Dänemark
Neu entdeckte nordische Omikron-Variante ist wohl noch ansteckender

In Dänemark breitet sich eine Untervariante von Omikron rasend schnell aus. Forscher halten sie für noch ansteckender – und schliessen eine zweifache Omikron-Ansteckung nicht aus.

Niels Anner, Kopenhagen
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Die dänische Premierministerin Frederiksen liess sich vergangenen Sommer gegen Corona impfen.

Die dänische Premierministerin Frederiksen liess sich vergangenen Sommer gegen Corona impfen.

Philip Davali / EPA

Entdeckt wurde die Untervariante mit der Bezeichnung BA.2 Ende Dezember. Sie unterscheidet sich deutlich von der ursprünglichen Omikron-Variante BA.1. Dennoch blieb zunächst offen, wie sich die neue Variante auswirken würde.

Doch in Dänemark, wo besonders viele Tests sequenziert werden, wird das Bild nun klarer. Die dänischen Gesundheitsbehörden erklärten am Freitag, BA.2 breite sich rasend schnell aus, was darauf hindeute, dass die Variante wohl ansteckender sei. Bereits die Hälfte der Ansteckungen in Dänemark gehen auf das Konto der neuen Omikron-Variante, Tendenz zunehmend.

«Wir erleben im Moment grosses internationales Interesse an unseren Daten», sagte Anders Fomsgaard, Virenforscher am nationalen dänischen Epidemie-Institut. Auch die WHO beobachte die Entwicklung und diskutiere, ob ein neuer Name für BA.2 – die sich mit bis zu 28 Mutationen im sogenannten Spike-Protein von der ursprünglichen Version BA.1 unterscheidet – definiert werden soll.

Neue Variante sorgt für Rekordzahlen in Dänemark

Dass die neue Untervariante ansteckender ist, könnte laut mehreren Wissenschaftlern auch der Grund für die weiterhin enorm hohen Fallzahlen in Dänemark sein, die weltweit fast am höchsten liegen – und dies, obwohl das skandinavische Land eine hohe Impfquote und hinter Malta mit 59 Prozent der Bevölkerung die zweithöchste Booster-Quote aufweist.

Eine Erklärung, für die Forscher allerdings noch keine Beweise haben, könnte sein, dass die Booster-Impfung oder generell die in der Bevölkerung vorhandene Immunität weniger wirksam gegen BA.2 ist. Es sei möglich, dass man sich nach einer ersten Omikron-Ansteckung kurz darauf auch noch mit der neuen Untervariante anstecke, erklärte Virenforscher Fomsgaard in einem Fernsehinterview, man habe in Norwegen solche Beispiele entdeckt. Jedoch sei unklar, wie oft und unter welchen Umständen eine derartige doppelte Ansteckung passiere.

Neue Variante hochansteckend, aber nicht gefährlicher als Omikron

Droht nun nach der ersten Omikron-Welle, unter der im Moment die meisten Länder ächzen, gleich die nächste, mit noch höherer Ansteckungsgefahr? Die beste Nachricht diesbezüglich: Die Analysen der dänischen Gesundheitsbehörde deuten nicht darauf hin, dass BA.2 gefährlicher ist als die erste Omikron-Variante oder dass sie sich in den Symptomen anders auswirkt. Die Anzahl der dänischen Spitalpatienten steigt trotz der rekordhohen Ansteckungszahlen weiterhin nur sehr langsam; jene der Intensivpatienten sinkt sogar. Anders Fomsgaard unterstreicht auch, dass

«die Impfungen immer noch gut gegen schwere Erkrankung und Tod wirken.»

Zudem breitet sich BA.2 nicht überall so stark aus wie in Dänemark. In Grossbritannien, dem anderen Land mit frühem und sehr hohem Omikron-Anteil, wächst die neue Untervariante zwar ebenfalls, aber deutlich langsamer – und die Fallzahlen gingen zuletzt im Gegensatz zu Dänemark zurück. Auch dies bestätigt indes laut Wissenschaftlern, dass BA.2 wohl ansteckender ist als die erste Omikron-Variante.

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