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Italienische Mafia: Das lange Erbe
der «Bestie» Toto Riina

Der italienische Staat fordert von den Erben des verstorbenen Mafiabosses Toto Riina zwei Millionen Euro – für dessen Gefängnisaufenthalt. Die Suche nach dem legendären Schatz des Superpaten geht derweil weiter.
Dominik Straub, Rom
Salvatore «Toto» Riina beim Gang in den Gerichtssaal Anfang Januar 1996. (Bild: Gianni Schicchi/AP; Bologna)

Salvatore «Toto» Riina beim Gang in den Gerichtssaal Anfang Januar 1996. (Bild: Gianni Schicchi/AP; Bologna)

Toto Riina, genannt «die Bestie», war im November 2017 im Hochsicherheitsgefängnis von Parma in Norditalien gestorben. Insgesamt 24 Jahre hatte der zu 26 Mal lebenslänglich verurteilte einstige Superpate der sizilianischen Mafia-Organisation Cosa Nostra in Isolationshaft verbracht – und nun präsentiert der italienische Staat den Nachkommen die Rechnung: Zwei Millionen Euro sollen Riinas Witwe Ninetta Bagarella und ihre Kinder nachträglich für die Unterbringung ihres Verwandten im Gefängnis berappen.

Die staatliche Forderung dürfte wenig Aussicht auf Erfolg haben: Zwar kann der italienische Staat tatsächlich die Unterbringungskosten im Gefängnis den Verurteilten aufbürden, aber eine Belangung der Nachkommen schliesse das entsprechende Gesetz ausdrücklich aus, betont der Anwalt der Riina-­Verwandten, Luca Cianferoni. Ausserdem, berichteten sizilianische Zeitungen, hätten Witwe Ninetta und die Kinder das Erbe des Paten ausgeschlagen, womit sie nicht für eventuelle Schulden geradestehen müssten. Cianferoni bezeichnet die Rechnung denn auch ironisch als «Scharfsinnigkeit».

Zwei Unternehmen, 38 Bankkonten

Das ist sie wohl auch. Aber vor allem sind die zwei Millionen ein Klacks im Vergleich zu dem Vermögen, das Riina als langjähriger oberster Boss der Cosa Nostra mit Schutzgelderpressung, Prostitution, Drogenhandel, illegalem Glücksspiel und «Kommissionen» bei der Vergabe öffentlicher Aufträge nach Überzeugung der sizilianischen Staatsanwälte angehäuft haben muss. Dem legendären «Schatz Riinas» jagen die Ermittler nach wie vor hinterher. Und sie haben zumindest Teile des mutmasslichen Milliardenvermögens auch schon entdeckt.

Im Juli 2017 – also wenige Monate vor dem Tod Riinas – hatten die Staatsanwälte bei Kindern und anderen Verwandten des einstigen Superpaten Vermögenswerte von rund 1,5 Millionen Euro beschlagnahmt: zwei Unternehmen, eine Villa, 38 Bankkonten und diverse Grundstücke. Schon in den Jahren zuvor hatte die Justiz mehrfach zugeschlagen und Vermögen konfisziert. Ein grosser Teil des Schatzes ist bisher aber verschollen geblieben – er dürfte unter anderem auch ins Ausland verschoben worden sein, wo die Cosa Nostra auf die Hilfe von professionellen Geldwäschern zählen kann.

Erster Mord mit 18 Jahren

Toto Riina war während mehreren Jahrzehnten der unbestrittene Boss der Bosse der Cosa Nostra gewesen. Er stammte aus der Kleinstadt Corleone im Hinterland von Palermo, wo er schon als Jugendlicher kriminell wurde. Seinen ersten Mord verübte er mit 18 Jahren, als er einen Gleichaltrigen im Streit tötete. Später war der Chef der «Corleonesi» an weiteren 100 bis 150 Morden beteiligt – als Täter oder als Auftraggeber. Die «Bestie» schoss rücksichtslos alle nieder, die sich ihm in den Weg stellten.

In den Neunzigerjahren erklärte Riina dem italienischen Staat den Krieg: 1992 wurden in Palermo in kurzen Abständen die Mafiajäger Giovanni Falcone und Paolo Borsellino mit ferngezündeten Bomben umgebracht. Später folgten auch Bombenanschläge in Rom, Mailand und Florenz, bei denen 1993 zehn Menschen getötet wurden. Mit seiner «Strategie der Blutbäder» wollte Riina die Regierung an den Verhandlungstisch bomben – und zu einem Waffenstillstand mit der Cosa Nostra bewegen. Der Plan scheiterte, weil Riina am 15. Januar 1993 nach jahrelanger Flucht endlich verhaftet werden konnte.

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