DÄNEMARK: Mordprozess in Dänkemark: Zeugen belasten U-Boot-Tüftler Peter Madsen

Der des Mordes angeklagte U-Boot-Tüftler Peter Madsen beteuert weiterhin seine Unschuld. Doch sein Lebenswandel und diverse Werkzeuge an Bord werfen Fragen auf.

Niels Anner, Kopenhagen
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Das von Peter Madsen gebaute U-Boot namens «Nautilus». (Bild: Jens Dresling/AP (Kopenhagen, 22. August 2017))

Das von Peter Madsen gebaute U-Boot namens «Nautilus». (Bild: Jens Dresling/AP (Kopenhagen, 22. August 2017))

Niels Anner, Kopenhagen

Am vergangenen Mittwoch sagte Peter Madsen nochmals ausführlich vor Gericht aus. Befragt von seiner Anwältin, schilderte der Angeklagte, wie er am 10. August 2017 mit der Journalistin Kim Wall an Bord seines U-Boots mehreren Bekannten winkte.

Draussen im Öresund habe er einen fatalen Fehler begangen, als er vergass, ein Entlüftungsventil zu schliessen. Dadurch sei Wall im U-Boot in den Abgasen erstickt, während er sich an Deck befand. Ein Unterdruck habe zunächst verhindert, dass er die Einstiegsluke öffnen konnte – eine Situation, die mehrere Zeugen vor Gericht als realistisch beschrieben. Er habe fahrlässig einen tödlichen Unfall verursacht, aber nicht die Schwedin umgebracht, sagte Madsen, über den das Gericht am 25. April ein Urteil fällt.

Der 47-Jährige erzählte schluchzend, dass er im U-Boot Selbstmord begehen wollte, «weil eines meiner Experimente tödlich endete und für mich eine Welt zusammenbrach». Schliesslich habe er es sich anders überlegt und die Leiche im Affekt zerteilt und im Meer versenkt.

Er träumte vom «perfekten Verbrechen»

Die Anklage hält ihm dagegen vor, einen Mord geplant und die 30-jährige Journalistin an Bord sexuell misshandelt, umgebracht und zerstückelt zu haben. In den letzten beiden Wochen hatte die Staatsanwaltschaft gegen 30 Zeugen vorgeladen, insbe­sondere, um sie zu Madsens Persönlichkeit und Sexualleben zu befragen. Aufsehen erregte die Aussage eines Bekannten, Madsen habe einmal vor längerer Zeit den Wunsch geäussert, das «perfekte Verbrechen» zu begehen und von der Polizei verfolgt zu werden. Über Details habe man aber nicht gesprochen. Zu Wort kamen eine Reihe von Geliebten des Tüftlers, der in einer offenen Ehe lebte. Sie beschrieben Madsens Interesse für alle möglichen Arten von Sex, wobei er Grenzen austesten wollte – bei Sadomaso-Sex, in Swingerclubs oder bei Pornofilm-Aufnahmen. Dabei sei er aber nie ­gewalttätig oder aggressiv aufgefallen.

Doch: Er interessierte sich für sogenannte Snuff-Videos – Sex­videos mit Todesfolge –, und eine Frau berichtete, dass seine sexuellen Fantasien mit der Zeit immer extremer wurden. In SMS an seine Partnerinnen schrieb er unter anderem, er wolle eine Frau im U-Boot fesseln und selber ein Snuff-Video drehen. Die Frauen fassten dies aber als Scherze oder Fantasien auf – es ereignete sich nie etwas in diese Richtung. Die Polizei fand im U-Boot eine Kamera, ohne Bilder. Dazu befragt, sagte Madsen, er habe vor der Fahrt mit Wall vergessen, eine Speicherkarte einzusetzen. Die Staatsanwaltschaft präsentierte wieder brutale Filme mit Misshandlungen und Tötungen von Frauen, die Madsen auf seinem Computer und seinem Handy konsumiert hatte. Sie geht davon aus, dass der Tüftler von solchen Videos inspiriert wurde, was dieser aber abstreitet: Er habe sich jeweils nur wenige Sekunden solche Videos angeschaut – mehr halte er nicht aus, sagte er.

Merkwürdige Schraubenzieher gefunden

Eine Sequenz, in der einer Frau die Kehle durchgeschnitten wird, hatte Madsen angeschaut, bevor er mit Kim Wall in See stach – sowie einige Wochen vorher, kurz bevor er eine andere Frau zu einer Fahrt aufs U-Boot eingeladen hatte. Sie hatte aber abgelehnt. Ein anderes Thema waren Werkzeuge, die Madsen mit aufs U-Boot genommen hatte. Mehrere Zeugen, die in der Vergangenheit am U-Boot mitgearbeitet haben, erklärten, aus ihrer Sicht ergäbe eine Säge an Bord keinen Sinn. Wenn Madsen wirklich ein Regal habe einbauen wollen, hätte er die Bretter am einfachsten draussen zugesägt.

Auch für die Metallstücke, mit denen Madsen Walls Leichenteile im Meer versenkt hatte, sahen ehemalige Werkstattkollegen keinen Zweck im U-Boot. Zudem wunderten sie sich über 50 Zentimeter lange Schraubenzieher. Sie sagten aus, sie hätten noch nie solche gesehen und verstünden nicht, warum sie angespitzt worden seien. Laut Madsen hätten sie der Fixierung des U-Boots am Meeresboden dienen sollen. Die Staatsanwaltschaft glaubt aber, er habe Wall mit den Werkzeugen misshandelt.