Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Der Wiener Stadtkaiser und sein Nachfolger

SPÖ-Bürgermeister Michael Häupl geht in Pension. Als 68er-Revoluzzer begann er seine politische Karriere, als eine Art roter Kaiser von Wien beendet er sie.
Rudolf Gruber, Wien
Michael Häupl im Rahmen einer PK nach einer Sitzung der Landeshauptleute-Konferenz in Wien. (Roland Schlager/APA (Wien, 18. Mai 2018))

Michael Häupl im Rahmen einer PK nach einer Sitzung der Landeshauptleute-Konferenz in Wien. (Roland Schlager/APA (Wien, 18. Mai 2018))

Diese Woche ging in Wien eine Ära zu Ende: Michael Häupl trat nach 24 Jahren als Bürgermeister ab, keiner der Vorgänger war länger im Amt. Seine Bilanz kann sich sehen lassen: Unter dem boden­ständigen Kosmopoliten erlebte Österreichs lange Zeit etwas verschnarchte Metropole den Aufstieg zu internationalem Format. Wien zählt heute zu den fünf Spitzendestinationen des globalen Städtetourismus und entwickelte sich nach dem Fall des Eisernen Vorhangs zur Drehscheibe Mittelosteuropas. In seiner Amtszeit wuchs Wien um 300 000 auf knapp 1,9 ­Millionen Einwohner an, die alte Kaiserstadt geniesst EU-weit den Ruf als eine der am besten verwalteten Hauptstädte mit höchster Lebensqualität.

Allerdings: In der Migrationspolitik hat ihn sein politischer Instinkt im Stich gelassen. Häupl bemerkte zu spät, dass er der rechten FPÖ in der Ausländer­frage jahrelang das Feld überlassen hat. 2010 verlor die SPÖ prompt die absolute Mehrheit, viele ihrer Wähler waren zur FPÖ übergelaufen. Häupl wagte erstmals ein Bündnis mit den eher ungeliebten Grünen, das bis heute hält. Zuletzt verteidigte er Wien kämpferisch als letzte rot-grüne Bastion im schwarz-blau umgefärbten Bundesstaat.

Die Karriere als roter Stadtkaiser war dem Juso, 68er-­Rebell und Biologiestudenten nicht vorgegeben. Bei seiner Wahl 1994 galt der gebürtige Niederösterreicher Häupl als scheuer Intellektueller, dem die Schuhe seines legendären Vorgängers Helmut Zilk viel zu gross schienen. Doch mit Bürgernähe, Tatkraft, Stand- und Trinkfestigkeit, flotten Sprüchen und nicht zuletzt mit seiner korpulenten Fiakerfigur entsprach Häupl geradezu dem Idealbild eines Wiener Bürgermeisters. Er hätte auch Bundeskanzler werden können, widerstand aber den Lockrufen hartnäckig. Er sei zu sehr ­Wiener, als dass ihn auch Tiroler oder Vorarlberger wählen würden, meinte er einmal selbstironisch.

Sein nicht wunschgemässer Nachfolger Michael Ludwig, seit elf Jahren Wohnbau­stadtrat, wirkt noch ziemlich farblos. Der 57-jährige Wiener gilt, anders als der authentische Sozialdemokrat Häupl, als ­Pragmatiker und Mann ohne Kanten. Sinnigerweise präsentierte Ludwig das neue, penibel ausgewählte SPÖ-­Regierungsteam als «Wiener Melange». Darunter verstehen die Wiener einen stark ­verwässerten Kaffee mit viel Milchschaum drauf. Die ­Symbolik stimmt also nicht erwartungsvoll. 2020 muss er sich erstmals den Wiener Wählern stellen.

Ludwigs Wille zur Macht wird jedoch oft unterschätzt, vielleicht, weil er das Gemüt eines Teddybären ausstrahlt. Als vor wenigen Jahren Häupls Einfluss in der Wiener SPÖ zu schwinden begann, brachte sich Ludwig mit Hilfe des rechten Parteiflügels zielstrebig für die Nachfolge in Stellung. Dem studierten Politologen und Historiker werden auch keine Berührungsängste mit der FPÖ nachgesagt. Doch bestritt er bei der Amtsübergabe erneut, gegebenenfalls eine rot-blaue Koalition eingehen zu wollen. Vielmehr wolle er die von der FPÖ in den letzten 20 Jahren eroberten grossen Flächen­bezirke an den Rändern Wiens für die SPÖ zurückerobern, namentlich sein «Heimatgrätzl» Floridsdorf. Dort ­begann 1994 seine politische Laufbahn als Bezirksrat, im selben Jahr, als Häupl ins ­Wiener Rathaus einzog.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.