Der Ramadan beginnt - die leidvolle Zeit der Entbehrung

Der heute beginnende Ramadan ist für die meisten Muslime eine Zeit der inneren Einkehr und Besinnung. In der Fastenzeit muss aber auch mit neuem islamistischem Terror gerechnet werden.

Michael Wrase
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Ein iranischer Schiit betet während des Ramadans auf dem Friedhof Behesht-Zahra. Bild: Abedin Taherkenareh/EPA (Teheran, 6. Juni 2018)

Ein iranischer Schiit betet während des Ramadans auf dem Friedhof Behesht-Zahra. Bild: Abedin Taherkenareh/EPA (Teheran, 6. Juni 2018)

Der heute beginnende Fasten­monat Ramadan ist für die meisten Muslime der wichtigste und gleichzeitig schönste Monat im Jahr. Der Verzicht auf Essen, Trinken, Rauchen und Sex vom Sonnenaufgang bis zum Untergang dient der inneren Einkehr und spirituellen Besinnung.

Mit dem Ramadan, predigen moderate Geistliche im Libanon, beginne eine Zeit der Erholung und Reinigung des Körpers und der Seele. Die heilige Fastenzeit, in der dem Propheten Mohammed die ersten Verse des Korans herabgesandt wurden, bedeute zudem Barmherzigkeit und Freude sowie die Möglichkeit, um Vergebung für die eigenen Sünden zu bitten.

Krieg ist während des Ramadans nicht verboten

Es ist nicht immer leicht, die von den Muslimen als heilig verstandene Pflicht des Fastens zu erfüllen. In weiten Teilen der islamischen Welt herrschen schon jetzt Temperaturen von weit über 30 Grad. In Syrien und Libyen geht der Bürgerkrieg weiter. Aus dem Jemen wird eine erneute Ausbreitung der Cholera gemeldet. Mehr als die Hälfte der 27 Millionen Einwohner sind auf internationale Überlebenshilfe angewiesen, welche das bitter­arme Land nur spärlich erreicht. Die leidvolle Zeit der Entbehrung, ohne die für den Ramadan so berühmten reich gedeckten Tafeln nach dem Fastenbrechen, geht daher im Jemen auch nach dem Untergang der Sonne weiter.

Im islamischen Kalender gibt es vier Monate, in denen Krieg ausdrücklich verboten ist. Der Ramadan gehört nicht dazu. Während der Fastenzeit soll der Prophet Mohammed eine seiner wichtigsten Schlachten, die von al Badr gegen die «heidnischen Einwohner von Mekka», geführt haben. Überlieferungen aus dieser Zeit gehen davon aus, dass der Märtyrertod im Ramadan den Kämpfern im «Heiligen Krieg» die höchsten und besten Plätze im Paradies garantiert.

Die Propagandisten des so­genannten Islamischen Staates und anderer dschihadistischer Terrororganisationen berufen sich gerne auf die Schlacht von al Badr, um ihre Anhängerschaft vor und während des Ramadans gegen ihre Feinde zu mobilisieren. Die grosse Mehrheit der 1,6 Milliarden Muslime empfindet es indes als eine Beleidigung, in der Fastenzeit in einem Atemzug mit den Terrorbanden des IS genannt zu werden.

Es wäre jedoch fatal, die in den sozialen Medien verbreiteten Drohungen und Absichtserklärungen der Dschihadisten als alarmistische Rhetorik oder Angstmacherei abzutun. Experten rechnen nach den entsetzlichen Terror- anschlägen in Sri Lanka am Ostersonntag weltweit mit weiteren Anschlägen, bei denen – wie es in den «Lehrbüchern» des IS heisst – mit «minimalem Einsatz eine maximale Wirkung» erzielt werden soll.

Trotz oder gerade wegen der latenten Terrorgefahr werden in der islamischen Welt vor Beginn des Ramadans auch Zeichen der Versöhnung gesetzt. In den Emiraten am Persischen Golf haben die Herrscher Tausende von Gefangenen begnadigt. Gnadenerlasse werden auch in Saudi-Arabien, dem Irak und Syrien erwartet.

Volkswirtschaftlich eine Katastrophe

In Dubai und Abu Dhabi wurden die täglichen Arbeitszeiten im Ramadan um drei Stunden verkürzt. In Staaten wie Ägypten kommen Beamte während der Fastenzeit oft nur zum Stempeln. Für die Volkswirtschaft der meisten islamischen Länder ist die Fastenzeit eine Katastrophe: Die Produktivität sinkt bis zu 50 Prozent, während die Einfuhr von teilweise subventionierten Lebensmitteln verdoppelt werden muss.