Jean-François Copé
Der Mann, der Napoleon sein wollte

Der neue UMP-Chef ist überzeugt, dass sich die Partei nicht spalten wird. Zu clever gibt sich der agile Parteichef, der Populismus und Sittsamkeit zu vereinen weiss.

Stefan Brändle, Paris
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Mal populistisch, mal gesittet: Jean-François Copé nach seiner Wahl zum UMP-Chef.Yoan Valat/Epa

Mal populistisch, mal gesittet: Jean-François Copé nach seiner Wahl zum UMP-Chef.Yoan Valat/Epa

Sein Händedruck ist herzhaft, sein Blick aber schon beim nächsten potenziellen Anhänger, den er begrüssen will. Jean-François Copé scheint dauernd im Wahlkampf zu sein. In der Nacht auf Dienstag beendete er seinen längsten und härtesten Feldzug siegreich: Copé wird neuer Vorsitzender der Union für eine Volksbewegung (UMP) und damit virtueller bürgerlicher Anwärter auf das Amt des Jean-François Copé Staatspräsidenten.

Copés aus Algerien stammende Mutter Monique erzählt gerne, ihr Sohn habe schon als Zehnjähriger Napoleon-Uniformen angezogen. Im Frühjahr verglich sich der Bürgermeister der Provinzstadt Meaux selbst mit Bonaparte: Auf dem Pariser Concorde-Platz bezeichnete er seine Anhänger in einer Rede als ebenso mutig wie Napoleons Soldaten in der Schlacht von Austerlitz.

Er war nicht der Favorit

Als «Bonapartist» wurde Copé in Paris auch am Sonntagabend bezeichnet, allerdings im kritischen Sinn: Der einstige Absolvent der Eliteschule ENA erklärte sich zum Sieger, noch bevor die Wahlkommission auch nur die Resultate aus allen Departementen erhalten hatte. Dabei war Copé keineswegs als Favorit ins Rennen gegangen: Sein bedächtiger, politisch gemässigter Gegenspieler François Fillon galt als bedeutend populärer. Aber der 48-jährige Copé legte einen fulminanten Wahlkampf hin, dem der zehn Jahre ältere Fillon nur mit Mühe folgte.

Ein Meister im Storytelling

Der gewiefte Schnellredner Copé ist ein Meister im Storytelling. Seit neustem erzählt er die Geschichte vom Schokoladenbrot: Einem Jungen aus der Pariser Banlieue hätten Schulkollegen das «pain au chocolat» mit dem Argument entrissen, jetzt sei Ramadan – da esse man tagsüber nichts. Als ganz Frankreich über den Fall debattierte, legte Copé noch einen drauf und meinte, viele Franzosen würden in den Vorstädten zu Opfern eines «Rassismus gegen die Weissen».

Fillon konterte vergeblich, genau das habe vor ein paar Jahren schon der Rechtsextremist Jean-Marie Le Pen behauptet. Copé winkt ab: Erstens tritt er wie sein Vorbild Nicolas Sarkozy für eine Rechtspolitik «ohne Komplexe und Tabus» ein. Und zweitens glaubt er sich von seiner jüdischen Herkunft her gegen Rassismus aller Art gefeit: Seine aus Rumänien eingewanderten Grosseltern väterlicherseits entgingen 1943 nur knapp der Deportation.

Auch die Spekulationen über einen Parteiaustritt gemässigter UMP-Mitglieder lassen Copé kalt. Der agile Parteichef, in zweiter Ehe mit einer Kinderpsychologin verheiratet, schafft spielend den Spagat, populistische Töne anzuschlagen und sehr gesittet aufzutreten. Gegenüber der Radiostation RTL meinte er nach der Wahlschlacht: «Ich glaube überhaupt nicht an die Gefahr einer Parteispaltung.» Im Gegenteil, die parteiinterne Versöhnung werde «leicht und natürlich» vonstattengehen, meinte er. Wie alles bei Copé.