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Der Aufstand der Zimmermädchen auf den Balearen

Passiert nicht noch ein Wunder, müssen Gäste auf Ibiza und Formentera am Wochenende selber sauber machen.
Ralph Schulze, Madrid
Ein Zimmermädchen wechselt die Bettwäsche. (Symbolbild: Keystone/Christian Beutler)

Ein Zimmermädchen wechselt die Bettwäsche. (Symbolbild: Keystone/Christian Beutler)

Das Bett nicht gemacht, der Boden staubig, das Bad dreckig: Tausende Feriengäste werden am Wochenende auf den Mittelmeerinseln Ibiza und Formentera ihre Zimmer selbst herrichten müssen. Die 8000 Zimmermädchen in den Hotels fühlen sich von den Hoteliers nämlich schlecht behandelt und rufen mitten in der Hochsaison zum Streik auf. Auf Mallorca und spanischen Festland soll es Protestdemos geben.

Geringe Löhne, harte Akkordarbeit, unbezahlte Überstunden, keine freien Tage, mangelhafte soziale Absicherung, Diskriminierung – die Liste der Klagen ist lang. So lang, dass inzwischen sogar ein dokumentarischer Kinofilm über das Leiden der spanischen Zimmermädchen entstanden ist. Titel: «Hotel Ausbeutung».

«Wir halten den Tourismus, den wichtigsten Motor der nationalen Wirtschaft, in Gang», klagt darin die Reinigungskraft eines Hotels. Doch die Zimmermädchen würden mancherorts wie Sklavinnen behandelt. Etliche Hoteliers bekamen in den letzten Monaten bereits die Wut der Zimmermädchen, die in Wirklichkeit gestandene Frauen sind, zu spüren. Mit Transparenten postierten sich die Putzfrauen, die sich unter dem Namen «Las Kellys» organisiert haben, vor Hotels und verlangten «würdige Arbeitsbedingungen».

Dazu gehöre, dass die Arbeitsbelastung verringert werde, sagt Milagros Carreño. Die 54-Jährige arbeitet seit 30 Jahren als Zimmermädchen und ist Sprecherin der «Kellys» auf Ibiza. «Normalerweise müssen wir 21 oder 22 Zimmer am Tag säubern, aber manche Kolleginnen müssen bis zu 30 Zimmer herrichten.» Carreños Fazit: «Das ist unmenschlich.» Die Folge dieser beschwerlichen Arbeit und Hetzjagd von Zimmer zu Zimmer seien chronische Gesundheitsschäden. Viele Frauen würden die Arbeit nur mit Pillen durchstehen. Laut einer Umfrage der Gewerkschaften schlucken 70 Prozent der Zimmermädchen Tabletten. Deswegen fordern die «Kellys» die Anerkennung ihrer Gesundheitsschäden als Berufskrankheiten.

Der Aufstand lenkt den Blick damit auf die Schattenseiten des spanischen Tourismusbooms. Das nationale Fremdenverkehrsamt meldet zwar jährlich neue Besucher- und Einnahmerekorde. Doch die 200 000 Zimmermädchen, die in ganz Spanien dafür sorgen, dass sich Hotelgäste wohlfühlen, profitieren nicht davon.

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