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Der Hauptfeind der Republik

Besuch Das eiserne Tor öffnet sich lautlos: Willkommen im Park von Montretout, einer der teuersten und bestgesicherten Nobelresidenzen ausserhalb von Paris. Ganz hinten, im Schutz alter Bäume, prangt eine imposante Villa. Nochmals ein Knopfdruck und nach langem Warten öffnet eine Frau ein weiteres Gittertor. «Der Präsident kommt gleich», sagt sie und geleitet ins Arbeitszimmer von Jean-Marie Le Pen, das einen spektakulären Blick über Paris bietet. Dann erscheint «le Président», der eigentlich nichts mehr präsidiert. Gealtert, aber gut gelaunt, mit scharfem Intellekt, beantwortet der 89-Jährige einen halben Nachmittag lang die Fragen. Von dem Gespräch bleibt der Eindruck einer Obsession haften: Fast jede Antwort mündet in einen Exkurs über den demografisch bedingten Untergang Europas.

Der Raum ist voller Jeanne d’Arc-Statuen und Familienfotos: Einmal Le Pen mit Gattin Jany, dann Le Pen mit seinen drei Töchtern Marie-Caroline, Yann und Marine. Vom geliebten Vaterland, das mit Orden sonst nicht geizt, findet sich keine einzige Auszeichnung. Dabei ist Le Pen bis heute eine der bestimmenden Figuren der französischen Nachkriegspolitik. Aber er ist eben auch der Hauptfeind der Republik. 1928 in der Bretagne geboren, Offizier im Algerienkrieg, wurde er erstmals 1956 Abgeordneter. Durch die Erbschaft eines Anhängers reich geworden, gründete er 1972 den Front National. Fünfmal nahm er an Präsidentschaftswahlen teil; 2002 unterlag er erst in der Stichwahl gegen Jacques Chirac. 2015 wurde er von der eigenen Tochter Marine Le Pen aus der Partei geworfen.

Jetzt veröffentlicht er den ersten Band seiner Memoiren. Diese sind ein Medienereignis, noch bevor sie erschienen sind. Le Pen verteidigt dort den Kollaborateur Philippe Pétain und den brutalen Algerienkrieg, kritisiert de Gaulle. Auf seine Tochter Marine Le Pen will er erst im zweiten, für 2019 geplanten Band eingehen. (brä.)

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