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Zwiebelkrise am Bosporus

Die wirtschaftliche Talfahrt schlägt sich in hohen Lebensmittelpreisen nieder. Die Zwiebel – bei Staatschef Erdogans Landsleuten äusserst beliebt – wird zu einem Luxusgut, das sich längst nicht mehr alle leisten können.
Gerd Höhler, Athen
Zwiebeln sind fester Bestandteil der türkischen Küche. (Bild: PD)

Zwiebeln sind fester Bestandteil der türkischen Küche. (Bild: PD)

Ohne Zwiebeln geht gar nichts in der türkischen Küche. Viele verzehren sie mit Tomaten, Ei und Paprika schon zum Frühstück – Menemen heisst die in der Pfanne zubereitete Eierspeise. Auch aus den meisten Mezze, den Salaten und Hauptgerichten, sind sie nicht wegzudenken. Aber jetzt treiben die Zwiebeln den türkischen Hausfrauen besonders viele Tränen in die Augen. Und das nicht erst beim Schälen in der Küche, sondern schon beim Einkauf auf dem Markt. Schuld sind die verhältnismässig enormen Beträge, die man inzwischen für das Lauchgewächs bezahlen muss.

Seit Jahresbeginn haben sich die Zwiebelpreise in der Türkei rund vervierfacht. Allein im November sei der Zwiebelpreis um 45,55 Prozent gestiegen, meldete zuletzt die Istanbuler Handelskammer. «Ich kann mir ­keine Zwiebeln mehr leisten, also müssen wir uns ihren Geschmack ab jetzt vorzustellen versuchen», zitierte die Zeitung «Cumhuriyet» eine Marktbesucherin. Die früher für alle erschwingliche Knolle wird auf einmal zum Luxusartikel.

Teuerungsrate von rund 22 Prozent

Generell ist die Inflation in der Türkei ein Politikum. Die jährliche Teuerungsrate liegt bei knapp 22 Prozent. Mit gesenkten Verbrauchssteuern und «freiwilligen» Preisnachlässen, zu denen die Regierung viele Hersteller mehr oder minder sanft überredet, versucht Staatschef Recep Tayyip Erdogan den Preisauftrieb zu bremsen. Im kommenden März finden in der Türkei Kommunalwahlen statt. Da kann der sich immer autoritärer agierende Präsident Negativschlagzeilen über die Geldentwertung nicht gebrauchen. Nichts verstimmt die Wähler so wie steigende Lebensmittelpreise.

Erdogan fährt deshalb in der Zwiebelkrise schweres Geschütz auf: Er hat Razzien angeordnet, um Spekulanten und Preistreibern das Handwerk zu legen. In einem Lagerhaus bei Istanbul entdeckte die türkische Armee 1300 Tonnen Zwiebeln, die ein Grosshändler offenbar in der Hoffnung auf weiter steigende Preise zurückhielt. Fast täglich berichtet das Fernsehen über solche Hausdurchsuchungen. «Spekulanten werden einen hohen Preis bezahlen», warnt Präsident Erdogan. Für jene, die Lebensmittel horten, werde es «keine Gnade geben».

Die Grosshändler rechtfertigen die gestiegenen Preise mit einer Missernte, steigenden Energie- und Transportkosten. Das allein erklärt die immensen Preissteigerungen jedoch nicht. Ein gewichtiger Grund dürften auch Fehlplanungen in der Agrarpolitik sein. So verringerten sich die Anbauflächen für Zwiebeln in den vergangenen fünf Jahren um ein Fünftel. Derweil versucht die Regierung, die grösste Zwiebel-Not zu lindern. In früheren Wintern verteilten die Behörden Kohle an Bedürftige, damit die ihre Wohnungen heizen konnten. Jetzt geben viele Bürgermeister kostenlos Zwiebeln an notleidende Familien ab.

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