Der Generalsekretär gibt sich die Ehre

Für UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon dürfte der heutige Auftritt vor den eidgenössischen Räten in Bern zu den angenehmsten seiner bisher fünfeinhalbjährigen Amtszeit zählen.

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Das Bundesamt für Kultur hat die «Liste der lebendigen Traditionen in der Schweiz» veröffentlicht, die im Sinn des Unesco-Weltkulturerbes auf kulturelle Praktiken aufmerksam machen soll. (Bild: Coralie Wenger)

Das Bundesamt für Kultur hat die «Liste der lebendigen Traditionen in der Schweiz» veröffentlicht, die im Sinn des Unesco-Weltkulturerbes auf kulturelle Praktiken aufmerksam machen soll. (Bild: Coralie Wenger)

Der Generalsekretär gibt sich die Ehre

Für UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon dürfte der heutige Auftritt vor den eidgenössischen Räten in Bern zu den angenehmsten seiner bisher fünfeinhalbjährigen Amtszeit zählen. In freundlicher Atmosphäre das Jubiläum (10 Jahre seit dem Beitritt der Schweiz) eines Landes zur UNO zu feiern, ist bestimmt schöner als das zumeist vergebliche Bemühen, blutige Konflikte in Syrien und anderswo zu beenden. Oder als Präsident um Geld und Blauhelmsoldaten zu betteln und hierfür durch die Hauptstädte der 194 Mitgliedstaaten der Vereinten Nationen zu reisen.

Ein leiser Technokrat

Der 68jährige Südkoreaner ist mit derartiger Aktivität bisher noch weniger erfolgreich gewesen als seine Vorgänger Kofi Annan und Boutros-Boutros Ghali. Allerdings ist das Scheitern von Generalsekretären in den seltensten Fällen eine Frage persönlichen Unvermögens, sondern fast immer das Ergebnis eines mangelnden politischen Willens oder von Interessengegensätzen unter den Mitgliedstaaten. Das gilt insbesondere für die fünf Vetomächte im Sicherheitsrat, USA, China, Russland, Frankreich und Grossbritannien. Die Lähmung im Fall Syrien macht dies derzeit wieder besonders deutlich.

Ban Ki Moon, der seit 40 Jahren verheiratet und Vater eines Sohnes und zweier Töchter ist, wird als ein zurückhaltender, leiser Technokrat der Diplomatie bezeichnet. Die Fähigkeit, Kontroversen zu vermeiden, bezeichnen Diplomaten in der New Yorker UNO-Zentrale als die hervorstechende Eigenschaft des Südkoreaners. Seine Wahl zum Generalsekretär durch den Sicherheitsrat im Herbst 2006 war nicht zuletzt das Resultat einer Absprache zwischen den zwei Weltmächten USA und China. Im Vorfeld der Wahl warfen Washington und Peking gemeinsam alle anderen profilierteren Kandidaten – vor allem jene aus Indien – durch ihr Veto aus dem Rennen.

In seiner ersten Amtszeit bis Ende 2011 hielt sich Ban Ki Moon an die Erwartungen und vermied alle Konflikte mit seinen beiden «Sponsoren». In einem Zeitungsinterview distanzierte er sich sogar von der Kritik seines Vorgängers Annan am völkerrechtwidrigen Krieg der USA gegen Irak im Jahr 2003. Und zu Menschenrechtsverletzungen in China oder in anderen asiatischen Ländern, die von Peking unterstützt werden, äusserte sich der Südkoreaner nicht.

Erst seit seiner Wiederwahl für eine zweite Amtszeit bis Ende 2016 lässt der UNO-Generalsekretär Zeichen der Emanzipation erkennen. Mit seiner kürzlichen Reise zum Gipfel der Blockfreien in Teheran widerstand Ban Ki Moon massivem Druck der Obama-Regierung. Ban und seine Berater sind überzeugt, dass die Strategie Washingtons zur Isolation Irans falsch ist und kontraproduktiv für die Bemühungen um die Lösung der unterschiedlichen Konflikte im Nahen und Mittleren Osten.

Wünsche an die Schweiz

Seine Wünsche an das UNO-Mitglied Schweiz wird Ban Ki Moon heute in Bern zumindest im nichtöffentlichen Gespräch mit Mitgliedern des Bundesrates äussern. Unter anderem benötigt die UNO dringend mehr Geld zur Überlebenshilfe für die syrischen Flüchtlinge. Und auch mit Blick auf die Entwicklungszusammenarbeit hofft der Generalsekretär, dass die Schweiz ihre Zuwendungen an die UNO nicht kürzt, sondern erhöht.

Andreas Zumach