Der Glaubenskrieger

Drucken
Teilen

Islam-Kritiker Er will den Koran verbieten, die Moscheen schliessen und das Kopftuch aus der Öffentlichkeit verbannen – Geert Wilders ist mit Abstand der umstrittenste Politiker der Niederlande. Ende letzten Jahres wegen «Aufstachelung zum Rassenhass» verurteilt, weil er in einer Wahlkampfrede pauschal gegen Marokkaner wetterte. Kritiker werfen dem 53-Jährigen vor, ebenso radikal zu sein wie die Islamisten, die er zu bekämpfen vorgibt. Doch wie wurde Geert Wilders zum Islamhasser Geert Wilders?

Ein Blick in seine Biografie liefert wichtige Anhaltspunkte. Geboren wurde Wilders 1963 in der südniederländischen, traditionell katholischen Provinz Limburg nahe der deutschen Grenze. Er hat mütterlicherseits indonesische Wurzeln. Einige Beobachter mutmassen deshalb über einen möglichen Identitätskonflikt, der sich am sichtbarsten in der Blondfärbung seiner eigentlich dunklen Haare verdeutlicht. Nach der Schule reiste Wilders als junger Erwachsener durch den Nahen Osten und arbeitete ungefähr ein Jahr lang in einer israelischen Siedlung im Jordanland. Dieser Aufenthalt hat ihn geprägt und seine politischen Ansichten nachhaltig beeinflusst. Wilders beschreibt sich noch heute als «verliebt in Israel». Zwischen 1985 und 1990 hatte er eine Stelle bei der Kontrollinstanz der niederländischen Kranken- und Sozialversicherung inne. Laut eigenen Angaben hat er in dieser Zeit Missstände und Filz im niederländischen Sozialwesen entdeckt und deshalb beschlossen, in die Politik zu gehen.

1989 trat Wilders der liberal-konservativen Volkspartei für Freiheit und Demokratie (VVD) bei. Im Jahr 1998 schaffte er den Sprung und wurde als VVD-Abgeordneter ins niederländische Parlament gewählt. In der Anfangsphase seines Mandates profilierte sich Wilders noch als starker Verfechter des Neoliberalismus und Kämpfer gegen überbordende Bürokratie. Mit der Zeit entdeckte er jedoch den Islam als sein eigent­liches Themengebiet. Der Anschlag auf das World Trade Center 2001 und der Mord am niederländischen Rechtspopulisten Pim Fortuyn 2002 stärkte Wilders in seinem antiislamischen Kurs.

Wilders muss rund um die Uhr bewacht werden

Er bezeichnete den Islam wiederholt als «faschistoide Ideologie», den Propheten Mohammed als «Kinderschänder» und setzt den Koran mit Hitlers «Mein Kampf» gleich. 2004 kommt es aufgrund seiner radikalen Positionen zum Bruch mit der VVD, und Wilders tritt aus der Partei aus. Wenig später wird der niederländische Filmemacher Theo Van Gogh 2004 von einem Islamisten auf offener Strasse erstochen. Bei den Ermittlungen findet sich auch ein Drohbrief gegen Wilders. Seitdem wird er rund um die Uhr bewacht.

Kürzlich beschrieb der neun Jahre ältere Paul Wilders gegenüber dem «Spiegel», wie sich das Leben seines Bruders Geert verändert hat: «Geerts Welt ist sehr klein geworden: das Parlament, öffentliche Veranstaltungen und die Wohnung – er kann kaum woanders hin­gehen.» Er sei «sozial isoliert» und entfremde sich vom normalen Alltagsleben. Das tue keinem Menschen gut. Paul Wilders glaubt ausserdem, dass sein Bruder in einer Falle steckt: «Selbst wenn er die Wahlen verliert, muss er weitermachen. Was soll er sonst tun? Es gibt keinen Weg zurück. Ich habe Mitleid mit ihm.» (rhb)