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Den Vorsprung nicht verspielen

Ostschweizer Unternehmen brennt die digitale Transformation unter den Nägeln. Das zeigt die Auftragsliste der Wissenstransferstelle (WTT) der Fachhochschule St. Gallen.
Stefan Borkert

Die WTT ist mit ihren Praxisprojektaufträgen ein Pulsmesser der Ostschweizer Wirtschaft. Ihr Auftragsbuch verrät, was Unternehmen bewegt: Bei 200 Analysen, Marktforschungen und Konzepten dreht sich inzwischen ein Drittel darum, die Digitalisierung voranzutreiben. Gerade in einer Grenzregion will man den Vorsprung gegenüber dem nahen Ausland nicht verlieren.

Seit zwanzig Jahren setzen Studierende angeleitet von Dozierenden Praxisprojekte und Bachelorarbeiten um. Rund 200 Projekte sind allein aktuell in der Umsetzung. Die Studierenden schwärmen aus, um ihr Knowhow in regionale Firmen und Organisationen hinauszutragen. Sie analysieren, betreiben Marktforschungen und entwickeln Konzepte. Digitalisierung ist im Alltag der Ostschweizer Unternehmen angekommen: «Da bewegt sich viel. Der Bedarf an Digitalisierungsprojekten nimmt enorm zu», sagt der Leiter der WTT-FHS, Peter Müller. Ein Drittel aller diesjährigen Projekte fördere explizit die Digitalisierung der Ostschweizer Unternehmen. 2017 war es gerademal noch ein Fünftel. Die WTT rechnet künftig mit weiterer Zunahme: «Das Thema wird sich in heute teils noch ungeahnte Sphären entwickeln», ist sich Müller sicher.

Neue Geschäftsmodelle und effiziente Prozesse

Bei den meisten WTT-Aufträgen im Bereich Digitalisierung geht es darum, neue Geschäftsmodelle, Produkte oder Dienstleistungen zu entwickeln , wie beispielsweise digitale Finanzdienstleistungen. An zweiter Stelle folgen Marketing-Innovationen in Sozialen Medien oder für Webshops. Ebenfalls stark gefragt sind Projekte, bei denen es um effizientere Prozesse geht.

Leica Geosystems gilt seit bald 100 Jahren als Innovationsfabrik im Rheintal. «Wir investieren jetzt stark in durchgängige automatisierte Geschäftsmodelle und -prozesse, um nachhaltigen Mehrwert für unsere Kunden zu schaffen», sagt Thomas Harring, Mitglied der Geschäftsleitung bei Leica Geosystems in Heerbrugg. Dafür sei die Zusammenarbeit mit FHS-Studierenden inspirierend.

«Die Digitalisierung bietet für die Zukunft riesige Chancen, aber auch grosse Herausforderungen», doppelt Stefan Müller, Geschäftsführer der S. Müller Holzbau AG in Wil nach. Er wolle die Prozesse in der Planung und Produktion noch effizienter gestalten, um so Qualität zu noch besseren Preisen anzubieten. «Gerade in den Grenzregionen sind wir gefordert, dass das Geschäft nicht ins nahe Ausland abfliesst. Die schlafen nicht.» Gleichzeitig mahnt er: «Fehlentscheide gehen ins Geld.» Man müsse aufpassen. Derzeit werde in Sachen Digitalisierung allerlei angeboten. Müller will von den Studierenden wissen, wie er sein Geschäftsmodell der Zukunft anpassen kann, wo investieren, wie die Leute ausbilden, wie Prozesse effizienter gestalten.

Lösungen anbieten

Darum geht es auch Auftraggeberin Claudia Ruckstuhl von der Bodan AG Druckerei und Verlag in Kreuzlingen: «In der grafischen Industrie macht sich die Digitalisierung schon länger bemerkbar. Inhalte werden einmal aufbereitet und dann über mehrere Kommunikationskanäle ausgegeben. Ob gedruckt oder digital, Druckereien müssen hier Lösungen anbieten.» Für KMU sei es aber nicht einfach, die entscheidenden Entwicklungen abzuschätzen, weshalb man Studierende in Projekte einbinde.

Im internationalen Vergleich stünden die Ostschweizer Unternehmen bezüglich Digitalisierung ganz gut da, sagt Müller von der WTT. Allerdings sei die Akzeptanz digitaler Dienste in China und den USA «um Längen fortgeschrittener».

85 Prozent digitale Saurier


Bezüglich digitaler Reife ist bei den Schweizer KMU noch viel Luft nach oben. Das zeigt eine aktuelle Studie der HWZ Hochschule für Wirtschaft Zürich (HZW). Gemäss der Studie «Digital Switzerland 2018» weisen 85 Prozent der KMU (Vorjahr 87 Prozent) nach wie vor den Reifegrad eines «Digitalen Dinosauriers» auf. Als Digitale Dinosaurier wurden Unternehmen eingestuft, die angaben, dass weder ihr Kundenerlebnis noch ihre operationalen Prozesse digitalisiert sind. Nur gerade 25 Prozent haben demnach eine digitale Strategie für das gesamte Unternehmen. 63 Prozent haben wenigstens für Teile der Firma eine digitale Strategie.

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