Trump-Interview

Der Graben zwischen Trump und seinen Ministern

Das Trump-Interview sorgt auch in den USA für Schlagzeilen. Auch, weil der Republikaner auf Distanz zu seinem Kabinett geht.

Renzo Ruf, Washington
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Das Interview der «Bild»-Zeitung und der «Times» mit dem designierten US-Präsidenten Donald Trump macht sowohl in Europa als auch in Amerika Furore.

Das Interview der «Bild»-Zeitung und der «Times» mit dem designierten US-Präsidenten Donald Trump macht sowohl in Europa als auch in Amerika Furore.

Keystone

Gleich doppelt überrascht zeigte sich Kai Diekmann, bis Ende des Monats noch Herausgeber der deutschen «Bild»-Zeitung, nach seinem Gespräch mit dem künftigen amerikanischen Präsidenten Donald Trump. Zum einen sei das Büro des künftigen Staatschefs im Trump-Tower «bescheiden», «sehr überschaubar» und «unglaublich überfüllt», mit «Sportmemorabilien wie Baseball-Helmen». Zum andern sei Trump «gut vorbereitet» auf das Gespräch gewesen, das er am Freitag gewährte, wie der «Bild»-Herausgeber der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» anvertraute. Beim Interview war auch Michael Gove zugegen, ein ehemaliger britischer Minister und Kolumnist der «Times» in London.

Wäre Diekmann allerdings ebenfalls «gut vorbereitet» gewesen, dann hätte er zwei Dinge festgestellt. Erstens handelte es sich bei den meisten dieser Helme um Kopfbedeckungen, die im American Football zum Einsatz kommen. Und zweitens liess Trump derart viele Fragen offen, dass es doch erstaunlich ist, dass die beiden Journalisten nie um eine Präzisierung baten.

Die Sicht des Pentagon-Chefs...

Am augenfälligsten war dies, als Trump auf Europa und die Nato zu sprechen kam. Er fühle sich Europa «sehr stark verbunden», sagte er, und Amerika werde weiterhin die Sicherheit des Kontinents garantieren. Der Republikaner sagte aber auch einmal mehr, dass die westliche Militärallianz «obsolet» sei, weil die Nato mit der modernen Terror-Bekämpfung überfordert sei und die Mehrheit der Mitglieder ihrer Beitragspflicht nicht nachkomme. Ganz anders klang es, als am Donnerstag der künftige Verteidigungsminister James Mattis dem Militärausschuss des Senats Rede und Antwort stand. «Wenn wir die Nato heute nicht bereits hätten, wir müssten sie erfinden», sagte der pensionierte Vier-Sterne-General. Mattis sagte zudem, der russische Präsident Wladimir Putin versuche, die Nato zu zerstören. Er mache sich deshalb keine grossen Hoffnungen, dass es Bereiche geben werde, in denen die USA mit Putin zusammenarbeiten könne, so der zukünftige Pentagon- Chef.

...und des Aussenministers

Ganz anders Trump im Gespräch mit den europäischen Journalisten. Er vertraue Putin «zunächst einmal», so wie er auch der deutschen Kanzlerin Angela Merkel vertraue, sagte Trump. Er deutete zudem an, dass er die Sanktionen gegen Russland abschwächen oder aufheben wolle. «Russland leidet im Moment schwer darunter», sagte Trump. «Aber ich glaube, da könnte manches gehen, vom dem viele Leute profitieren werden.» Rex Tillerson hingegen, sein Kandidat für den Chefposten im Aussenministerium, sagte vorige Woche vor dem Aussenpolitischen Ausschuss des Senats: Unter Putin sei Russland eine Gefahr für die Nachbarländer, und könne nur durch eine «verhältnisgleiche Machtdemonstration» unter Kontrolle gehalten werden. Dazu sagte Trump-Sprecher Sean Spicer: «Letzten Endes» würden sämtliche Mitglieder der Regierung die Politik des Präsidenten umsetzen.

General Motors und der «Chevy»

Offene Widersprüche zwischen Theorie und Praxis waren im Trump-Gespräch mit «Bild» und «Times» auch in der Industriepolitik wahrnehmbar. Einmal mehr wiederholte der künftige US-Präsident seine Drohung, er werde Strafzölle gegen Autofirmen verhängen, die Fahrzeuge für den US-Markt im südlichen Nachbarland Mexiko produzierten – nach Ford, General Motors und Toyota traf diese Drohung nun BMW. Solche Zölle müssten alledings durch das Parlament genehmigt werden, was derzeit unwahrscheinlich scheint.

An Diekmann gewandt sagte Trump, dass der Exportweltmeister Deutschland «sehr unfair» gegenüber Amerika gewesen sei, weil es keine Gegenseitigkeit gebe. «Wie viele Chevrolets sehen Sie in Deutschland? Nicht allzu viele, vielleicht gar keine.» Hier hätte der «Bild»-Herausgeber darauf verweisen können, dass im vergangenen Jahrzehnt in Deutschland gegen 100 000 Autos der Marke Chevrolet zugelassen wurden, wobei wohl die wenigsten in den USA produziert wurden. Auch befindet sich die Opel-Gruppe seit 1929 im Besitz von General Motors, dem Eigentümer von Chevrolet. Der Marktanteil Opels im Jahr 2016: 7,3 Prozent aller neuzugelassenen Fahrzeuge in Deutschland. Ende 2015 stellte General Motors den Vertrieb der Marke Chevrolet in Europa aus Rücksicht auf Opel weitgehend ein.