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Das Brexit-Land feiert die Macht der Liebe

Meghan und Harry haben geheiratet, geschickt und stilvoll inszeniert. Die Braut sorgte mit ihrem Kleid bei Modeexperten und den unzähligen Schaulustigen für Begeisterung. Für Aufsehen sorgte aber noch jemand anderes.
Sebastian Borger, London/Windsor

Auf den besonnten Strassen der Residenzstadt ein fröhliches Volksfest, in der Georgs-Schlosskirche eine gelungene Mischung aus englischer Tradition und amerikanischem Verve: Bei der Hochzeit von Prinz Harry und Meghan Markle haben die Briten erneut ihre Brillanz beim Feiern royaler Anlässe unter Beweis gestellt. In einem Gottesdienst, der gekonnt traditionelle Elemente mit Modernem mischte, gaben sich die US-Schauspielerin, die ein Seidenkleid mit fünf Meter langem Tüllschleier trug, und der Sechste der britischen Thronfolge in der dunkelblauen Ausgeh-Uniform seines Garderegiments Blues and Royals gestern Samstag das Jawort.

Schon am Vorabend des grossen Ereignisses hatten sich unzählige Schaulustige in Windsor eingefunden, flanierten in Shorts und Sommerkleidern die Hauptstrasse entlang. Zwischen Bahnhof und Schloss kam der Verkehr nur im Schneckentempo voran, die Fussgänger mussten sich um stehende Autos und Haufen von Pferdeäpfeln herumwinden. Zwischendurch entstand in den engen Strassen der Stadt ein bedrohliches Gedränge, das der guten Stimmung aber nichts anhaben konnte. Vor der Lloyds-Bank, gleich gegenüber des Denkmals für Königin Victoria, machte eine vollschlanke Dame mit billigen Wimpeln das Geschäft ihres Lebens. Gleich daneben sass eine Obdachlose mit gesenktem Kopf, den Schlafsack hinter sich, die Blechdose mit einigen Münzen vor sich. Den Versuch, die Bettler aus der Nähe der royalen Route zu verbannen, hatte der Stadtrat zu Beginn des Jahres nach einem Aufschrei der Öffentlichkeit aufgeben müssen.

Amal Clooney, Serena Williams ..., doch nur ein Ex-Politiker

Von Samstag früh an – mittlerweile war das Stadtzentrum für den Autoverkehr gesperrt – brachten extralange Züge immer mehr royale Fans nach Windsor, die Zufahrtsstrassen waren rasch verstopft. Am Ende genossen einer Schätzung der Stadtbehörde zufolge mehr als hunderttausend Menschen im strahlenden Sonnenschein eines perfekten Maitages die Volksfeststimmung. Drei junge Frauen trugen T-Shirts mit dem etwas veralteten Slogan «I want to marry Harry» zur Schau und unterhielten sich fröhlich mit zwei Musliminnen im Hidschab mit dem Muster der britischen Nationalflagge Union Jack. Grossleinwände übertrugen die Ankunft der Ehrengäste auf dem Schlossgelände, wo 2640 speziell geladene Briten den Prominenten von Menschenrechtsanwältin Amal Clooney über Tennisspielerin Serena Williams bis zum Ex-Fussballer David Beckham und seiner Modedesigner-Frau Victoria zujubelten. Als einziger prominenter Politiker erschien Ex-Premier John Major (1990–1997) mit seiner Frau, offenbar in Anerkennung seiner Rolle als Schutzpatron der Prinzen nach dem Unfalltod ihrer Mutter Diana. Während sich der 75-Jährige auf einen Stock stützte, schritt Prinzgemahl Philip (96), vier Wochen nach einer Hüftoperation, kerzengerade und ohne Gehhilfe in die Schlosskirche, wie immer zwei Schritte hinter seiner Gattin Elizabeth II.

Der erste Kuss nach der Hochzeit. Bild: Neil Hall / EPA (London, 19. Mai 2018)
England Prinz Harry, der Herzog von Sussex und seine Frau Meghan Markle, nun die Herzogin von of Sussex, winken nach der Trauung. (Paul Ellis/pool photo via AP)
Die Brautmutter Doria Ragland und Prince Charles nach der Trauung. (Brian Lawless/pool photo via AP)
Kate, die Herzogin von Cambridge und Prinzessin Charlotte verlassen nach der Trauung die St. George's in Windsor. (Andrew Matthews/pool photo via AP)
Englands Königin Queen Elizabeth II und Prince Philip sowie weitere Mitglieder der Königlichen Familie nach der Trauung von Prinz Harry and Meghan Markle in der St. George's Chapel in Windsor. (Andrew Milligan/pool photo via AP)
Prinz William mit Sohn Prinz George nach der Hochzeitsfeier. (Andrew Matthews/pool photo via AP)
Prinz Harry und Meghan Markle verlassen als Ehepaar die St. George's Chapel im Windsor Castle in Windsor ini der Nähe von London. (Andrew Matthews/pool photo via AP)
Das Brautpaar steht während der Zeremonie vor dem Erzbischof von Canterbury Justin Welby.. (Owen Humphreys/pool photo via AP)
Meghan Markle betritt die Kirche St. George. (Andrew Matthews/pool photo via AP)
Die Herzogin Kate und Jessica Mulroney (im blauen Kleid) führen die Blumenmädchen in die Kirche. (Jane Barlow/pool photo via AP)
Meghan Markle und ihre Mutter Doria Ragland im Wagen auf dem Weg zur Kirche. (AP Photo/Tim Ireland)
Fans fiebernten mit. (AP Photo/Kirsty Wigglesworth)
Die Königin scheint nach der Trauung ganz zufrieden zu sein. (AP Photo/Alastair Grant, pool)
Schauspieler George Clooney und seine Frau Amal kamen als Gäste zur Trauungszeremonie. (Gareth Fuller/pool photo via AP)
Tennisspielerin Serena Williams und ihr Ehemann Alexis Ohanian. (Odd Anderson/pool photo via AP)
Der früherer britische Premierminister Sir John Major und seine Frau Lady Norma Major. (Toby Melville/pool photo via AP)
Musiker James Blunt and Sofia Wellesley lassen sich die Hochzeit nicht entgehen. (Chris Radburn/pool photo via AP)
Pippa Middleton, die Schwester von Herzogin Kate und James Matthews. (Chris Jackson/pool photo via AP)
Designerin Victoria und Ex-Fussballprofi David Beckham sind ebenfalls dabei. (Gareth Fuller/pool photo via AP)
Die US-amerikanische Moderatorin Oprah Winfrey zählt zu den geladenen Gästen. (Ian West/pool photo via AP)
Die Fans wartetenn entlang der Strasse zum Schloss Windsor auf das Brautpaar und die Hochzeitgesellschaft.
Die Militärkappelle gab zur Feier des Tages ein Ständchen. (AP Photo/Frank Augstein)
Wer einen guten Blick erhaschen wollte, brachte den Feldstecher mit. (AP Photo/Kirsty Wigglesworth)
Die Fans zelebrierten den Event in den Farben und Flaggen von Grossbrittannien für den Prinzen Harry und von den USA für Meghan Markle. (Mike Egerton/PA via AP)
Ein Fan wartet auf die Hochzeitszeremonie (AP Photo/Frank Augstein)
Die Frauen schwenken britische und US-amerikanische Flaggen. (AP Photo/Frank Augstein)
Bewaffnete Polizisten sollen für Sicherheit sorgen. (John Sibley/pool photo via AP)
Um die besten Plätze zu ergattern, haben Fans entlang der Abschrankung schon in der Nacht ound den frühen Morgenstunden Stellung bezogen. (AP Photo/Matt Dunham)
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Die besten Bilder der royalen Hochzeit

Deren Mitteilung zu Tagesbeginn hatte offiziell gemacht, was längst die Spatzen von den Palastdächern pfiffen: Mit ihrem Jawort wurden Harry und Meghan Herzog und Herzogin von Sussex, der reichen Grafschaft zwischen London und der englischen Südküste. Im Norden der Insel amtieren sie künftig als Graf und Gräfin des westschottischen Dumbarton, dem erstmals 1222 das Stadtrecht verliehen wurde; ausserdem tragen sie die Titel Baronin und Baron Kilkeel von Nordirland. Ein anderes Geheimnis hingegen hielt bis 11.59 Uhr Ortszeit: Zur allgemeinen Begeisterung der Modeexperten entstieg Markle ihrem Rolls-Royce in einer Kreation von Clare Waight Keller, der britischen Artdirektorin des französischen Modehauses Givenchy. In ihrem weissen Kleid mit U-Boot-Kragen und langen Ärmeln zog sie einen Tüllschleier aus Seide und Organza hinter sich her, der mit Blumenmotiven aller 53 Commonwealth-Mitgliedsländer bestickt war. Die 7-jährigen Zwillingsbuben von Meghans enger Freundin Jessica Mulroney hatten erkennbar Spass an ihrer Aufgabe als Schleppenträger.

Was Prinz Harry seiner Meghan zuflüsterte

Bis zur Mitte der Kirche schritt die selbstbewusste Feministin, Tochter aus der Ehe einer Schwarzen mit einem Weissen, allein, anschliessend begleitete sie anstelle ihres herzkranken Vaters Thomas ihr Schwiegervater Prinz Charles zum Altar, wo Harry sie Lippenlesern zufolge mit den Worten «Du siehst toll aus» begrüsste. Für die Lesung von Harrys Tante Jane Fellowes, einer Schwester seiner verstorbenen Mutter, hatten die Brautleute aus dem hocherotischen Hohelied Salomos im Alten Testament zwei keuschere Stellen zusammengestellt. «Denn Liebe ist stark wie der Tod und Leidenschaft unwiderstehlich wie das Totenreich», heisst es dort und weiter: «Ihre Glut ist feurig und eine Flamme des Herrn.»

«Stellen Sie sich vor, unsere Regierungen würden den Weg der Liebe beschreiten. In solch einer Welt wäre Armut Geschichte.»

Die feurige Predigt von Bischof Michael Curry Diese Bibelworte legte US-Bischof Michael Curry zur Grundlage seiner feurigen Predigt über die Macht der Liebe. Den vor 50 Jahren ermordeten schwarzen US-Bürgerrechtler Martin Luther King zitierend, warnte der schwarze Bischof davor, die Liebe zu sentimentalisieren, beschwor vielmehr ihre politische Dimension: «Stellen Sie sich vor, unsere Regierungen würden den Weg der Liebe beschreiten. In solch einer Welt wäre Armut Geschichte.» Die 13-minütige Ansprache verursachte einen Sturm auf dem sozialen Netzwerk Twitter. «Der macht mich noch zum Gläubigen», scherzte der agnostische frühere Labour-Vorsitzende Edward Miliband.

Dann die Eheversprechen, die Ringe, die Nationalhymne. Am Kirchenportal küssten sich die Neuvermählten innig, ehe sie im offenen Landauer durch Windsor kutschiert wurden, zum Jubel der begeisterten Zuschauer. Einem Mittagessen für 600 Gäste mit Ansprachen der Herzogin und des Thronfolgers folgte abends die Party mit 200 Freunden, Verwandten des Prinzen sowie Meghans Mutter Doria Ragland, der einzigen Vertreterin der Brautfamilie.

Übrigens: Beim Hochzeitsempfang griff dann auch noch der britische Sänger und Pianist Elton John in die Tasten, wie der Palast am Abend bekanntgab. Was der 71-Jährige spielte, behielt das Königshaus für sich.

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