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Scheidung per Mausklick in Dänemark

Ein paar Klicks genügen, um sich in Dänemark mit augenblicklicher Wirkung scheiden zu lassen. Die Blitzscheidung ist beliebt, aber umstritten.
Niels Anner, Kopenhagen
Formulare gibts nun auch per Mausklick. (Bild Keystone)

Formulare gibts nun auch per Mausklick. (Bild Keystone)

Niels Anner, Kopenhagen

Grundvoraussetzung für die Auflösung einer dänischen Ehe ist ein Internetzugang. Sowie das Einverständnis beider Ehepartner. Dann geht alles schnell: Für eine Online-Scheidung müssen sich beide Ehepartner auf einer Behörden-Website einloggen. Dies geschieht mit dem elektronischen Bürger-Login, über den in Dänemark jeder verfügt, um Geschäfte und Korrespondenz mit Behörden oder Banken abzuwickeln. Danach genügen einige Klicks, um die Scheidung einzureichen.

Die Bearbeitung durch die Verwaltung kann eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen, doch ist kein zusätzlicher Kontakt mit einem Amt mehr nötig – geschweige denn der Gang vor ein Gericht, wie er in der Schweiz zwingend ist. Auch Anwälte sind in Dänemark bei einer Sofortscheidung nicht involviert, wenn sich die Ehepartner über die ­Bedingungen einig sind. Diese können sie auf dem elektronischen Scheidungsformular eintragen – oder wenn gewünscht bei der zuständigen Behörde festlegen. Dort können sie auch entsprechende Beratung bekommen.

Die Blitzscheidung ist in Dänemark 2013 eingeführt worden, als bei einer Gesetzesreform die vorgeschriebene Trennungsfrist von sechs Monaten abgeschafft wurde. Diese gilt heute nur noch, wenn sich die Ehepartner nicht einig sind über die Scheidung oder wenn sie bewusst eine Frist wünschen. In der Schweiz ist bei Uneinigkeit eine Frist von zwei Jahren vorgeschrieben, sofern nicht eine unzumutbare Situation vorliegt, etwa körperliche Gewalt.

Debatte um die Trennungsfrist

Die Vereinfachung in Dänemark wurde damals von einer politischen Mehrheit als Schritt gegen die «Bevormundung von erwachsenen Menschen» begründet; zudem sollte der administrative Aufwand bei Scheidungen reduziert werden – und man wollte der Tatsache gerecht werden, dass der Kontakt zu den Behörden mehr und mehr digital abläuft. Das Angebot erwies sich als beliebt: Der Anteil Sofortscheidungen stieg laufend an und machte letztes Jahr 77 Prozent aller Eheauflösungen aus. Die Praxis und die Bedeutung der Blitzscheidung sind allerdings umstritten. Nach der Einführung 2013 gab es einen scharfen Anstieg der Scheidungsrate, von 46 auf 54 Prozent; danach schwankte sie und fiel 2017 wieder auf 46 Prozent. In der Schweiz sank die Rate im gleichen Zeitraum von 43 und 41 Prozent.

Die Präsidentin der Vereinigung «Dänischer Familienadvokaten», Anne Broksö, erklärte, nach ihrer Erfahrung habe eine erzwungene Trennungsphase kaum Auswirkungen. Dies wird auch von Statistiken untermauert: Die wenigsten Paare, die sich zunächst für eine Trennung von sechs Monaten entscheiden, finden danach wieder zusammen. «Wer sich scheiden lassen will, macht sich dazu schon vorher viele Gedanken; dass es zu einer Pause kommt, in der man es sich noch einmal überlegt, ist ein Missverständnis», sagt Broksö. Dass ein heftiger Streit spontan eine Scheidung auslöse, glaubt auch die Paartherapeutin Stine Zink nicht. Doch gerade bei Therapeuten gehen die Meinungen auseinander: Nicht wenige erachten eine Trennungsfrist als sinnvoll, da sie Ruhe und Reflexion ermögliche.

Die Debatte wirkt sich nun wohl auf die Blitzscheidung aus. In der Parlamentsmehrheit aus Bürgerlichen und Rechtspopulisten herrscht nämlich Uneinigkeit darüber, ob nicht wieder eine Trennung Pflicht werden soll.

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