Der kranke Mann im Weissen Haus: Wie steht es um Donald Trumps Gesundheit?

Präsident Trump ist zurück in seinem Amtssitz. Sein Leibarzt sagt, es gehe ihm «extrem gut». Ob das der Wahrheit entspricht, ist ungewiss.

Renzo Ruf aus Washington
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Nichts wie weg damit: Wieder zurück im Weissen Haus, entledigt sich US-Präsident Donald Trump seiner Gesichtsmaske.

Nichts wie weg damit: Wieder zurück im Weissen Haus, entledigt sich US-Präsident Donald Trump seiner Gesichtsmaske.

Bild: Win Mcnamee / Getty Images North America

Zumindest auf Twitter erweckte Donald Trump am Dienstag den Eindruck, er sei vollends genesen. Im Stundentakt verbreitete der amerikanische Präsident Stellungnahmen, in denen er den politischen Gegner beleidigte, ein härteres Vorgehen gegen Internet-Unternehmen anmahnte oder ankündigte, an der kommenden Fernsehdebatte am 15. Oktober teilnehmen zu wollen.

Trump behauptete auch: «Ich fühle mich grossartig.» Allein: Niemand weiss mit letzter Sicherheit, ob diese Selbstdiagnose der Wahrheit entspricht, oder ob der Präsident einmal mehr versucht, sich ins beste Licht zu stellen. Als Trump am Montag nach drei Tagen aus dem Walter Reed National Military Medical Center ins Weisse Haus zurückkehrte, sah er jedenfalls nicht wie ein kerngesunder Mann aus.

Der Präsident schnappt nach Luft

Nachdem er im Weissen Haus den Helikopter «Marine One» verlassen hatte und eine Treppenflucht auf der Südseite seines Wohn- und Arbeitsortes hochgestiegen war, schnappte er auf dem «Truman Balcony» sichtbar nach Atem. Und, vielleicht noch wichtiger: Dabei verzog er leicht das (geschminkte) Gesicht, als bereite ihm das Atemholen Schmerzen. Dies war für Freund und Feind sichtbar, weil der Präsident seine Gesichtsmaske abgestreift hatte, obwohl sich mehrere Menschen in seiner Nähe befanden.

Sein Leibarzt allerdings behauptete am Dienstag, Trump sei auf dem Weg zur Besserung. In einer schriftlichen Stellungnahme sagte Sean Conley, ein Offizier der Marine: Trump gehe es «extrem gut». Der Präsident habe keine Symptome mehr.

Trumps Leibarzt hat ein Glaubwürdigkeitsproblem

Conley sagte auch, dass die Vitalfunktionen des Präsidenten stabil seien. Die Sauerstoffsättigung seines Blutes habe sich bei 95 bis 97 Prozent eingependelt. Dabei handelt es sich um einen Idealwert für einen 74-Jährigen. Über den Zustand der präsidialen Lunge schwieg sich Conley aus. Auch gab er nicht bekannt, ob Trump immer noch mit dem Aufputschmittel Dexamethasone behandelt wird.

Auch so fällt es aber schwer, Conley noch Glauben zu schenken. Der Arzt, Chef der medizinischen Abteilung des Weissen Hauses und damit Trump unterstellt, musste sich seit der Einlieferung des Präsidenten ins Spital mehrmals korrigieren – weil er entweder nicht die volle Wahrheit gesagt hatte, oder weil er negative Nachrichten über den Gesundheitszustand seines Patienten beschönigt hatte. Conley begründete diese Täuschungsversuche mit einer Erklärung, die direkt von Präsident Trump stammen könnte. «Ich wollte keine Informationen geben, die den Krankheitsverlauf in eine andere Richtung hätten steuern können.»

Wir müssen lernen, mit Covid zu leben

Tatsache ist: Die Regierung Trump ist krank. So haben sich nicht nur mehrere enge Beraterinnen und Zuarbeiter des Präsidenten mit dem Coronavirus angesteckt. Am Dienstag wurde auch bekannt, dass die Führungsriege des Pentagon sich in Quarantäne befinde.

Der Präsident wiederum spielte in seinen Twitter-Stellungnahmen die Gefährlichkeit der Pandemie herunter. Er zog – einmal mehr – den Vergleich mit Influenza und behauptete dabei, die Grippe fordere trotz Impfung in Amerika jedes Jahr über 100'000 Tote. So viele Todesopfer forderte die Grippe letztmals in den Sechzigerjahren.

Trump, der von sich sagt, er sei vielleicht nun «immun» gegen das Virus, sagte auch: «Wir müssen lernen, mit Covid zu leben», so wie Amerika auch gelernt habe, mit der Grippe zu leben. An den Folgen der Coronapandemie sind bisher über 210'000 Menschen in Amerika gestorben.