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Dänemark will mit einer künstlichen Insel gleich drei Probleme aufs Mal lösen

Eine neue Insel vor Kopenhagen soll Platz für 35000 Einwohner und Büros bieten. Mit dem Mega-Projekt will die dänische Hauptstadt mehrere Probleme gleichzeitig angehen: Schutz vor Klimaveränderungen, Platznot und Verkehrsstaus.
Niels Anner, Kopenhagen
So könnte die künstliche Insel Lynetteholmen vor Kopenhagen dereinst aussehen. Visualisierung: PD

So könnte die künstliche Insel Lynetteholmen vor Kopenhagen dereinst aussehen. Visualisierung: PD

Dänemark besteht aus 1419 Inseln, wovon 75 bewohnt sind. Nun hat die Planung für Nummer 76 begonnen – ein Projekt von historischem Ausmass für ganz Dänemark, wie die Regierung erklärte. Zusammen mit Kopenhagen hat sie ein Konzept für eine künstliche Insel vor der Hauptstadt vorgestellt. Diese soll nördlich des Zentrums, unweit des heutigen Hafens für Kreuzfahrtschiffe rund einen Kilometer vom Festland entfernt im Öresund aufgeschüttet werden.

Das neue Eiland soll nichts weniger als die «Zukunft unserer Stadt sichern», erklärte Kopenhagens Bürgermeister Frank Jensen. Denn das drei Milliarden teure Mega-Projekt, dessen Umsetzung mehrere Jahrzehnte dauern dürfte, soll gleich drei grosse Probleme der Stadt lösen: Wohnungsnot, Staus und Klimasicherung. Der Sozialdemokrat Jensen präsentierte das Projekt zusammen mit dem rechtsliberalen Regierungschef Lars Løkke Rasmussen, was die breite Unterstützung für das Projekt unterstrich. Die beiden Politiker stellten auch den provisorischen Namen der zwei Millionen Quadratmeter grossen Insel vor: Lynetteholmen.

Wohnungen und Büros mit viel Aussicht aufs Wasser

20000 neue Wohnungen sollen dort gebaut werden; mindestens ein Viertel davon Genossenschafts- und Sozialwohnungen. Damit fänden 35000 neue Einwohner Platz, zudem sollen ebenso viele Arbeitsplätze entstehen. Gleichzeitig kann die Entwicklung der bestehenden Hafen- und Industrieinsel Refshaleøen unmittelbar südlich von Lynetteholmen vorangetrieben werden; auch dort werden 15000 neue Arbeitsplätze erwartet. Damit könnten Wohn- und Büroraum an zentrumsnaher Stelle und mit viel Aussicht aufs Wasser sowie direkt an neu aufgeschütteten Stränden und Parkanlagen geschaffen werden. Bürgermeister Jensen hofft, dass so seine als Arbeits-, Ausbildungs- und Wohnort attraktive Stadt den starken Druck auf die Immobilienpreise sowie das Bevölkerungswachstum auffangen kann.

Ans Zentrum und das beste­hende Verkehrsnetz angebunden sein soll die Insel durch die Ausweitung des U-Bahn-Netzes sowie einen neuen Auto-Tunnel un­ter dem Meer. Mit diesem sollen zugleich Verkehrsprobleme gelöst werden, da er als neue Umfahrungsroute das Zentrum entlasten kann. Ausserdem würde eine bisher fehlende schnelle Nord-Süd-Verbindung zum Flughafen und weiter über die Öresundsbrücke nach Schweden geschaffen.

Insel soll Dämme unnötig machen

Auch der dritte Grund für den Bau der neuen Insel ist ein langfristiger: Klimaveränderungen. Die neue Insel schliesst den Hafenbereich weitgehend gegen den Öresund hin ab. Damit werden Hafen- und Küstengebiete, die in moderne Wohngebiete umgewandelt worden sind, gegen Unwetter und die Erhöhung des Meeresspiegels abgeschirmt. Klimasicherung ist bereits jetzt ein grosses Thema für Kopenhagen, da sich einige Quartiere der Stadt unter Meeresspiegel befinden und bei heftigen Regenfällen regelmässig Überschwemmungen ausgesetzt sind. In der Innenstadt werden deshalb neue Wasserläufe und Parks gebaut, die als Auffangbecken dienen.

Eine weitere Besonderheit von Lynetteholmen: Die Insel soll sich quasi selber finanzieren. Vorgesehen ist ein Modell, das in Kopenhagen bereits bei anderen Wohnlagen angewendet wurde: Der Verkauf von Grundeigentum und die Vergabe von Baurechten sollen die nötigen Einkünfte generieren, wobei der Staat einen Entwicklungsbeitrag leistet. Der Hafentunnel soll über eine Maut refinanziert werden.

Obwohl nun erst Studien erstellt werden und ein Bezug erst in einigen Jahrzehnten möglich sein wird, gehen die Verantwortlichen von einem Baubeginn bereits im Jahr 2021 aus. Bis dahin müssen noch das dänische Parlament und das Kopenhagener Stadtparlament grünes Licht geben – wobei bereits praktisch alle Parteien ihre Unterstützung signalisiert haben, wenn auch einige mit Bedenken bezüglich Umweltauswirkungen und Finanzierung.

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