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Der IS kompensiert Niederlagen mit Anschlägen in Europa

Michael Wrase

Terrororganisation Der Verlust ihrer Hochburg Mossul Anfang Juli hat den Niedergang des «Islamischen Staates» (IS) massiv beschleunigt. Auch Rakka steht vor dem Fall. In der ehemaligen Hauptstadt des auseinander gebrochenen «Kalifats» wurden 2000 Kämpfer der Terrormiliz von Milizionären der kurdisch-dominierten «Syrisch-Demokratischen Kräfte» umzingelt. Und westlich und südlich von Rakka ist die Assad-Armee dabei, ein riesiges, ölreiches Wüstengebiet, das bislang vom IS gehalten wurde, mit russischer Luftunterstützung systematisch zu zerstückeln.

Vor allem in Syrien sind die Verluste der Terrormiliz gewaltig. Um nicht vollständig vernichtet zu werden, zieht sich der IS oft kampflos zurück. Zur Stärkung der schwindenden «Widerstandskraft» wurde in dem den Terroristen verbliebenen Kernland die Wehrpflicht eingeführt. Tausende von Jugendlichen flohen daraufhin in die Kurdengebiete oder Regionen, welche von Damaskus kontrolliert werden. Niemand sei bereit, als IS-Kanonenfutter an die Front geschickt zu werden, sagen Betroffene.

Es ist zu befürchten, dass sich dieser Trend noch verstärken wird

Die siegesgewohnte Terrormiliz befindet sich in einer für sie verheerenden Abwärtsspirale, die in absehbarer Zeit kaum gestoppt werden kann. Es fehlen die so blutig inszenierten Offensiv- und Abwehrerfolge, mit denen der IS sich früher brüstete und neue Aktivisten mobilisieren konnte. Wie andere dschihadistische Gruppierungen war daher auch der IS dazu übergegangen, mit Terroranschlägen in Europa und anderswo die vielen Niederlagen im Nahen Osten zu kompensieren. Es ist zu befürchten, dass sich dieser Trend noch verstärken wird. Um Aufmerksamkeit zu finden, müssen die Extremisten ihre Gewalt steigern – was mit vergleichsweise «einfachen Mitteln» nun in Europa demonstriert wird. Was in Wirklichkeit nichts anderes als ein Zeichen der Schwäche ist, inszeniert die Terrormiliz dann – wie in Barcelona – als eine «Demonstration der Stärke».

Gerade einmal drei Wochen ist es her, seitdem Interpol eine Liste mit den Namen von 173 IS-Kämpfern verschickt hatte. Erklärtes Ziel der Terroristen sei es, Rache für die internationalen Militäreinsätze im Irak und in Syrien zu nehmen, an denen neben den USA auch Australien, Belgien, Grossbritannien, Italien oder Deutschland direkt beteiligt sind. Spanien hat – wie fast alle demokratischen Staaten der Welt – seine Unterstützung im Kampf gegen den IS betont. 180 «dschihadistische Terroristen» konnten nach Angaben des Madrider Innenministeriums in Spanien seit 2015 festgenommen werden. Die meisten kamen aus Nordafrika. Die Dschihadisten hätten sich unter die «regulären» Flüchtlinge mischen können, deren Zahl sich seit Jahresbeginn auf 9000 verdreifacht hat. Auch die Propagandaabteilung des IShat offenbar erkannt, dass sie auf der iberischen Halbinsel neue Anhänger mobilisieren und zu «einsamen Wolf-Attacken» anstacheln kann. IS-Webseiten wurden nun auch ins Spanische übersetzt. Der Begriff «einsamer Wolf» ist aber irreführend: Auch vermeintliche Einzeltäter sind auf ein Netzwerk von Helfershelfern angewiesen.

Michael Wrase

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