. (Bild: Niels Hougaard/AP)

Niels Anner, Kopenhagen

Ihr Mandant sei nach wie vor daran interessiert, «dass aufgeklärt wird, was geschah», erklärte Peter Madsens Verteidigerin in den Medien. Madsen wolle nicht die Aussage verweigern, wenn er ab dem 8. März vor dem Kopenhagener Bezirksgerichts erscheine.

Die Anklage wirft dem Tüftler Misshandlung, sexuelle Vergehen und Mord an der schwedischen Journalistin Kim Wall vor, doch bisher streitet Madsen das ab. Der 47-Jährige gibt nur zu, dass er im August 2017 auf Fahrt in seinem U-Boot «Nautilus» die Leiche Walls schändete, nachdem irgendein tödlicher Unfall passiert sei. In Panik habe er Arme, Beine und Kopf abgetrennt, mit Metall beschwert und ins Meer geworfen. Madsen versenkte sein 18 Meter langes ­U-Boot im Öresund, kam an Land und sagte dann aus, er wisse nicht, wo Wall stecke.

Nie als Gefahr aufgefasst

Es blieb nicht seine einzige Lüge. Auch seine erste Unfallversion, dass die Journalistin von einer Luke erschlagen worden sei, erwies sich als falsch, als die Polizei nach einigen Wochen ihre Leichenteile fand. Heute ist für die Ermittler klar: Madsen hatte die Ermordung der 30-jährigen Kim Wall geplant, die eine Story über den durch seine Raketen- und ­U-Boot-Projekte bekannten Tüftler plante.

Laut der Anklageschrift hat Madsen Messer, Säge, Schraubenzieher und Seile an Bord gebracht. Er soll die Schwedin gefesselt, misshandelt und getötet haben. Die Staatsanwaltschaft wird dazu vor Gericht technische und gerichtsmedizinische Beweise vorlegen – und sich wohl zum Mordmotiv äussern. Das Warum ist noch unklar: Madsen galt als Exzentriker, der auch mal ausflippte, er wurde aber nicht als gefährlich empfunden.

Experimentierte mit Brennstoffen

Umso mehr wird die Analyse seiner Persönlichkeit den Prozess ausfüllen. Bekannte von ihm, von denen einige als Zeugen auftreten werden, haben ihn als getrieben beschrieben, als «Mann ohne Stoppknopf», der in allen Lebensbereichen Grenzen austestete. Dies bei Hunderten von Tauchgängen mit seinen drei selbst gebauten U-Booten, von denen die «Nautilus» das jüngste und grösste war. Aber auch mit seinen Raketenprojekten, die er bereits schon seit seiner Schulzeit verfolgte.

Er schreckte nicht vor gefährlichen Brennstoffen und riskanten Experimenten zurück; öfter ging eine Explosion schief. Sein Ziel war ein bemannter Raumflug – doch im Sommer letzten Jahres geriet er laut mehreren Quellen finanziell in Probleme und in Zeitnot, weil auch Konkurrenten eine Rakete zünden wollten. Kurz vor der Fahrt mit Kim Wall sagte Madsen einen lange geplanten Start ab.

Auch das – weniger bekannte – Privatleben des Tüftlers war von ungewöhnlichen Leidenschaften geprägt. Er lebte in einer offenen Ehe, hatte mehrere Geliebte und bewegte sich in Fetischsex-Kreisen. Die Polizei fand in seiner Werkstatt auf einer Festplatte Videos, in denen Frauen getötet werden – Madsen behauptet jedoch, nichts davon zu wissen. Laut seiner Geliebten hatte er ab und zu Sex in seinem U-Boot, wobei sich seine Partnerinnen offenbar nie bedroht fühlten. Einer Freundin hatte er allerdings – scheinbar im Spass – einmal eine Fantasie beschrieben, wie er eine Frau im U-Boot zerstückelt.

Rund um den 10. August, als er mit Kim Wall in See stach, hatte er noch andere Frauen an Bord eingeladen. Eine lehnte ab; eine andere hatte mit Madsen aber ein erotisches Date im U-Boot abgemacht, für den 11. August. «Daran war damals nichts merkwürdig», sagte die Freundin in einem Dokumentarfilm – doch im Nachhinein denke sie, dass auch sie Madsens Opfer hätte werden können.

Das von Peter Madsen gebaute U-Boot namens «Nautilus». (Bild: Jens Dresling/AP (Kopenhagen, 22. August 2017))

Das von Peter Madsen gebaute U-Boot namens «Nautilus». (Bild: Jens Dresling/AP (Kopenhagen, 22. August 2017))

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