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DÄNEMARK: Ob Madsen schuldig ist, interessiert seine Rechtsanwältin nicht

Rechtsanwältin Betina Hald Engmark verteidigt den des Mordes angeklagten Tüftler Peter Madsen. Dafür muss sie viel Kritik einstecken.
Betina Hald Engmark (Bild: Martin Sylvest/EPA)

Betina Hald Engmark (Bild: Martin Sylvest/EPA)

Sie sagte, ohne zu überlegen, zu. Als die Polizei im August 2017 anfragte, ob sie die Verteidigung von Peter Madsen übernehmen könne, kannte Betina Hald Engmark den U-Boot-Tüftler nur aus den Medien. Doch er hatte explizit nach ihr gefragt. Warum, will sie bis heute nicht verraten. Laut einer gut informierten Quelle hat ein Freund Madsen die Rechtsanwältin empfohlen. Viele Leute erstaunte das, denn Engmark hat bisher noch nie eine des Mordes angeklagte Person verteidigt. Sie ist erst seit gut zwei Jahren als Anwältin tätig, was aber nicht heisst, dass ihr die Erfahrung fehlt: Sie war davor 15 Jahre auf der Gegen­seite tätig, als auf Bestechung, Steuerbetrug und andere Wirtschaftskriminalität spezialisierte Staats­anwältin. Dann machte sie sich selbstständig, wechselte in eine kleine Kanzlei. Ein Berufskollege schildert sie als willensstark und karrierebewusst.

Als Madsens Sprachrohr wurde die 45-Jährige aus Helsingör, nördlich von Kopenhagen, Teil eines fürchterlichen und rätselhaften Kriminalfalls. Der Tüftler wird beschuldigt, in seinem U-Boot die schwedische Journalistin Kim Wall sexuell missbraucht und zerstückelt zu haben. Das Scheinwerferlicht habe sie zu Beginn «überrumpelt», sagt Engmark. Und dass immer neue grausige Details auftauchten und ihr Mandant mehrfach der Lüge überführt wurde, machte ihre Sache nicht einfacher. Doch die Frau mit dem stechenden Blick scheint ihrer Aufgabe bestens gewachsen zu sein. In dem nun laufenden Prozess hält sie den Finger auf Schwächen der Anklage, bemerkt mit grossen Falten auf der Stirn, dass die Aussagen der Rechtsmediziner zu verschiedenen Verletzungen am Leichnam mit einiger Unsicherheit behaftet sind. Todesursache und -zeitpunkt sind unklar, weil die Leichenteile lange im Wasser lagen. Madsen hält derweil konsequent an seiner Unfallversion fest.

Die Staatsanwaltschaft stellt den Tüftler als sexuell abnormalen Psychopathen dar. Engmark sagt, sie helfe allen, sofern sie Zeit und die nötige Kompetenz habe – egal, welch schauerliche Taten den Angeklagten vorgeworfen werden: «Ich muss nicht beurteilen, ob meine Mandanten etwas getan haben oder nicht. Meine Aufgabe ist es, ihre Interessen wahrzunehmen, von Anfang bis zum Schluss.» Viele Leute haben dafür kein Verständnis. Die Anwältin wird auf ihrem privaten Facebook-Account aus der ganzen Welt beschimpft. «Wie kann man einen solchen Mörder verteidigen?», schreibt eine ihr unbekannte Frau. «Stell dir vor, deine Familie würde zerstückelt.»

Die geschiedene dreifache Mutter nimmt das ungerührt hin. Dass es viele Meinungen über Peter Madsen gibt, weiss sie – auch dass Zeugen ihn im Verlauf des Prozesses wohl noch als schwierigen Menschen mit ungewöhnlichem Sexualleben beschreiben werden. Sie warnt umso eindringlicher vor einer Vorverurteilung und versucht, ein anderes Bild zu zeichnen. Als sie Madsen am Mittwoch befragte, konnte er ausschweifend erzählen. Nicht von der fatalen Nacht im August, sondern von seinen langjährigen Raketen- und U-Boot-Projekten, seiner offenen Ehe und seinen drei Katzen, die er wie Kinder liebt.

Niels Anner, Kopenhagen

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