Klimakonferenz
Das Klimaproblem ist einfach - aber schwer zu lösen

Worum geht es in der Klimapolitik? Wie wäre das Problem zu lösen? Ist eine Lösung realistisch? Hier finden Sie die wichtigsten Szenarien, Fragen und Antworten rund um die Klimadebatte.

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El Niño führt zu extremen Klima-Phänomenen: Während in einigen Weltgegenden mehr Wirbelstürme und Regenstürme wüten, kommt es in anderen - wie hier in Piuerto Rico - häufiger zu Dürren.

El Niño führt zu extremen Klima-Phänomenen: Während in einigen Weltgegenden mehr Wirbelstürme und Regenstürme wüten, kommt es in anderen - wie hier in Piuerto Rico - häufiger zu Dürren.

KEYSTONE/AP/RICARDO ARDUENGO

1992 beschlossen die Uno-Mitglieder, eine «gefährliche Störung des Klimasystems» abzuwenden. Seither versuchen sie, diese Absicht in konkrete Politik umzusetzen. Der Pariser Klimagipfel soll nächste Woche ein entsprechendes Abkommen aushandeln – nachdem der Klimagipfel von 2009 in Kopenhagen an dieser Aufgabe scheiterte.

Bisher hat die ganze Diplomatie wenig gefruchtet; der Treibhausgas-Ausstoss hat sich in den letzten 23 Jahren nur beschleunigt. Weil das Problem zu komplex ist? Nein: Weil es so entwaffnend einfach ist und die Entscheidungsträger alles tun, um die einfachen Wahrheiten nicht sehen zu müssen.

Wie löst man das Klimaproblem?

Indem man mindestens vier Fünftel der bekannten Erdöl-, Kohle- und Gasvorräte dort lässt, wo sie sind, statt sie zu verbrennen und als CO2 in die Atmosphäre zu pusten. Zwar müssen darüber hinaus auch die Wälder vor Abholzung geschützt werden, die Landwirtschaft muss weniger Stickstoff einsetzen und so weiter. Aber ohne dass die fossilen Energieträger unter dem Boden bleiben, gibt es keinen erfolgreichen Klimaschutz. So einfach ist das.

Ist der tiefe Erdölpreis gut oder schlecht für das Klima?

Weder noch. Ein tiefer Ölpreis reduziert die Anreize, zu sparen; das ist schlecht fürs Klima. Ein hoher Ölpreis verstärkt die Anreize, mehr zu produzieren; das ist schlecht fürs Klima. Preise müssten gleichzeitig fallen und steigen: fallen für die Produzenten, steigen für die Konsumenten. Die Differenz zwischen den beiden Preisen müsste abgeschöpft werden – als CO2-Steuer oder «Preis» der CO2-Emissionen.

Kann ein CO2-Preis das Problem lösen?

Er müsste sehr hoch sein. Auf dem europäischen Markt kostet ein Zertifikat für eine Tonne CO2 gegenwärtig 8 Euro. Die Schweizer CO2-Abgabe auf Brennstoffe beträgt ab 2016 84 Franken pro Tonne, das CO2-Gesetz erlaubt maximal 120 Franken. Aber wie viel wäre wirksam? Man hat die Reaktion der Märkte auf unterschiedliche CO2-Preise mit ungeheuer komplexen Modellrechnungen simuliert. Aber überzeugender ist eine einfache Überlegung am Beispiel Erdöl: Produzenten dürfen für ihr Öl nur noch so viel bekommen, dass sich die Ausbeutung nicht mehr lohnt; Konsumenten müssen dafür so viel bezahlen, dass sie es nicht mehr wollen. Der Ölpreis lag 2008 bei 150 Dollar pro Fass – und das Zeug wurde nach wie vor gekauft. Die Produktion dagegen kostet in Saudiarabien nach wie vor weniger als 10 Dollar pro Fass. Damit sie sich nicht mehr lohnt, müsste der Ölpreis noch tiefer liegen. Der CO2-Preis müsste somit mindestens die Differenz zwischen 10 und 150 Dollar abschöpfen. Das entspricht über 300 Franken pro Tonne CO2.

Tut das weh?

Einerseits ja: Die Weltwirtschaft ist derart von billiger Energie abhängig, dass ein Ausweg nicht ohne grosse Verwerfungen gelingen wird. Andererseits töten die fossilen Energien, vom Grubenunfall über den Strassenverkehr bis zur Luftverschmutzung, mehr Menschen als alle Kriege und Epidemien der Welt. Andrerseits wäre ein Ausstieg eine grosse Befreiung. Zieht man die langfristigen Klimaschäden in Betracht, ist die Bilanz sowieso positiv.

Lösen erneuerbare Energien das Problem?

Die Entwicklung der erneuerbaren Energietechnik war in den letzten Jahren imposant, und in Regionen ohne Zugang zu den herkömmlichen Energienetzwerken haben erneuerbare Energien längst die Nase vorn. Aber um die fossilen Energieträger vollständig aus dem Markt zu drängen, müsste erneuerbare Energie so wenig kosten wie die Produktion der billigsten fossilen – oder noch weniger, weil die herkömmlichen Energieträger den Vorteil haben, dass die bestehenden Infrastrukturen auf sie abgestimmt sind. Würden Erneuerbare derart billig, steigerte das die Energienachfrage gewaltig und es wäre sehr fraglich, ob sich diese Nachfrage decken liesse. Ohne politische Massnahmen gegen die fossilen Energieträger genügt der Ausbau der Erneuerbaren nicht.

Hilft Erdgas?

Die Erdgasindustrie behauptet es. Tatsächlich setzt Erdgas pro Energieeinheit weniger CO2 frei als Erdöl und vor allem als Kohle, und so vermag ein Umstieg die Emissionen zu senken. Aber jeder zusätzlich geförderte Kubikmeter Gas ist zusätzlicher Kohlenstoff, der im Boden bleiben müsste. Erdgas hilft, länger auf dem falschen (fossilen) Weg zu bleiben.

Gibt es Alternativen?

Ja. In der Klimapolitik geht es vor allem darum, die Last der Klimapolitik halbwegs gerecht auf die Staaten zu verteilen. Was die Folgen des Klimawandels angeht, ist das zweifellos wichtig. Was die Lösungen angeht, ist es fatal, diese bloss als Bürde zu sehen. Würde eine Wende (nicht nur) im Energiebereich als Chance gesehen, eine menschenfreundlichere Welt zu schaffen, könnte Klimaschutz plötzlich attraktiv werden.

Ist das realistisch?

Nein. Denn das Gute setzt sich in der Welt ja nicht einfach durch, weil es gut ist. Der Ausstieg wird den Mächtigen weh tun und die werden sich wehren. Aber man ist auch nicht realistisch, indem man den eigenen Untergang kampflos hinnimmt.

Was passiert mit der globalen Durchschnittstemperatur, wenn an den Schrauben gedreht wird? Früher versuchte man anhand verschiedener Parameter (Bevölkerung, Energieverbrauch, Energiemix etc.) die zukünftige Konzentration von Treibhausgasen zu berechnen, woraus dann die Klimamodelle die Durchschnittstemperatur errechneten. Jetzt arbeitet man mit sogenannten RCPs (Representative Concentration Pathways).

Dabei wird mit dem «Strahlungsantrieb» gearbeitet. Gemeint ist die vertikale Netto-Energieeinstrahlung, die zusätzlich durch den Menschen («anthropogen») erzeugt wird. Angegeben wird er in W/m2.

Die Temperatur steigt um 4,8 Grad

Die Weltbevölkerung steigt bis im Jahr 2100 auf 12 Milliarden Menschen an. Sie leben in einer Welt, die sich nicht gross von der jetzigen unterscheidet. Es gibt immer noch reiche und arme Länder: Die Unterschiede in Einkommen und BIP sind gross. Die technologische Entwicklung geht langsam vor sich. Der Anteil der Kohle am Primärenergieverbrauch beträgt immer noch rund 50 Prozent. Die CO2-Emissionen haben sich verdreifacht. Der Strahlungsantrieb von 8.5 W/m2 lässt die globale Durchschnittstemperatur um 4,8 Grad steigen.

Die Temperatur steigt um 2,6 Grad

Bis ins Jahr 2100 ist es gelungen, den Anstieg der Weltbevölkerung einigermassen zu kontrollieren. Ein gesteigertes Wohlstandsniveau führt zu einer Weltbevölkerung von rund 10 Milliarden Menschen. Das Kapital fliesst leichter, moderne Technologien verbreiten sich schneller. Der Anteil der fossilen Energien am Primärenergieverbrauch wird reduziert. Dadurch gelingt es, den Strahlungsantrieb bis 2100 auf etwa 4.5 W/m2 zu stabilisieren. Dadurch steigt die globale Durchschnittstemperatur um 2,6 Grad.

Dei Temperatur steigt um weniger als 2 Grad

Die Weltbevölkerung hat schon vor 2100 ihren Höhepunkt überschritten und schrumpft. Die Menschheit benutzt moderne Technologie und lässt die fossilen Energien im Boden. Bis 2050 steigt der Strahlungsantrieb noch leicht auf 3 W/m2, beginnt dann aber bereits leicht zu sinken auf 2.6 W/m2 (peak and decline). Mitte des Jahrhunderts werden keine Treibhausgase mehr emittiert. CSS-Technologien (Abscheiden und Speichern von CO2) ergeben sich gar «negative Emissionen». Die Temperatur bleibt unter dem Zwei-Grad-Ziel.