DEN HAAG: Ex-Serbenführer Karadzic bekommt 40 Jahre für Völkermord in Srebrenica

Das UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag hat den früheren bosnischen Serbenführer Radovan Karadzic zu 40 Jahren Haft verurteilt. Es befand ihn des Völkermordes von Srebrenica für schuldig. Es gab damals 8000 Tote.

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Radovan Karadzic am Donnerstag im Gerichtssaal in Den Haag (NL). (Bild: EPA)

Radovan Karadzic am Donnerstag im Gerichtssaal in Den Haag (NL). (Bild: EPA)

Auch in neun weiteren von insgesamt elf Anklagepunkten sprachen ihn die UNO-Richter am Donnerstag schuldig – unter anderem wegen Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Es wird damit gerechnet, dass der 70-Jährige in Berufung geht.
 
Unter Karadzics Oberbefehl stürmten serbische Truppen 1995 die UNO-SchutzzonGefängnis verurteilt wordene im bosnischen Srebrenica und ermordeten 8000 muslimische Jungen und Männer. Das Massaker von Srebrenica gilt als schlimmstes Kriegsverbrechen in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Insgesamt wurden 100'000 Menschen im Bosnienkrieg von 1992 bis 1995 getötet.
 
Karadzic wurde erst 2008 nach 13 Jahren auf der Flucht festgenommen.

Noch scheint Radovan Karadzic seinen eigenen Worten zu glauben: «Ich rechne mit einem Freispruch.» (Bild: AP Photo / Robin van Lonkhuijsen)
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Doch es kommt anders: Der ehemalige Anführer der bosnischen Serben hört zu, während das Urteil des Internationalen Kriegsverbrechertribunals verkündet wird.
Vor dem Gericht in Den Haag verleihen Aktivisten der Forderung nach einer Verurteilung Nachdruck: Sie zeigen Bilder von Opfern des Krieges. (Bild: EPA/KOEN VAN WEEL)
Die Gedenkstätte bei Srebrenica erinnert an das Massaker, das bosnisch-serbische Truppen im Krieg verübt haben: 8000 bonsische Männer wurden getötet. (Bild: AP Photo/Amel Emric)
Text (Bild: luzernerzeitung.ch)
Dieses Foto vom 20. März zeigt einen Forensiker in einer Halle, in der die menschlichen Überreste von mehr als 4500 Personen eingelagert sind, die noch nicht identifiziert werden konnten. (Bild: AP Photo / Amel Emric)
Ein Bild aus den Tagen des Schreckens: Am 14. Juli 1995 verbringen Frauen und Kinder in der bosnischen Enklave die Nacht im Freien. Ihre Männer haben die serbischen Soldaten von ihnen getrennt. (Bild: AP Photo / Darko Bandic)
Nach dem Krieg – hier ein Foto aus dem Jahr 1996, werden im Laufe der Untersuchungen des Internationalen Gerichtshofs für Kriegsverbrechen immer neue MAssengräber entdeckt. (Bild: AP Photo / Staton R. Winter)
Die persönlichen Gegenstände eines Kriegsopfers, das man bis heute nicht identifizieren konnte. (Bild: AP Photo / Amel Emric)
Sonntag, 20. MNärz: Die Bosnierin Habiba Masc vor den Bildern von Opfern des MAssakers von Srebrenica im Sommer 1995. Sie verlor damals ihren Mann Sadija und ihren Sohn Sadmir. (Bild: AP Photo / Amel Emric)
Auch der Mitstreiter von Radovan Karadzic, der damalige bosnisch-serbische General Ratko Mladic (links) steht unter Anklage von dem Kriegsverbrecher-Tribunal. (Bild: EPA)
Dieses Foto zeigt Radovan Karadzic im November 1995 während eines Interviews. (Bild: AP Photo/Sava Radovanovic)
13 Jahre lang tauchte Radovan Karadzic unter. Er lebte unbehelligt in einem Belgrader Vorort. Das Bild zeigt ihn bei einem TV-Auftritt als Teilnehmer einer Konferenz, die von einem Gesundheitsmagazin gesponsert wurde. (Bild: AP Photo/Kikinda Television via APTN)
In einer Bar in Belgrad zieren zwei Gemälde von Radovan Karadzic die Wand. (Bild: AP Photo / Andrej Cukic)

Noch scheint Radovan Karadzic seinen eigenen Worten zu glauben: «Ich rechne mit einem Freispruch.» (Bild: AP Photo / Robin van Lonkhuijsen)

Serbenführer Karadzic ist sich keiner Schuld bewusst


Belgrad (sda dpa) Trotz 100'000 Toten, noch viel mehr Vertriebenen und den schlimmsten Verbrechen seit dem Zweiten Weltkrieg in Europa ist sich der bosnische Serbenführer im Bürgerkrieg (1992-1995), Radovan Karadzic, keiner Schuld bewusst.
 
«Radovan bereut nichts», sagte dessen Nachfolgerin an der Spitze des serbischen Teilstaates, Biljana Plavsic, am Donnerstag der grössten serbischen Zeitung «Blic».
 
Der Schaffung eines grossserbischen Staates auf dem Gebiet des früheren Jugoslawien hat der heute 70-Jährige alles untergeordnet. Und so sind für ihn die Kriegsgräuel zu akzeptierende «Kollateralschäden» geblieben.
 
Auch heute sieht Karadzic die Serben als von Gott erwähltes «himmlisches Volk», das den muslimischen Bosniaken zivilisatorisch überlegen ist.
 
Nach der serbischen Niederlage musste er 1996 auf Druck der USA abtreten. Seiner späteren Festnahme entging er zwölf Jahre lang mit Hilfe des serbischen Geheimdienstes durch seine Metamorphose zum Wunderheiler Dr. Dabic.
 
Der von heimischen Psychologen als Narzist beschriebene mutmassliche Kriegsverbrecher lebte mit schlohweissem Rauschbart und mächtigem Haarknoten unbehelligt öffentlich in Belgrad. Vor dem UNO-Tribunal in Belgrad hat er sich selbst verteidigt.

sda

Unter der falschen Identität als Dragan Dabic lebte Raqdovan Karadzic bis zu seiner Verhaftung am 21. Juli 2008  jahrelang unbehelligt in einem Belgrader Vorort. Das Bild zeigt ihn bei einem TV-Auftritt als Teilnehmer einer Konferenz, die von einem Gesundheitsmagazin gesponsert wurde. (Bild: Keystone / Kikinda Television via APTN)

Unter der falschen Identität als Dragan Dabic lebte Raqdovan Karadzic bis zu seiner Verhaftung am 21. Juli 2008 jahrelang unbehelligt in einem Belgrader Vorort. Das Bild zeigt ihn bei einem TV-Auftritt als Teilnehmer einer Konferenz, die von einem Gesundheitsmagazin gesponsert wurde. (Bild: Keystone / Kikinda Television via APTN)

Der damalige bosnische Serbenführer Radovan Karadzic (rechts) und Serbengeneral Ratko Mladic bei einem Treffen in Pale am 5. August 1993. (Bild: Keystone / STRINGER (EPA))

Der damalige bosnische Serbenführer Radovan Karadzic (rechts) und Serbengeneral Ratko Mladic bei einem Treffen in Pale am 5. August 1993. (Bild: Keystone / STRINGER (EPA))