Analyse

Der Krisenmanager: Wie Sebastian Kurz Österreich durch die Notlage steuert

In der Corona-Krise wird eine angebliche Schwäche des Kanzlers plötzlich immer wertvoller: Seine Kommunikation nach aussen. In dieser Woche kommt es zur Bewährungsprobe für seine strikte Strategie.

Stefan Schocher aus Wien
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Österreichs Kanzler Sebastian Kurz führt Österreich mit harter Hand durch die Corona-Krise.

Österreichs Kanzler Sebastian Kurz führt Österreich mit harter Hand durch die Corona-Krise.

Ronald Zak / AP

Zuletzt hat Österreich weltweit für eher unschöne Schlagzeilen gesorgt - das Stichwort lautet "Ibiza-Affäre" um den ehemaligen Vizekanzler Heinz-Christian Strache. Doch in der Corona-Krise sind nun Pragmatiker am Werk, die in erster Linie an Lösungen arbeiten.

Besonders  Regierungschef Sebastian Kurz sticht dabei heraus. Was Kritiker dem Kanzler immer wieder vorgeworfen haben, erweist sich jetzt als sehr nützlich: Kurz ist ein blendender Kommunikator. Sein Apparat ist geschult in der Kommunikation nach Aussen. Mit den Grünen hat seine ÖVP zudem einen Koalitionspartner, der ganz offensichtlich an pragmatischen Lösungen und nicht an reisserischem Aktionismus interessiert ist.

Kurz schafft sich seine Bühnen

Und so geben Sebastian Kurz, Vizekanzler Werner Kogler und auch Gesundheits- und Sozialminister Rudolf Anschober ein geschlossenes Bild ab. Mit Kritik am jeweils anderen halten sie sich zurück.

Dabei gibt es durchaus Reibereien. So gab es eine Reihe an Pressekonferenzen, die das grüne Gesundheitsministerium geplant haben soll, die dann aber von den Kurz-Mannen quasi übernommen und letztlich zu Bühnen für den Kanzler gemacht wurden. Kritik aus dem Inneren des grünen Parteiapparats kommt durchaus auch am Umstand, dass ein Krisenszenario wie dieses überhaupt erst notwendig wurde. Zu lange habe man auf Druck der ÖVP und derer Verbündeter in der Wirtschaft zugewartet aus Angst vor wirtschaftlichen Einbussen, zu viel im Gesundheitsbereich gespart in den vergangenen Jahren.

Streitfall Tirol

Ganz offen scharfe Kritik – aber nicht aus der Politik sondern seitens Experten – gibt es auch an der Handhabe in Tirol, einem der am stärksten betroffenen Gebiete in Österreich. Dort gab es vor allem in der ersten Phase der Krise anscheinend Chaos und folgenschwere Schlampereien. So quartierten sich Touristen, die zur Abreise aus einem schwer betroffenen Tal gedrängt wurden, danach in der Landeshauptstadt Innsbruck ein, um auf ihre Flüge nach Hause zu warten.

All das spaltet aber nicht die Regierung. Gegenüber der Öffentlichkeit zeigt diese ein durchwegs geschlossenes Bild. Und eines, das zwar den Ernst der Lage vermittelt, aber zugleich Panik zu vermeiden versucht. Vor allem aber kommunizieren auch die Neulinge auf der Regierungsbank Professionalität. Vor allem Anschober – immer ruhig, immer gelassen, aber auch klar und eindringlich in seinen Worten und strukturiert agierend.

Hallen werden zu Lazaretten umgebaut

Die Nachrichten der Regierung nach Außen sind jedenfalls akkordiert, in der Wortwahl abgeglichen. Die Botschaft: Bleibt zu Hause, vermeidet nicht unbedingt nötige Sozialkontakte. Das, während hinter den Kulissen Fachkräfte diverser medizinischer Berufe (zum Beispiel Physiotherapeuten) für mögliche Pflegedienste rekrutiert werden – auf freiwilliger Basis -, und Massnahmen für den Katastrophenfall vorbereitet werden. So werden Grosshallen zu Lazaretten umfunktioniert, Reservisten einberufen, Sanitäter rekrutiert.

Was die Kommunikation der Bekämpfung der Langzeitfolgen der Krise angeht, herrscht ebenfalls Einigkeit: Steuerstundungen soll es geben, eine Stundung der Sozialabgaben und zugleich Hilfen für Unternehmer, um die derzeitigen Ausfälle zu kompensieren. Die Polizei soll durch Soldaten der Armee unterstützt werden. Unter einem FPÖ-Innenminister Kickl hätte das wohl berechtigte Sorgen hervorgerufen.

Bewährungsprobe für Kurz' Krisenmanagement

Ob das Krisenmanagement der Regierung in Wien letztlich greift, wird die kommende Woche zeigen, wie Kanzler Kurz am Montag in einem Interview mit dem ORF-Radio sagte. Seinen Worten nach ist diese Woche entscheidend für die Eindämmung der Krise.

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