Wahl in Grossbritannien
Das waren die fünf grössten Fehler von Theresa May

Ähnlich wie ihr Vorgänger David Cameron beim Brexit-Referendum hat sich auch Theresa May gründlich verzockt. Statt sich mit den vorgezogenen Parlamentswahlen wie geplant eine noch stabilere Mehrheit für die Verhandlungen über den EU-Austritt zu sichern, verlor sie nun die absolute Mehrheit. Hier ihre fünf grössten Fehler.

Merken
Drucken
Teilen
Theresa May verkündet am 18. April Neuwahlen für den 8. Juni. Das war wohl ein Fehler.

Theresa May verkündet am 18. April Neuwahlen für den 8. Juni. Das war wohl ein Fehler.

Alastair Grant

Der "Brenda-Faktor"

Obwohl sie Neuwahlen zuvor strikt ausgeschlossen hatte und noch drei Jahre mit absoluter Mehrheit hätte regieren können, setzte May - getragen von einem Umfragehoch - Mitte April vorgezogene Neuwahlen an. Ihre Gegner brandmarkten sie prompt als "Umfallerin".

Nach der Parlamentswahl 2015 und dem Brexit-Referendum 2016 ein dritter Wahlgang binnen zwei Jahren - das war auch vielen Briten einfach zuviel. In sozialen Medien machte ein BBC-Video mit einer Frau namens Brenda die Runde: "Nicht noch eine Wahl! Um Himmels Willen! Ich kann das nicht mehr ertragen!", sagte sie in Bristol.

Theresa May kündigt Neuwahlen an
6 Bilder
Als Grund nannte sie die bevorstehenden schwierigen Verhandlungen über einen Austritt Grossbritanniens aus der Europäischen Union.
Die Briten hätten nun die einmalige Chance, noch vor dem Verhandlungspoker neu zu wählen.
Sagts...
...und geht dann zurück in ihre offizielle Residenz an der Downing Street 10.
Ende März unterzeichnete May die Brexit-Erklärung.

Theresa May kündigt Neuwahlen an

Alastair Grant

Die "Demenz-Steuer"

Bei der Vorstellung des Wahlprogramms der Tories sorgte Mays Plan für Empörung, ältere Menschen massgeblich für die Kosten ihrer Pflege aufkommen zu lassen. Selbst in der konservativen Presse stiess die als "Demenz-Steuer" angeprangerte Abgabe auf Ablehnung, schliesslich sollten Betroffene sogar ihr Haus verkaufen müssen. May zog den Plan, an dem sie selbst Tory-Minister offenbar nicht beteiligt hatte, wieder zurück.

KEYSTONE/PHOTOPRESS/OBS/DEMENZ ZÜRICH

Anschläge in London und Manchester

Nach drei Anschlägen mit 34 Toten und dutzenden Verletzten binnen weniger Wochen setzte May auf ihr Image als harte "Law and Order"-Politikerin. Doch der ehemaligen Innenministerin fielen die drastischen Stellenkürzungen bei der Polizei auf die Füsse, für die sie zwischen 2010 und 2016 verantwortlich war.

Als besonders herzlos wurde eine ihrer Äusserungen nach dem Anschlag von Manchester gewertet, bei dem vor allem Kinder und Jugendliche starben. Auf die Frage eines Polizisten, warum sie die Streichungen vorgenommen habe, entgegnete sie im Fernsehen, sie habe dafür sorgen müssen, dass Grossbritannien "nicht über seine Verhältnisse lebt".

Nach dem schweren Anschlag in Manchester rief Premierministerin Theresa May die höchste Terrorwarnstufe aus.
24 Bilder
Die achtjährige Saffie Rose Roussos ist eine der Todesopfer.
Ein Selbstmordanschlag hat am Montagabend die Stadt Manchester erschüttert.
Polizisten patrouillieren in Manchester.
Ein Spezialist des Bombenentschärfungskommandos beim Arndale-Einkaufszentrum. Das Kaufhaus wurde evakuiert, die Polizei teilte aber nicht mit, ob ein Zusammenhang zum Anschlag besteht.
Ein Bild aus dem Innern der Manchester Arena. Der Attentäter sprengte sich im Foyer in die Luft.
Tief erschütterte Fans in Manchester.
Die britische Polizei hat die Gegend rund um die Manchester Arena abgesperrt.
Mit Spürhunden suchen die Sicherheitskräfte nach Spuren.
Die Explosion geht gemäss Polizei auf das Konto eines Selbstmordattentäters.
Polizeichef Ian Hopkins hat bestätigt, dass der Attentäter unter den Toten ist.
Forensiker an der Arbeit.
Forensiker an der Arbeit.
Die Polizei betreut Konzertbesucher.
Zahlreiche Ambulanzen fuhren vor der Manchester Arena vor.
Die Polizei sicherte die Gegend um den Tatort ab.
Betroffene nach der Explosion.
In ersten Meldungen war die Rede von 19 Toten und 50 Verletzten.
Die Britische Premierministerin Theresa May hat den Vorfall früh als "Terrorattacke" bezeichnet.
US-Sängerin Ariana Grande (23) tourt derzeit durch Grossbritannien. (Archiv)
Sie zeigte sich auf Twitter tief bestürzt über den Vorfall an ihrem Konzert. (Archiv)
Bilder vom Tatort.
Bilder vom Tatort.
Bilder vom Tatort.

Nach dem schweren Anschlag in Manchester rief Premierministerin Theresa May die höchste Terrorwarnstufe aus.

AP

Kein Fernsehduell im Wahlkampf

May verweigerte ein direktes TV-Duell mit ihrem Herausforderer Jeremy Corbyn von der Labour-Partei. Zur Begründung sagte sie, es gebe schon genug "Gezänk" im Wahlkampf. So stellte sie sich einer Befragung durch Zuschauer und Journalisten, erst danach kam auch Corbyn an die Reihe, der ihr prompt Feigheit vorwarf. In einer weiteren Fernsehrunde mit mehreren Politikern liess sie sich von Innenministerin Amber Rudd vertreten.

Labour-Chef Jeremy Corbyn bei einem Auftritt in einem TV-Studio.

Labour-Chef Jeremy Corbyn bei einem Auftritt in einem TV-Studio.

KEYSTONE/AP Pool PA/STEFAN ROUSSEAU

Der "Maybot"

Ihre gebetsmühlenartigen Wiederholungen, nur sie könne erfolgreich den Brexit verhandeln, gingen vielen Briten auf die Nerven. Ihr Wahlkampf-Mantra "Starke und stabile Führung" spulte sie immer wieder robotergleich ab - was ihr den Spitznamen "Maybot" einbrachte.

Direkte Begegnungen mit Bürgern mied die ohnehin kühl wirkende Politikerin weitgehend. Kam es doch dazu, wirkte die Pfarrerstochter aus Südengland steif und spröde - ganz im Gegensatz zu dem 68-jährigen Corbyn, der sich locker gab und den Austausch mit den Wählern genoss.

Theresa May tritt am Freitagnachmittag vor die Medien und erklärt, dass sie eine Regierung bilden wolle.
22 Bilder
May bei ihrer kurzen öffentlichen Erklärung, nachdem die Queen ihr den Auftrag zur Regierungsbildung gegeben hat. Rechts von ihr Ehemann Philip May.
Um 11 Uhr wollte Theresa May eine öffentliche Stellungnahme abgeben. Diese ist auf den Nachmittag verschoben worden. Die Medien vor dem Haus der Premierministerin an der 10 Downing Street müssen sich also gedulden.
Hoch gepokert und verloren: Premierministerin May verlässt am Morgen nach der Wahl das Hauptquartier der Tories in London - ihre Partei hat bei den vorgezogenen Vorwahlen die Mehrheit im Unterhaus verloren.
Theresa May hat mit ihren Torys die absolute Mehrheit verloren.
May will offenbar eine Minderheitsregierung mit Duldung der nordirischen DUP (Democratic Unionist Party) bilden. Im Bild Arlene Foster, Regierungschefin der nordirischen Regionalregierung und DUP-Vorsitzende.
May will die Queen um Erlaubnis für die Regierungsbildung bitten.
Fühlt sich im Hoch: Jeremy Corby, Herausforderer von May und Chef der Labour-Partei.
Jeremy Corby: Seine Partei will eine Minderheitsregierung bilden, heisst es am Freitagmorgen.
Nicola Sturgeon Die schottische Regierungschefin sieht die Schottische Nationalpartei (SNP) trotz heftiger Verluste als Siegerin der Parlamentswahl in Grossbritannien.
Sturgeon strebt ein zweites Referendum über Schottlands Unabhängigkeit an. Sie begründet dies mit dem EU-Austritt Grossbritanniens, den eine Mehrheit der Schotten abgelehnt hat.
10 Downing Strett am Freitagmorgen - hier wohnt die Premierministerin Theresa May.
Medienschaffende vor der 10 Downing Street am Freitagmorgen. Sie warten auf ein Statement von Premierministerin Theresa May.
Kurioser Kandidat: "Lord Buckethead" in Maidenhaed neben Premierministerin Theresa May.
Noch ein kurioser Kandidat: "Elmo" kämpft für Väterrechte, hier an einer Wahlstation.
Tim Farron von den "Liberal Democrats". Die kleine Partei holte bei den letzten Wahlen 13 Sitze und wird zulegen.
So macht man das also - Auszählung in Corbyns Wahlkreis im Norden Londons
Jeremy Corbyn, der Herausforderer von Theresa May, hat gut lachen. Am Donnerstagabend zeigte er sich schon optimistisch.
Theresa May und ihr Mann Philipp haben ihre Stimme in Maidenhead westlich von London abgegeben.
May nach der Stimmabgabe. Im Hintergrund winkt TV-Charakter Elmo.
Die Polizei überwacht ein Wahllokal in Sonning in der Nähe von Reading.
Labour-Chef Jeremy Corbyn hat derweil in London gewählt.

Theresa May tritt am Freitagnachmittag vor die Medien und erklärt, dass sie eine Regierung bilden wolle.

EPA