Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Das standhafte Emirat

Vor einem Jahr wollten Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabischen Emirate Katar unterwerfen. Der schwerreiche Kleinstaat blieb standhaft – mit Unterstützung des Irans und der Türkei.
Michael Wrase, Doha
Ein junges Paar mit Baby in der katarischen Hauptstadt Doha. (Kamran Jebreili/AP)

Ein junges Paar mit Baby in der katarischen Hauptstadt Doha. (Kamran Jebreili/AP)

Es begann mit einer „Fake News“, die nicht von russischen Hackern, wie anfangs vermutet, sondern vom Geheimdienst von Abu Dhabi verbreitet wurde. Der Emir von Katar, hiess es in der Falschmeldung, habe den Iran in einer Rede als eine „Islamische Macht“ gepriesen und auch die palästinensische Hamas ausdrücklich gelobt. Die Ende Mai 2017 lancierte „Fake News“ war Teil einer letztendlich durchsichtigen Kampagne, mit der die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien, Bahrain und Ägypten das schwerreiche Emirat am Persischen Golf als Helfershelfer terroristischer Gruppierungen und Bundesgenossen des Iran blosszustellen versuchten.

Am 5.Juni 2017 setzte das Quartett die diplomatischen Beziehungen zu Katar aus und verhängte eine Land, See – und Luftblockade. Zwei Wochen später erhöhten die Staaten den Druck weiter. Den Regenten in Doha wurde ein Ultimatum mit 13 Forderungen gestellt. Neben dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen zum Iran sollte auch der populäre katarische Fernsehsender Al Dschasira seinen Sendebetrieb einstellen – was Scheich Tamin bin Hamad al Thani, der Emir von Katar, bis heute kategorisch ablehnt.

Krisenresistent dank Milliardenreserven

Niemals werde man sich dem Diktat der Nachbarstaaten unterwerfen, betont der erst 33 Jahre alte Herrscher, der zum tiefen Verdruss des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman auch weiterhin seinen eignen Weg geht. Die Mittel dafür sind reichlich vorhanden. Das kleine Katar besitzt die drittgrössten Erdgasreserven. Die finanziellen Rücklagen des WM-Ausrichters von 2022 beliefen sich im Juli letzten Jahres auf gewaltige 340 Milliarden US-Dollar.

Der komfortable Puffer garantiert den 2,7 Millionen Einwohnern des Emirates auch in Krisenzeiten ein sorgenfreies Leben – was ein Besuch in einem der vielen „Lulu“-Supermärkte von Doha eindrücklich veranschaulicht: Sämtliche Regale sind prall gefüllt. Für die Versorgung mit frischem Obst und Gemüse sorgt inzwischen der Iran, der „Qatar Airways“ auch seinen Luftraum zur Verfügung gestellt hat. Milchprodukte und Fleisch, das früher aus Saudi-Arabien kam, liefert die Türkei. Mit mehr als 2000 Soldaten stärkt das Land am Bosporus dem Emir von Katar auch militärisch den Rücken. Was Ankara und Doha ideologisch verbindet, ist die Unterstützung der Muslimbruderschaft, die von den Regenten in Abu Dhabi, Riad und Kairo als Terrororganisation eingestuft wird.

USA in der Zwickmühle

Für die USA ist die sogenannte Katar-Krise mittlerweile ein Ärgernis erster Güte. Im Streit um das Emirat hatte sich US-Präsident Donald Trump zunächst auf die Seite von Saudi-Arabien und seiner Verbündeten geschlagen, bis ihm seine Berater erklärten, dass sich ausgerechnet in Katar der grösste amerikanische Militärstützpunkt im Mittleren Osten befindet. Die US-Diplomatie versuchte daraufhin zwischen den verfeindeten Parteien zu vermitteln, scheiterte jedoch an der Halsstarrigkeit des saudischen Kronprinzen bin Salman, den Washington nicht brüskieren wollte.

Nach der Verhängung von noch härteren Sanktionen gegen den Iran drängt in Washington nun offenbar die Zeit: In der dritten Maiwoche forderte die US-Regierung die Mitglieder des Golfkooperationsrates (GCC), dem neben Saudi-Arabien, auch Katar, die Vereinigten Emirate, Kuwait, Bahrain und der Oman angehören, auf, ihrer Konfrontationsstrategie gegenüber dem Iran zu folgen.

Gespaltene Golfstaaten

Wichtigste Voraussetzung dafür wäre eine Aufhebung der saudischen Blockade gegen Katar, das zum wirtschaftlichen Überleben auf den Iran angewiesen ist. Nicht nur die meisten Flugzeuge, sondern auch Schiffe müssen auf dem Weg nach Doha durch iranisches Hoheitsgebiet. Mit der Islamischen Republik teilt Katar auch das grösste Gasfeld der Welt.

Auch der Oman, Kuwait und Dubai unterhalten gute politische und wirtschaftliche Beziehungen zum Iran. Diese Staaten lehnen es ebenfalls ab, sich dem Diktat der Saudis zu beugen. Die „Katar-Krise“ war und ist für sie eine willkommene Gelegenheit, auf Distanz zu Riad und Abu Dhabi zu gehen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.