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Der grüne Star mit dem losen Mundwerk

Grünen-Co-Chef Robert Habeck ist laut einer Umfrage mittlerweile beliebter als Kanzlerin Angela Merkel. Ist das mehr als ein grünes Strohfeuer?
Dominik Weingartner
Habeck scheint alles zu haben, was einen erfolgreichen Politiker ausmacht. (Stefan Puchner/Keystone, Biberach, 6. März 2019)

Habeck scheint alles zu haben, was einen erfolgreichen Politiker ausmacht. (Stefan Puchner/Keystone, Biberach, 6. März 2019)

Robert Habeck ist der grüne Posterboy schlechthin. Gerne inszeniert sich der 49-Jährige als Naturbursche, etwa wenn er sich barfuss im Meer watend in seiner Heimat Schleswig-Holstein von Fotografen ablichten lässt. Gut aussehend, sympathisch und authentisch: Habeck scheint alles zu haben, was einen erfolgreichen Politiker ausmacht.

Jetzt hat Habeck einen weiteren Erfolg erzielt. In einem Beliebtheitsranking der wichtigsten Politiker Deutschlands der Forschungsgruppe Wahlen für das ZDF rangiert der Star der Grünen noch vor Bundeskanzlerin Angela Merkel, welche die Spitzenposition in solchen Umfragen jahrelang für sich in Anspruch nahm. Nun könnte man sagen, dass der Stern der Kanzlerin schon länger am Sinken ist und Habeck davon profitiert. Doch das wäre zu einfach.

Ähnlich wie in der Schweiz, wo die Grünen Parteien in kantonalen Wahlen jüngst grosse Erfolge feiern konnten, sind auch die Grünen in Deutschland seit Monaten im Umfragehoch. «Wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre . . .» lautet eine beliebtes Umfrageformat bei unseren nördlichen Nachbarn. Je nach Meinungsforschungsinstitut erreichen die Grünen in diesen Umfragen zwischen 17 und 20 Prozent. Im Schnitt sind es immer etwa zwei Prozent mehr, als die Befragten den Sozialdemokraten geben würden, die bei der letzten Wahl 2017 doppelt so stark abgeschnitten haben.

Sechs Romane mit seiner Frau geschrieben

Meinungsumfragen sind mit Vorsicht zu geniessen. Die Wahrheit liegt in der Wahlurne. Bei der Landtagswahl in Bayern vom vergangenen Oktober holten die Grünen 17,6 Prozent der Stimmen – ein Plus von 9 Prozent. Im konservativsten Bundesland ist die linke Ökopartei nach der CSU nun zweitstärkste Kraft.

Das hat auch mit dem neuen Spitzenduo aus Annalena Baerbock (38) und Robert Habeck zu tun. Seit Januar 2018 sind die beiden am Ruder. Habeck umgibt die Aura des pragmatischen Machers und authentischen Politikers. Sein Aufstieg war rasant. 2002 trat er den Grünen bei. Bereits zwei Jahre später stieg er zum Landesvorsitzenden in Schleswig-Holstein auf. 2012 schliesslich katapultierte sich Habeck auf die bundesdeutsche politische Landkarte, als er Umweltminister im nördlichsten Bundesland Deutschlands wurde. Habeck selber nannte sich den «Draussenminister». Er führte die Grünen in ein schwierig zu schmiedendes Regierungsbündnis mit CDU und FDP.

Nach der Bundestagswahl 2017 war er Teil der grünen Verhandlungsdelegation, als in Berlin erstmals eine Bundesregierung aus den gleichen Parteien gebildet werden sollte. Der Versuch scheiterte, spätestens seither ist Habeck aber eine feste Grösse in der Bundespolitik. Er gilt als Mann, der auch mit Vertretern von Parteien auf der anderen Seite des politischen Spektrums gut kann. Dass Habeck ein Teamplayer ist, hat er schon vor seiner Zeit als Politiker bewiesen. Gemeinsam mit seiner Frau schrieb er unter anderem sechs Romane, die zum Teil verfilmt worden sind.

Habecks offenkundigste Schwäche hat mit seiner Authentizität zu tun. Oder mit seinem losen Mundwerk. In einem Video auf Social Media sagte er gemünzt auf die Wahl in Thüringen, man müsse alles tun, damit Thüringen «ein offenes, freies, liberales, demokratisches Land wird». Der Shitstorm war Habeck daraufhin gewiss, immerhin ist Thüringen seit 1990 eine Demokratie. Der grüne Politiker zog Konsequenzen – und sich vollständig aus den sozialen Medien zurück.

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