Der Papst verliert seine Sprecher

Neuer Eklat im Kirchenstaat: An Silvester haben sowohl der Papstsprecher als auch seine Stellvertreterin überraschend den Hut genommen. Die beiden Rücktritte erfolgen zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt.

Dominik Straub, Rom
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Papst Franziskus mit dem zurückgetretenen Sprecher Greg Burke während eines Fluges nach Rom. (Bild: Ettore Ferrari/EPA (31. Oktober 2016))

Papst Franziskus mit dem zurückgetretenen Sprecher Greg Burke während eines Fluges nach Rom. (Bild: Ettore Ferrari/EPA (31. Oktober 2016))

Papstsprecher Greg Burke hat sich mit einem Tweet verabschiedet: «An diesem Punkt des Wandels in der Vatikan-Kommunikation meinen wir, es sei am besten, wenn der Heilige Vater völlig frei ist, ein neues Team zusammenzustellen», schrieb der US-Amerikaner. Und: «Neues Jahr, neue Abenteuer.» Er hätte auch schreiben können: Neues Jahr, neuer Ärger im Vatikan und seiner Kommunikationsabteilung.

Greg Burke und seine spanische Stellvertreterin Paloma García Ovejero leiteten das vatikanische Presseamt seit zweieinhalb Jahren, eine im Vergleich zu ihren Vorgängern sehr kurze Zeit. Burke stand zuvor in den Diensten des konservativen US-Senders Fox News, seine Kollegin García Ovejero kam von einem spanischen Radio nach Rom. Sie war die erste Frau auf diesem wichtigen Posten im Vatikan. Italienische Medien spekulierten, dass die Rücktritte die Folge eines kürzlichen Personalentscheids sein könnten: Papst Franziskus hatte im Dezember den italienischen Journalisten und langjährigen Papstvertrauten Andrea Tornielli zum Chefredaktor aller Medien des Kirchenstaates ernannt. Möglicherweise fühlten sich die beiden Sprecher durch diese Ernennung zurückgesetzt.

Rücktrittsserie begann im vergangenen Mai

Die Medienabteilung des Vatikans ist seit Monaten eine grosse Reformbaustelle und der Doppelrücktritt der Papstsprecher nicht der erste Paukenschlag, der im Zuge dieses Umbaus erfolgte. Im vergangenen Mai musste der Chef des im Rahmen der Kurienreform neu geschaffenen Mediendikasteriums zurücktreten: Der Priester Dario Vigano stolperte über die Manipulation eines Briefes von Papst Benedikt XVI. Die gefälschte Fassung legte nahe, dass sich der emeritierte Papst negativ zu einer Buchserie seines Nachfolgers äusserte, was aber nicht der Fall war. Hinter der Manipulation wurden erzkonservative Kritiker von Franziskus vermutet, die gegen den Kurs des argentinischen Papstes seit langem eine Verleumdungskampagne führen. Auf Vigano folgte im September ein neuer Präfekt des Mediendikasteriums, der frühere RAI-Journalist und Nichtpriester Paolo Ruffini.

Fest steht, dass die Rücktritte Burkes und García Ovejeros zu einem äusserst ungünstigen Zeitpunkt erfolgen: Ende Februar beginnt im Vatikan das mit Spannung erwartete Bischofstreffen zum Thema Missbrauch. Wegen den seit Jahren nicht abreissenden Skandalen pädophiler Priester steht die Kirche unter grossem öffentlichem Druck; vom Verlauf dieses Sondergipfels und nicht zuletzt von der Kommunikation durch den Heiligen Stuhl wird abhängen, ob die Kirche und Papst Franziskus bei diesem Thema einen Teil ihrer Glaubwürdigkeit zurückgewinnen können. «Die Arbeit des Gipfels muss auf höchstem professionellem Niveau kommuniziert werden, sonst kann er bereits jetzt als gescheitert gelten», schreibt die deutsche Abteilung von «Vatican News». Das Vertrauen in die Kirche sei auch so schon «aufs Schwerste erschüttert».

Neuer Pressesprecher war bislang beim Radio Vatikan

Die Aufgabe, die Medien der ganzen Welt über das heikle Bischofstreffen zu orientieren, wird nun dem Italiener Alessandro Gisotti zufallen, den der Papst zum Interimschef des Pressesaals des Heiligen Stuhls ernannt hat. Der 44-jährige Gisotti leitete bisher die Social Media der vatikanischen Kommunikation und hatte zuvor lange bei Radio Vatikan gearbeitet. Der studierte Politikwissenschafter sprach von einer «besonders anspruchsvollen Aufgabe», die auf ihn warte.

Missbrauch, Kurienreform, Verhältnis zum Islam – Der Vatikan 2019

An Bewegung wird es Papst Franziskus 2019 nicht mangeln. In den drei ersten Monaten stehen gleich Reisen nach Mittelamerika, in arabische Länder und nach Nordafrika auf dem Programm. Aber auch zu Hause im Vatikan braucht der 82-Jährige keine Langeweile fürchten. Der weltweite Missbrauchsskandal und eine Debatte über kirchliche Ämter stehen auf der Agenda.