EU
Das ist Brüssels Brexit-Kampftruppe

Michel Barnier, Chef-Verhandlungsführer für den Austritt Grossbritanniens, nimmt mit zwei Mitstreitern die Arbeit auf.

Remo Hess, Brüssel
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EU-Unterhändler Michel Barnier, Guy Verhofstadt und Didier Seeuws (v.l.).

EU-Unterhändler Michel Barnier, Guy Verhofstadt und Didier Seeuws (v.l.).

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«Mein Freund Michel» nennt ihn EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, als «Britenfresser» betiteln ihn die Zeitungen: Michel Barnier, der Brexit-Verhandlungsführer der EU-Kommission, nimmt heute Montag seine Arbeit auf. An ihm wird es liegen, die Zauberformel für den britischen Austritt aus der EU zu finden.

Im Vereinigten Königreich stiess die Ernennung des 65-jährigen Franzosen auf wenig Gegenliebe. Von «Junckers Rache» war die Rede. Denn den Briten ist Barnier noch in lebhafter Erinnerung. 2010 bis 2014 machte er als EU-Binnenmarkt-Kommissar Londons Bankern mit etlichen Regulierungen das Leben schwer. Verhasst waren beispielsweise die Deckelung der Banker-Boni und die gemeinsame Bankenaufsicht unter Leitung der Europäischen Zentralbank (EZB). Schon im Februar, lange vor der Brexit-Abstimmung, machte Barnier klar, dass ein Binnenmarkt à la carte mit ihm nicht zu haben sei und dass es einen Marktzugang nur mit Personenfreizügigkeit gäbe.

Brexit-Show mit «Fanatiker»

Mit dem britischen Brexit-Minister David Davis soll ihn seit Jahren eine auf Gegenseitigkeit beruhende Antipathie verbinden. Dass der stolze Savoyer Barnier des Englischen nur bescheiden mächtig sein soll, wird der Atmosphäre der Verhandlungen in London kaum zuträglich sein. In Brüssel hingegen geniesst Barnier einen ausgezeichneten Ruf. Neben seinem Amt als Binnenmarkt-Kommissar diente er in der Kommission von Romano Prodi zwischen 1999 und 2004 als Kommissar für Regionalpolitik und institutionelle Reformen, bevor er französischer Aussenminister wurde. Im Jahr 2014 bewarb er sich für das Amt des EU-Kommissionspräsidenten, unterlag dann aber Juncker.

Der grossgewachsene Franzose leitet die Brexit-Show aber nicht alleine. Ihm zur Seite stehen die Verhandlungsführer des Ministerrates und des Europäischen Parlaments. Für den Ministerrat hat der ständige Präsident Donald Tusk unlängst den Belgier Didier Seeuws zum Mister Brexit berufen. Der 50-Jährige wird als blitzgescheiter, mit allen Wassern gewaschener Karriere-Diplomat beschrieben. Von 2012 bis 2014 war Seeuws Chefberater des ehemaligen Ratspräsidenten Herman Van Rompuy. In den Jahren 2003 bis 2007 arbeitete er als Sprecher des damaligen belgischen Premierministers und heutigen Fraktionschefs der Liberalen im EU-Parlament, Guy Verhofstadt.

Verhofstadt ist es auch, der die Interessen des EU-Parlaments in Sachen Brexit vertreten soll. Der Belgier gilt als das, was man in Brüssel einen «Super-Föderalisten» nennt. Seit Jahren wirbt der 63-Jährige für das Modell der Vereinigten Staaten von Europa und einer weitergehenden Integration Europas. Der prägnante Rhetoriker kündigte bereits an, jeglichen für die EU ungünstigen Brexit-Deal mittels des Vetos des EU-Parlaments zu verhindern.

Für Ukip-Chef Nigel Farage, eine der treibenden Kräfte hinter dem Brexit, ist die Ernennung des «Fanatikers» Verhofstadt zum Verhandlungsführer schlicht eine «Beleidigung».