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Der Schmerz im Gesicht von Jacinda Ardern ist der Schmerz einer Nation

Jacinda Ardern (38), Premierministerin von Neuseeland, beeindruckt in der Krise mit ihren Führungsqualitäten. Die studierte Politologin zeigt gleichzeitig viel Mitgefühl und Entschlossenheit.
Urs Wälterlin, Canberra
Jacinda Ardern, Premierministerin von Neuseeland, beim Treffen mit der muslimischen Gemeinschaft von Christchurch. (Bild: New Zealand Prime Minister, 16. März 2019)

Jacinda Ardern, Premierministerin von Neuseeland, beim Treffen mit der muslimischen Gemeinschaft von Christchurch. (Bild: New Zealand Prime Minister, 16. März 2019)

Das Bild zeigt das Gesicht einer Frau. Ein schwarzer Hijab mit goldenem Rand bedeckt ihr Haar. Der Fotograf muss aus grosser Distanz gearbeitet haben. Das Gesicht birgt eine Intimität, wie sie die Frau wohl nicht gezeigt hätte, wenn rund um sie die Fotografen abgedrückt hätten. Die Augenbrauen in Sorge angewinkelt, Stirnfalten ziehen sich durch kalkweisse Haut. Der Mund ist geschlossen. Sie hört zu.

Jacinda Ardern, Premierministerin von Neuseeland. Der Schmerz in ihrem Gesicht ist der Schmerz einer Nation. Das Foto, das am Samstag bei einem Treffen mit Überlebenden und Angehörigen der Opfer des rechtsextremen Terrorangriffs in Christchurch aufgenommen wurde, es wird in den Geschichtsbüchern noch in 100 Jahren symbolisieren, was die derzeit vielleicht beliebteste Spitzenpolitikerin der Welt ausmacht: Mitgefühl, Verständnis, bedingungslose Hilfsbereitschaft. Und Entschlossenheit.

Die 38-jährige studierte Politologin zeigt der Welt derzeit, wie politische Führungsqualität aussieht. Die Neuseeländer selbst sind wenig erstaunt. Die 40. Premierministerin Neuseelands, die erst 2017 das Regierungszepter übernommen hatte, nach wenigen Monaten an der Spitze ihrer Partei, sie beeindruckt selbst harte Konservative mit ihrer Mischung aus Menschlichkeit und Pragmatismus.

Ardern wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf, als Tochter eines Polizisten und einer Kantinenarbeiterin. Das hat ihr soziales Gewissen geprägt. Entschlossen packt sie die Herausforderungen an – ohne Rücksicht auf Interessen: Klimawandel, Immobilienkrise, Arbeitslosigkeit. Taten statt Polemik. Mehr zuhören als sprechen. Kein Wunder wurde sie von der Zeitschrift Vogue die «Anti-Trump» genannt.

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