Der Schlangenjäger von Bangkok

In der thailändischen Hauptstadt wird die Feuerwehr öfter wegen Schlangen gerufen. Pinyo Pukpinyo ist ein Spezialist.

Caroline Bock
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Auge in Auge mit der Kobra: Feuerwehrmann Pinyo Pukpinyo bei der Arbeit.

Auge in Auge mit der Kobra: Feuerwehrmann Pinyo Pukpinyo bei der Arbeit.

Bild: Caroline Bock/dpa (Bangkok, 3. Februar 2020)

(dpa) Das mit den Toiletten stimmt. Es kommt vor, dass Schlangen in Thailand bis ins Badezimmer kriechen. In Bangkok gehören Reptilien für die Feuerwehr zum Alltag. Sie wird öfter wegen Kobras, Pythons oder einer Viper gerufen als zum Löschen von Bränden. Dafür gibt es Spezialisten – der bekannteste ist der Feuerwehrmann Pinyo Puk­pinyo. Der 50-Jährige ist der Schlangenfänger von Bangkok – und traut sich, vor einer fauchenden Kobra zu knien oder zu zeigen, wie man schön langsam vor ihr Reissaus nimmt. Eine glitzernde Xenopeltis hält er lässig in der Hand wie andere Leute einen Schraubenschlüssel. Unter einem Löschauto auf seiner Wache liegt ein vier Meter langer Python, der einen kleinen Hund verspeisen könnte, in einem Käfig.

Ein Stammkunde hat zwei Schlangen im Garten

In der Feuerwehrstation gibt es Schlangen, die wieder ausgewildert werden, ein paar werden zu Schulungszwecken behalten. Das scheint auch sinnvoll: Um die 33'000 Schlangenfälle wurden vergangenes Jahr gemeldet, wie Pukpinyo erzählt. An diesem Vormittag ist es aber zuerst ein Feuer, zu dem er ausrückt. Wenig später meldet sich ein Stammkunde: Er hat zwei Schlangen im Garten. Als Pukpinyo dort eintrifft, ist es nur noch eine. An einer Kinderkletterwand liegt eine kleine Bambusotter, grün und giftig. Es ist eine häufige der mehr als 200 Schlangenarten in Thailand.

Für Pukpinyo Routine. Er braucht den Fanghaken nicht, sondern lässt das Tier in einen Plastikbehälter kriechen. Den schraubt er zu. Fertig. Der Hausbesitzer ist zufrieden. Nebenan ist eine grün überwucherte Brache, ein Paradies für Schlangen. Meist seien die Tiere auf Nahrungssuche, wenn sie in Häuser eindringen, sagt Pukpinyo. Beim aktuellen Fall seien bereits zwei Hühner von einem Python gefressen worden.

Der Schlangenjäger hatte früher Angst vor Schlangen

Früher hatte Pukpinyo Angst vor Schlangen, aber als sie vor 17 Jahren Teil seines Jobs wurden, fing er an, sich für sie zu interessieren. «Es sind starke Kreaturen.» Beim Umgang mit Schlangen gehe es vor allem um Sicherheit, für beide Seiten, Mensch und Tier. Man müsse lernen, wie man nicht gebissen werde. Einige würden gefährlich, wenn man sie beim Fressen störe.

An der Hand hat Pukpinyo eine Narbe, die von einer Königskobra stammt. Die habe ihn nach einer Schulung gebissen und für zwei Monate ins Krankenhaus befördert. Er sei zwar mit ihnen vertraut, aber es sei gut, sich etwas Furcht vor Schlangen zu bewahren. «Man kann ihnen nicht vertrauen.» Wenn sich Anrufer bei der Feuerwehr melden, ist der Rat: Keine Angst haben und die Schlange aus der Entfernung beobachten. Die Tür schliessen. Bei giftigen Tieren rät er dringend davon ab, selbst etwas zu unternehmen.

Jeder Bangkoker hat eine Schlangenstory

Bangkok ist auf Wasser, Sand und Lehm gebaut, Schlangen lauern in den Gärten und an Brachflächen. Wahrscheinlich kann jeder Bewohner eine Schlangenstory erzählen. So wie in der Chat-Gruppe einer Wohnanlage, in der diskutiert wird, welches Reptil da gerade beim Pool hing: Wohl eine Goldschlange.

Feuerwehrmann Pinyo Pukpinyo hat eine Facebook-Seite mit Tausenden Fans. Besonders viel hat er in der Regenzeit zu tun, von Juni bis August. In Spitzenzeiten hat seine Wache 20 Schlangeneinsätze. Pukpinyo rettet aber auch Katzen. Zur Beruhigung: Dass sich Schlangen auf der Toilette finden, dürfte so bekannt sein, weil es sich auf den sozialen Medien verbreitet. Der Fachmann sagt, solche Fälle seien ganz selten.