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Das Kreuz mit dem Hadsch: Die Pilgerfahrt wird zur «Sünde»

Zahlreiche muslimische Verbände raten wegen der saudischen Beteiligung am Jemen-Krieg von Pilgerreisen nach Mekka ab. Doch die Saudis machen mit den Gläubigen weiter gute Geschäfte – sehr gute sogar.
Martin Gehlen aus Kairo
Gläubige beten an der heiligen Kaaba in der Moschee von Mekka. Die Reise dahin wird immer umstrittener. (Bild: Amr Nabil/Keystone)

Gläubige beten an der heiligen Kaaba in der Moschee von Mekka. Die Reise dahin wird immer umstrittener. (Bild: Amr Nabil/Keystone)

Der Hadsch ist ein Pilgerfest der Superlative. Jedes Jahr befindet sich Saudi-Arabien im Ausnahmezustand, wenn das sechstägige Massenritual beginnt. Am Freitag ist es wieder so weit. 6000 Sondermaschinen bringen Muslime aus aller Welt an die speziellen Pilgerterminals von Jeddah und Medina. Gut 2,3 Millionen Gläubige sind dieses Jahr dabei.

Gleichzeitig wächst die Kritik an den Gastgebern in der Heimat des Propheten. Saudische Truppen mischen seit Jahren im Krieg im Jemen mit, der 80 Prozent der Bevölkerung ins Elend gestürzt hat. Der bestialische Staatsmord am Journalisten Jamal Khashoggi in Istanbul wird von der amerikanischen CIA und von Menschenrechtsorganisationen offen dem saudischen Thronfolger Mohammed bin Salman angelastet. Kein Wunder also, dass das Ansehen Saudi-Arabiens nicht nur in der westlichen Welt, sondern auch unter Muslimen rund um den Globus Schaden genommen hat.

Pilgerfahrt eher «Sünde als gute Tat»

Erstmals riefen daher in diesem Jahr religiöse Autoritäten in Australien, Kanada, den USA, Tunesien, Libyen und Qatar zu einem Hadsch-Boykott auf. Auch im Internet wird unter dem Hashtag #BoycottHajj heftig diskutiert.

Der Grossmufti von Libyen, Sadiq Al-Ghariani, beklagte, die Einnahmen aus dem Hadsch würden «saudischen Führern helfen, Verbrechen gegen Muslime zu begehen». Die Gelder würden für Massaker im Jemen, in Sudan, Libyen, Tunesien und Algerien verwendet. Er appellierte an seine Mitgläubigen, es bei einem Mekka-Besuch im Leben zu belassen. Wer sich auf eine zweite Pilgerfahrt mache, begehe «eher eine Sünde als eine gute Tat».

Einen Schritt weiter ging der Rat der Imame in Tunesien, der den Grossmufti des Landes aufforderte, den Hadsch ganz auszusetzen. Als dies nicht geschah, appellierte der Rat an die Bevölkerung, die Wallfahrt zu boykottieren. Die Gelder für die teure Reise sollten besser für den Bau von Krankenhäusern, Schulen und Universitäten eingesetzt werden.

In den USA argumentierte die Künstlerin Ani Zonneveld, Präsidentin der NGO «Muslime für fortschrittliche Werte», der Hadsch als eine Erfahrung der inneren Reinigung sei schwer zu vereinbaren mit der Unterstützung für ein Regime, das den Jemen in eine Hungersnot gestürzt habe.

Für Saudi-Arabien ist die Herrschaft über Mekka und Medina tatsächlich ein lukratives Geschäft. Jedes Jahr spült der Pilgerstrom Einnahmen von über zehn Milliarden Euro in die Kassen der Wüstenmonarchie. Drei Viertel der Pilger reisen aus dem Ausland an, ein Viertel stammt aus dem Königreich.

20 000 Euro für den Luxus-Hadsch

Zum ersten Mal im Einsatz ist auch die neue, 450 Kilometer lange Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Medina und Mekka, die die Reisezeit zwischen beiden Städten von sechs auf zwei Stunden verkürzt. Zwischen 1000 und 20 000 Euro muss ein Pilger berappen, je nachdem, ob er einen Einfach-Hadsch oder einen Edel-Hadsch im Hotelzimmer mit Blick auf die Kaaba wünscht.

Doch trotz der Proteste, der Kosten und der herrschenden Hitze (erwartet werden 40 Grad) ist die Nachfrage auch in diesem Jahr ungebrochen. In allen muslimischen Ländern existieren endlose Wartelisten, trotz der weltweiten Proteste.

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