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Darum versöhnt sich die arabische Welt mit Assad

Bis vor kurzem haben die arabischen Staaten den syrischen Diktator Assad noch verteufelt. Jetzt vollzieht sich ein Kurswechsel – auch, um den Iran zu schwächen.
Michael Wrase, Limassol
Der syrische Diktator Baschar al Assad. (EPA, Damaskus, 31. Oktober 2018)

Der syrische Diktator Baschar al Assad. (EPA, Damaskus, 31. Oktober 2018)

Sechs Jahre lang hatte der saudische Hassprediger Mohammed al-Arifi für den «heiligen Krieg» gegen «Assad, den Ungläubigen» geworben. Der auch in der Schweiz agitierende «Doktor des Glaubens» galt mit über 20 Millionen Follower auf Twitter als Star der internationalen Dschihadistenszene. Auch über arabische Fernsehsender erreichte er ein Millionenpublikum – bis ihm um die Jahreswende von der saudischen Regierung ein Maulkorb verpasst wurde.

Al-Arifi wurde aufgefordert, seinen Twitter-Account zu schliessen. Bankkonten mit Spendengeldern für die syrische Opposition liess die Regierung in Riad einfrieren. Selbst die Fahnen vor ihren Büros mussten die seit 2012 von Saudi-Arabien finanzierten Widerstandsgruppen inzwischen einholen.

Der Kurswechsel kommt für Experten nicht überraschend. Mit Widerwillen habe nun auch Saudi-Arabien akzeptiert, dass Baschar al Assad den Bürgerkrieg zu seinen Gunsten entschieden habe, erklärt Sebastian Sons von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. «Um zumindest Syrien dem verhassten Iran nicht gänzlich zu überlassen, wird man mit Assad in Zukunft zusammenarbeiten».

Den «entscheidenden Wendepunkt» markierte nach Einschätzung des Orientalisten Günter Meyer ein Tweet von Donald Trump im Juli 2017. Dieser hatte die Einstellung der Unterstützung für die militärische Ausrüstung von Assad-Gegnern angekündigt. Das habe es syrischen Regierungstruppen ermöglicht, mit russischer und iranischer Hilfe rund zwei Drittel des Landes unter Kontrolle zu bekommen.

Auch die arabische Welt musste daraufhin einen Strategiewechsel vollziehen, der im September letzten Jahres «mit einer überschwänglichen Begrüssung zwischen dem bahrainischen und syrischen Aussenminister» eingeleitet worden sei, sagt Meyer, der an der Universität von Mainz das Zentrum für Forschung zur Arabischen Welt leitet.

Wiedereinzug in die Arabische Liga

Eine stärkere arabische Rolle in Syrien sei jetzt nötig, um der Türkei und dem Iran Paroli bieten zu können, verteidigte Anwar Gargasch, Staatssekretär im Aussenministerium der Emirate, die Wiederannäherung an den langjährigen Erzfeind. Selbst die Arabische Liga, die vor fünf Jahren den Sitz des Assad-Regimes der syrischen Opposition überlassen hat, könnte bei ihrem nächsten Gipfeltreffen in Tunis Ende März den Diktator offiziell rehabilitieren. Dessen Land dürfe nicht länger ausserhalb der Liga stehen, verkündete der tunesische Präsidentenberater Lazhar al-Qorawi al-Chabi letzte Woche in Beirut. Dort sollen auf einem panarabischen Wirtschaftsgipfel in der nächsten Woche «weitere Annäherungsschritte» zwischen Syrien und dem Rest der arabischen Welt vollzogen werden.

Auch Geld dürfte dann ein Thema sein. Das Assad-Regime hat die Kosten für den Wiederaufbau auf 350 Milliarden Dollar veranschlagt und erwartet von den Golfstaaten grosszügige Unterstützung. Diese befinden sich gegenüber dem finanzschwachen Iran in einer besseren Position und könnten mit der Vergabe von Milliardenhilfsgeldern punkten.

Dass mit saudischen Petrodollars der Einfluss des Iran in Syrien geschwächt wird, hält der Nahostexperte Günter Meyer für unwahrscheinlich. Erst kürzlich hätten Damaskus und Teheran ein Abkommen über wirtschaftliche Zusammenarbeit unterzeichnet, das privaten und staatlichen Unternehmen aus dem Iran eine Vorzugsbehandlung einräume.

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