Der Roger Federer der Christbaum-Werfer verrät: «Drei Glühwein, dann bist du bereit»

Es ist Zeit, den Christbaum loszuwerden. Für all jene, denen es zu langweilig ist, den Baum einfach zu entsorgen, gibt es die Weltmeisterschaft im Weihnachtsbaum-Werfen.

Drucken
Teilen
Wettkämpfer mit Sportgerät? Nein, verwendet wurden extra geschlagene Fichten.

Wettkämpfer mit Sportgerät? Nein, verwendet wurden extra geschlagene Fichten.

epa
(watson.ch/ram)

Irgendwann verliert auch der stolzeste Christbaum seine Nadeln und es ist Zeit, sich von ihm zu trennen. Das kann unspektakulär mittels Grünabfuhr erfolgen. Einem Christbaum kann man aber auch Aufsehen erregend Lebewohl sagen: Mit der Teilnahme an der Weltmeisterschaft im Weihnachtsbaumwerfen im deutschen Weidenthal in der Pfalz.

Der Höhen-Weltrekord steht bereits seit einigen Jahren bei 10,95 Metern.

Der Höhen-Weltrekord steht bereits seit einigen Jahren bei 10,95 Metern.

epa

Dort müssen die Wettkämpfer eine rund 1,50 Meter grosse und 34 Kilogramm schwere Fichte möglichst weit werfen, möglichst hoch werfen und möglichst weit schleudern. Die Distanzen der drei Disziplinen werden zu einem Gesamtergebnis addiert. Bei 25,01 Metern steht der Weltrekord, aufgestellt vor vier Jahren von Frank Schwender.

«Man kann ja schlecht den Christbaum durchs Wohnzimmer werfen»

Schwender ist der Roger Federer der Christbaum-Werfer, denn er siegte auch in diesem Jahr. Mit 23,17 Metern gewann der Verkaufsleiter aus Frankeneck am Sonntag bei der 14. Austragung der WM bereits zum sechsten Mal den Titel. Dazu besitzt er fünf Silbermedaillen.

Schwender weiss: «Wenn der Baum falsch geworfen wird, bläht er sich auf und fällt schnell.» Auf ein Training verzichtet er, denn «man kann ja schlecht den Christbaum zur Übung durchs Wohnzimmer werfen.» Sein Erfolgsgeheimnis lautet deshalb: «Drei Glühwein, dann ist der Körper bereit.»

Fachkundiges Publikum bestaunt zwischen Glühwein und warmen Würstchen die Werfer.

Fachkundiges Publikum bestaunt zwischen Glühwein und warmen Würstchen die Werfer.

epa

Gebrauchte Bäume nicht geeignet

Dem letztjährigen Sieger Christopher Milloth habe vor allem beim Schleuderwurf die entscheidende Weite gefehlt, stellte der Reporter der Zeitung «Die Rheinpfalz» in seiner Analyse fest. Besser lief es dagegen der Titelverteidigerin: Margret Klein-Raber, eine Tierphysiotherapeutin aus Siesburg, gewann mit 17,47 Metern auch in diesem Jahr.

Christbaum-Wurf-Ikone Schwender in einer Reportage vom letzten Jahr:

Falls du für nächstes Jahr mit deinem Christbaum bereits einen Ausflug ins 2000-Seelen-Örtchen Weidenthal eingeplant hast, dann sei nun nicht zu enttäuscht. Denn selbstverständlich kann nicht Krethi und Plethi mit einem Bäumchen an einer sportlich hochbrisanten WM auftauchen. «Echte gebrauchte Weihnachtsbäume können wir nicht verwenden», sagte Organisator Herbert Laubscher zur Agentur dpa. «Sie sind ausgetrocknet, verlieren schnell ihre Nadeln und auch die Zweige würden leichter brechen.» Stattdessen werden die Wettkampffichten kurz vor der WM im Gemeindewald geschlagen.