Der Täter nahm 23 Waffen mit ins Hotelzimmer

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Attentäter Stephen Paddock war 64 Jahre alt, wohlhabend und lebte mit einer Freundin zusammen – der ehemalige Immobilienhändler und Glücksspieler erweckte zumindest den Eindruck, als geniesse er seinen Ruhestand in Mesquite (Nevada). Natürlich war er unstet, wechselte oft den Wohnort; auch wurde er von seinen Nachbarn als mürrisch und kalt bezeichnet. Diese Charaktereigenschaften machte ihn aber noch nicht zu einem potenziellen Massenmörder. Am Sonntagabend aber tötete Paddock vom 32. Stockwerk des «Mandalay Bay Resort & Casino» in Las Vegas aus mindestens 59 Menschen, die sich an einem Konzert des Country-Stars Jason Aldean vergnügten. 516 Menschen wurden verletzt; einige davon während der Panik, die sich ausbreitete, als Paddock Tausende von Konzertbesuchern ins Visier nahm.

Die Tat war gut vorbereitet. Paddock befand sich im Besitz von insgesamt 42 Waffen – 23 davon hatte er in sein luxuriöses Hotelzimmer mitgebracht, in das er am Donnerstag eingecheckt war. Unter den gefundenen Waffen befanden sich auch halbautomatische Schnellfeuergewehre, die Paddock verändert hatte. Der Täter befand sich zudem im Besitz von Ammoniumnitrat, das zur Herstellung von Bomben verwendet werden kann.

In den Augen der Polizei gibt es derzeit keine Hinweise auf ein Motiv für die Tat. Die Ermittler betonten aber auch, dass kein Motiv ein solches Verbrechen rechtfertige. Nun hofft die Polizei, dass Paddocks Freundin Einblick in das Innenleben des Täters geben kann. Marilou Danley (62) befindet sich derzeit im Ausland, will aber gemäss übereinstimmenden Medienberichten heute Mittwoch in die USA zurückkehren. Aus Ermittlungskreisen hiess es, dass Danley und der zweifach geschiedene Paddock seit dem Frühjahr 2017 ein Paar gewesen seien. Sie stammt ursprünglich von den Philippinen und soll sich in ihrer Heimat aufgehalten haben, als Paddock seine Bluttat verübte. Bekannt wurde ausserdem, dass Paddock ihr vorige Woche 100'000 Dollar auf die Philippinen überwiesen hatte.

Die Bewohner von Las Vegas versuchen sich derweil, einen Reim aus dem Geschehen zu machen. Die Spielerstadt ist stark von Touristen abhängig: Allein 2016 registrierte das örtliche Touristenbüro fast 43 Millionen Besucherinnen und Besucher aus dem In- und Ausland, davon 46'000 aus der Schweiz. Das «Mandalay Bay» befindet sich am südlichen Ende des Las Vegas Boulevard, der auch «Strip» genannten Hauptverkehrsachse. Gemäss der Lokalzeitung «Las Vegas Review-Journal» herrscht in dem luxuriösen Hotel seit dem Attentat vom Sonntag gespenstische Ruhe. (rrw)