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Der Iran denkt nicht ans Nachgeben

Nach der Brandrede des amerikanischen Aussenministers Pompeo müssen sich die Iraner auf noch härtere Zeiten einstellen. Eine Kapitulation vor den USA kommt selbst für regimekritische Bürger nicht in Frage.
Feindbild Amerika - in Teherans Strassen macht ein Wandbild deutlich, was man von der Weltmacht hält. (Bild: Abedin Taherkenareh; 16. Mai 2018)

Feindbild Amerika - in Teherans Strassen macht ein Wandbild deutlich, was man von der Weltmacht hält. (Bild: Abedin Taherkenareh; 16. Mai 2018)

«Unser Aussenminister erwartet nichts anders als die Kapitulation des Irans», brachte der Kolumnist der «New York Times» die Brandrede von Mike Pompeo auf den Punkt. Der Hardliner im amerikanischen US State Departement, heisst es in dem Blatt weiter, wisse sehr genau, dass Teheran über die Erfüllung seines Zwölf-Punkte-Planes nicht einmal nachdenken werde.

In Wirklichkeit gehe es den Amerikanern auch nicht um ein Ende des iranischen Militärengagements in Syrien, Jemen und dem Irak oder um die Aufgabe des ballistischen Raketenprogramms. Ziel der USA sei der «Regimewechsel im Iran», analysiert ein europäischer Diplomat in der iranischen Hauptstadt die Grundsatzrede Pompeos.

Seit 40 Jahren keine echten Verbündeten

Für die Europäer werde es nun noch schwerer werden, den Atom-Deal zu verteidigen, befürchtet die iranische Tageszeitung «Khayhan». Auch wenn Staatspräsident Hassan Rohani jetzt von den Europäern Standhaftigkeit fordere, werde Europa am Ende «einknicken» und ins Boot der Amerikaner einsteigen. Die Ansicht des Hardliner-Organs teilen die meisten Iraner. Anhänger und Gegner des Regimes wissen, dass die Islamische Republik seit ihrer Gründung vor fast 40 Jahren niemals Freunde, geschweige denn echte Verbündete hatte. Das Land war und ist auf sich allein gestellt.

«Bereits ein Jahr nach der Revolution wurden wir von Saddam Hussein überfallen», erinnert Bahram, der in einem Nobelviertel der nordiranischen Stadt Täbris ein gut gehendes Restaurant führt. Der achtjährige Krieg habe den Iran erst richtig zusammengeschweisst. Dass am Ende Saddam Hussein gestürzt wurde, habe man einer «Mischung aus iranischer Standhaftigkeit und amerikanischer Dummheit zu verdanken», freut sich der Unternehmer, für den eine «Kapitulation oder Unterwerfung» trotz aller Schwierigkeiten nicht in Frage kommt. «Die Amerikaner machen einen gravierenden Fehler, wenn sie davon ausgehen, dass die vielen Regimegegner in unserem Land auch den Wechsel wollen», versucht Karim, ein junger Kardiologe, die Denkweise seiner Landsleute zu erklären. Trotz weit verbreiteter Unzufriedenheit gebe es im Iran «sehr viel Bewahrenswertes». «Iranischer Stolz und Nationalismus» dürfen nicht unterschätzt werden. «Und wirkliche Zukunftsperspektiven», fügt der Mediziner traurig lächelnd hinzu, «böten die USA nun wirklich nicht.»

Alle ihre militärischen Interventionen in der Region hätten «verheerende Folgen» gehabt, für die man nicht den Iran verantwortlich machen könne. Die Islamische Republik sei nicht die Partei, die agiere, sondern reagiere, weil man dazu gezwungen werde, beschreiben iranische Militäranalytiker die Regionalpolitik Teherans. Hätte man nicht in Syrien interveniert, würde das Land heute von Al Kaida oder dem Islamischen Staat beherrscht werden.

Nicht alle Experten teilen diese Ansicht. Fest steht jedoch, dass bei einem Sturz des Assad-Regimes dasjenige in Teheran der grosse Verlierer gewesen wäre. Der Iran hätte dann nicht nur seinen Einfluss in Syrien, sondern – mit einiger Verzögerung – vermutlich auch jenen im überwiegend schiitischen Libanon und im Irak verloren.

Neuordnung nach US-Vorstellung undenkbar

Eine solche Neuordnung des Mittleren Ostens sei für die islamische Republik undenkbar, schreibt Mohammed Ali Saki in der «Tehran Times». Die Vereinigten Staaten, Israel und Saudi-Arabien müssten sich im Klaren darüber sein, dass «Ruhe und Sicherheit» in der Region möglich sei, wenn alle Staaten davon profitierten. «Sollten die Iraner nicht in Frieden leben können», warnt der stellvertretende Chefredakteur der rechtskonservativen Tageszeitung unmissverständlich, «dann werden auch jene Staaten nicht in Frieden leben, die jetzt dabei sind, das Brennholz für ihre feindseligen Aktionen zu sammeln.»

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