Ruf aus Amerika
Der italienische Freund

Als Ausländer wird man in Amerika immer wieder gefragt, was man vom politischen System halte. Einer zeigte sich – im Gegensatz zu den meisten alteingesessenen Amerikanern – begeistert über den Präsidentschaftswahlkampf.

Renzo Ruf, Washington
Renzo Ruf, Washington
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Getty Images/iStockphoto

Als Ausländer werde ich in Amerika immer wieder gefragt, was ich denn eigentlich vom politischen System im Allgemeinen und vom Präsidentschaftswahlkampf im Speziellen halte – von Freunden, Bekannten, Nachbarn, aber auch von unbekannten Menschen, mit denen ich ins Plaudern gerate. Weil ich niemanden vor den Kopf stossen will, habe ich mir über die Jahre hinweg eine diplomatische Antwort zurechtgelegt.

Ich sage jeweils, dass ich als Journalist davon profitiere, wenn amerikanische Politiker mit harten Bandagen kämpften. Als Schweizer aber, der mit einem komplett anderen System aufgewachsen ist, seien mir einige Aspekte immer noch fremd. Zum Beispiel der Umstand, dass wenig über politische Positionen, dafür umso mehr über persönliche Attacken diskutiert wird. Ausserdem liegt ständig die Drohung mit Gerichtsklagen in der Luft.

Dies führt dann jeweils zur Gegenfrage, wie denn die Schweiz organisiert sei. Und dies wiederum löst ein Hin und Her über das Panaschieren bei den Nationalratswahlen, die Machtposition des Bundespräsidenten und andere Spezialitäten der Eidgenossenschaft aus. So weit, so bekannt.

Kürzlich sprach ich mit einem Freund, der vor fünf Jahren in die USA eingewandert ist und nun in Florida lebt. Er zeigte sich – im Gegensatz zu den meisten alteingesessenen Amerikanern – begeistert über den Präsidentschaftswahlkampf, über den harten Schlagabtausch und die aggressiven Wahlwerbespots. Er finde es amüsant, dass in Amerika so richtig die Fetzen fliegen, sagte er, und Donald Trump die politische Szene aufmische. Denn das erinnere ihn an seine Heimat.

Habe ich erwähnt, dass mein Freund aus Italien stammt?

renzo.ruf@azmedien.ch