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Europas beliebteste Urlaubsinsel wehrt sich gegen Kreuzfahrttouristen

Mehr als 20 Umweltorganisationen und Bürgerinitiativen wehren sich mit einem Manifest gegen den «Heuschrecken-Tourismus» durch Kreuzfahrtschiffe. Die Regionalregierung denkt über Beschränkungen nach.
Ralph Schulze, Madrid
1,75 Millionen Touristen sollen Palma 2019 allein von Kreuzfahrtschiffen aus besuchen. (Bild: Clara Margais/DPA/Keystone (11. Mai 2019))

1,75 Millionen Touristen sollen Palma 2019 allein von Kreuzfahrtschiffen aus besuchen. (Bild: Clara Margais/DPA/Keystone (11. Mai 2019))

Erst ging es auf Mallorca dem ungezügelten Party- und Sauftourismus an den Kragen. Dann wurden die sich ausbreitenden illegalen Touristenappartements mit harten Sanktionen bekämpft. Nun wehrt man sich auf Europas beliebtester Urlaubsinsel gegen die boomende Kreuzfahrtbranche: Umweltgruppen und Bürgerinitiativen fordern, die Zahl der schwimmenden Urlaubs­hotels, die täglich den Hafen der Inselhauptstadt ansteuern, deutlich zu reduzieren.

Der Grund: Es seien zu viele, und sie würden mit ihren Dieselabgasen die Luft verpesten. «Der Kreuzfahrttourismus, der nach Palma kommt, hat in unserer Stadt auf unerträgliche Weise zugenommen und provoziert eine schwerwiegende Belastung für die Umwelt und das Territorium», heisst es in einem Manifest, das 23 mallorquinische Bürgerinitiativen verabschiedeten. Der Seeverkehr verschmutze die Umwelt sehr viel stärker als der Strassenverkehr, ­erklärte Mallorcas bekannteste Ökogruppe GOB, welche den Protestaufruf mitträgt.

Dieselmotoren verpesten die Luft

Die Bürgerverbände fordern, dass künftig nur noch ein Kreuzfahrtriese mit maximal 4000 Passagieren pro Tag in Palma einlaufen darf. Bisher kommen in der Hochsaison an einem Tag oftmals vier oder fünf dieser grossen Passagierschiffe, die bis zu 6000 Reisende transportieren. Zudem müsse die Touristensteuer für die Kreuzschifffahrer von bisher zwei auf fünf Euro erhöht werden. Auch die Abgasbelastung durch die Schiffsgiganten, die im Hafen für die Stromerzeugung ihre mächtigen Dieselmotoren laufen lassen, solle stärker kontrolliert werden.

Bei der Regionalregierung der Baleareninseln, zu denen Mallorca, Ibiza, Menorca und Formentera gehören, stossen die Demonstranten auf Verständnis. Die von den Sozialisten geführte Mitte-links-Regierung will versuchen, den Konflikt nicht durch Hafenverbote, sondern durch eine bessere Koordinierung der Traumschiffe zu entschärfen. Der Kreuzfahrttourismus sei wichtig für die Balearischen Inseln, sagt der Chef der Hafenverwaltung, Xavier Ramis. Das Kreuzfahrtterminal wird derzeit sogar erweitert, um noch grösseren Schiffen das Anlegen zu erleichtern. «Aber wir müssen die Überfüllung vermeiden», erkennt auch der Hafendirektor. Etwa indem die Anlegezeiten besser aufeinander abgestimmt und auch andere mallorquinische Häfen angesteuert werden.

Palma mit seiner historischen Altstadt gehört zusammen mit Barcelona, Venedig und Dubrovnik zu den beliebtesten Kreuzfahrtzielen im Mittelmeer. Der Touristenandrang vor der Kathedrale und in den umliegenden Gassen sei manchmal so gross, dass sich die Bewohner dort wie in einem Vergnügungspark fühlten, heisst es im Protestmanifest. Bewohner vergleichen das massive Auftauchen der Besucher in ihrem Viertel mit einem «Tsunami, der durch die Altstadt schwappt».

Im kroatischen Dubrovnik haben die Behörden bereits aus ähnlichen Gründen die Notbremse gezogen. Seit 2019 dürfen dort nur noch zwei Kreuzfahrtschiffe pro Tag festmachen. Auch in Venedig und Barcelona werden die Rufe nach einer Regulierung des boomenden Kreuzfahrttourismus immer lauter.

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